Connor Knopf aus Dornstetten macht derzeit ein Freiwilligenjahr in Sambia. Wie dort sein Alltag aussieht und was seiner Meinung nach die Sambier von den Deutschen unterscheidet.
Connor Knopf aus Dornstetten ist gerade fertig mit der Schule. Statt eine Ausbildung oder ein Studium zu beginnen, wollte er jedoch erst einmal eine Pause einlegen, in Form eines Freiwilligenjahrs.
„Ich liebe es zu reisen“, erklärt Knopf im Gespräch mit unserer Redaktion. Er lerne immer gerne neue Kulturen und Länder kennen um neue Erfahrungen zu sammeln. Sein gesamtes Leben wohnt der 19-Jährige bereits in Dornstetten. Daher war sein Ziel klar: Hauptsache ganz weit weg.
Daher hat er sich für ein Freiwilligenjahr in Sambia entschieden – wobei „entschieden“ hier wohl das falsche Wort ist. Schließlich sollte sein Flug ursprünglich nach Südafrika gehen, nicht nach Sambia. Doch wie kam es dazu?
Reise sollte eigentlich nach Südafrika gehen
Auf Grund von Visa-Schwierigkeiten mit der Südafrikanischen Botschaft in Berlin war eine Einreise nach Südafrika für einige Freiwillige nicht möglich. Der Allgemeine Sport-Club Göttingen (ASC), Knopfs Entsendestation, hatte sich daher eine Lösung überlegt: Statt nach Südafrika geht es nach Sambia.
So unglücklich sei er im Nachgang jedoch gar nicht über diese Wendung. Zwar wäre Südafrika sicherlich auch eine unglaubliche Erfahrung gewesen, erklärt Knopf, allerdings hätte er dort vergleichsweise auch weniger Freiheiten gehabt, auf Grund der hohen Kriminalität und den bis heute andauernden Nachwirkungen der Apartheid.
Sportunterricht an Grundschulen
Daher landete sein Flieger Ende September in Sambia, statt in Südafrika. Dort wohnt er am Stadtrand der Landeshauptstadt Lusaka, mit vier weiteren Freiwilligen in einem, von der Organisation „weltwärts“ gestellten, Haus.
Von Dienstag bis Freitag gibt er vormittags drei Klassen à 40 Minuten Sportunterricht, an einer von drei Grundschulen. Dabei betreut er, an den privaten Schulen rund 40 und an der staatlichen rund 60 Kinder. Wenn sie den Unterricht nach draußen auf den Schulhof verlagerten, kämen auch mal bis zu 120 Kinder zusammen, erzählt Knopf.
Durch den Sport wolle er dabei helfen, die Welt Stück für Stück immerhin etwas besser zu machen und den Kindern Möglichkeiten zum Sport zu bieten, die sie sonst vielleicht nicht hätten, so Knopf.
Sport ist ein großer Teil seines Lebens
Zweimal die Woche dürfe er zudem, als Teil des Trainer-Teams eigene Fußballprojekte am OYDC Sport- und Entwicklungszentrum umsetzen. Sport sei schon immer ein großer Teil seines Lebens gewesen, erzählt Knopf. In Dornstetten hab er lange Fußball gespielt, bis es ihm vor zwei Jahren zu viel wurde.
Jeden Montagvormittag nimmt er zudem an einem Sprachkurs in „Nyanja“, einer der sieben Stammessprachen Sambias, teil – auch wenn er sich vor diesen am liebsten gedrückt hätte, scherzt er. Mit den meisten Kindern könne er sich ohnehin gut in der Amtssprache Englisch unterhalten.
Seine bisherigen Highlights
„Jeder Tag ist immer unterschiedlich“, erklärt Knopf. Dennoch hätte er in der kurzen Zeit, die er in Sambia ist, schon ein paar Highlights erleben dürfen, darunter auch der Unabhängigkeitstag am 24. Oktober.
An diesem Tag seien die Schüler nicht wie sonst in ihren Schuluniformen, sondern in traditionellen Trachten zur Schule gekommen und hätten Tänze, Lieder und Gedichte aufgeführt. „Sehr einprägsam“ seien für Knopf auch die Sportspiele gewesen. Wenn 30 bis 40 Kinder auf einen zu rennen, sei das wirklich „sehr herzerwärmend“, erklärt er.
Er habe sich daran gewöhnt, als Weißer in einem hauptsächlich schwarzen Land zu leben. Oft sprechen ihn Leute auf der Straße an, das sei jedoch ein toller Gesprächseinstieg, erklärt er. Generell seien die Menschen freundlicher und offener. Es sei einfach „alles ein bisschen lockerer“.
Freiwilligenjahr in Sambia
Das Programm
„weltwärts“ ist eine entwicklungspolitische Initiative der Bundesregierung. Jährlich entsenden rund 150 Organisationen circa 300 junge Freiwillige in Länder des globalen Südens, um Entwicklungsprojekte zu unterstützen und den kulturellen Austausch zu fördern.
ASC Göttingen
Der ASC Göttingen, Connors Entsendestation konzentriert sich auf sportpädagogische Projekte in Afrika und entsendet dieses Jahr rund 100 Freiwillige in sechs verschiedene Länder.
Das Land
Sambia ist ein Binnenstaat im südlichen Afrika. Die offizielle Amtssprache ist Englisch, es sind aber noch sieben weitere Stammessprachen offiziell anerkannt, sowie 72 weitere Dialekte dieser Sprachen. Bekannt ist das Land insbesondere für die imposanten Viktoria Wasserfälle an der Grenze zu Simbabwe.
Die Stadt
Die Millionenstadt Lusaka ist die Landeshauptstadt von Sambia. Auf Grund ihrer vielen Grünflächen und Parks trägt sie auch den Beinamen „The Garden City“.