Ein Experte hat den Bedarfsplan der Freiwilligen Feuerwehr Dobel erarbeitet. Unter anderem überraschend war die Risikoanalyse.
Die Gemeinderatssitzung in Dobel am Dienstagabend stand im Zeichen der Freiwilligen Feuerwehr. Bürgermeister Christoph Schaack hatte Kommandant Sven Schatz und zahlreiche Kameradinnen und Kameraden in den Sitzungssaal eingeladen. Im Mittelpunkt stand der Fachvortrag von Marcus Frank zur Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplans 2026 bis 2031. Frank, der bereits den vorangegangenen Bedarfsplan erarbeitet hatte, war damit kein Unbekannter in der Gemeinde.
Er eröffnete seinen Vortrag mit einem grundsätzlichen Hinweis: Auch bei angespannter Haushaltslage seien alle Gemeinden verpflichtet, die Voraussetzungen für eine funktionsfähige Feuerwehr zu schaffen. Zugleich bemängelte er, dass die Gesetzeslage in Baden-Württemberg in diesem Bereich noch unscharf sei – andere Bundesländer sowie süd- und westeuropäische Länder seien hier deutlich weiter. Er mahnte die Politik, diesen Rückstand ernst zu nehmen.
Durchschnittlich 30 Einsätze pro Jahr
Die Risikoanalyse für Dobel fiel deutlich aus: „Das örtliche Risiko ist in Dobel sehr hoch“, sagte Frank. Ausschlaggebend seien weniger die rund 2300 Einwohner als vielmehr die Anzahl der Pflegeeinrichtungen und die stark frequentierten Überlandverkehrswege. Von fünf möglichen Risikostufen ordnete Frank die Gemeinde bei Stufe vier ein – damit gehört Dobel zu den Kommunen mit besonders hohem Schutzbedarf. Frank unterschied in seiner Analyse zwischen Standardbränden und Standardhilfeleistungen wie der Befreiung von Verletzten aus Fahrzeugen, Bergungen und ähnlichen Einsätzen. Beide Kategorien seien für die Bedarfsplanung gleichermaßen relevant. Hinzu komme eine wachsende Einsatzbelastung: Mittlerweile verzeichne die Wehr durchschnittlich 30 Einsätze pro Jahr – eine Zahl, die den gestiegenen Anforderungen an Ausrüstung und Personal Rechnung trage.
Mannschaftsstärke gewachsen
Positiv bewertete Frank die Personalentwicklung. Seit 2019 sei die Zahl der Aktiven von 46 auf 56 gestiegen – ein Ergebnis, das er auf die hervorragende Jugendarbeit zurückführte.
Die erste Staffel mit sechs Einsatzkräften komme tagsüber zu einem Erreichungsgrad von 82 Prozent, nachts sogar zu 94 Prozent. Der Erreichungsgrad der Feuerwehr ist ein Prozentwert, der angibt, in wie viel Prozent aller Einsätze eine Gemeinde ihre eigenen Sicherheitsziele einhält. Die zweite Staffel komme nur auf 48 Prozent, da viele Feuerwehrleute ihrer Arbeit außerhalb Dobels nachgingen.
Das erklärte Ziel bleibe, einen Erreichungsgrad von 90 Prozent anzustreben. Handlungsbedarf sah Frank vor allem bei der taktischen Gliederung, die angesichts des demografischen Wandels und infrastruktureller Veränderungen regelmäßig angepasst werden müsse.
Fahrzeugbeschaffung nicht aufschieben
Ein zentrales Thema war die teilweise veraltete Fahrzeugausstattung. Frank mahnte den Gemeinderat, Ersatz- und Neubeschaffungen nicht hinauszuzögern. Die Lieferzeiten würden teils mehr als drei Jahre betragen, die Preise würden kontinuierlich steigen.
Für die kommenden Jahre empfahl er folgende Anschaffungen: ein Mehrzweckfahrzeug für rund 105.000 Euro (Förderung: 22.000 Euro), ein Hilfeleistungs-löschgruppenfahrzeug mit Allradantrieb für 590.000 Euro (Förderung: 150.000 Euro), für 2036 ein Tanklöschfahrzeug für 560.000 Euro (Förderung: 140.000 Euro) sowie zeitnah einen Gerätewagen Logistik für 270.000 Euro (zugesicherte Förderung: 50.000 Euro). Beim Feuerwehrgerätehaus sei die Gemeinde mit dem laufenden Anbau und der Renovierung bereits auf dem richtigen Weg.
Bürgermeister Schaack und Kommandant Schatz dankten Frank für die Ausarbeitung des neuen Bedarfsplans. Der Gemeinderat stimmte dem Feuerwehrbedarfsplan einstimmig zu.
Darüber hinaus beauftragte das Gremium die Planungsleistung zur Beschaffung des Gerätewagens Logistik sowie Architektur- und Tragwerksplanungsleistungen für das Feuerwehrgеrätehaus. Auch das Bauvorhaben zur Erweiterung des Gerätehauses samt den erforderlichen Befreiungen wurde beschlossen.