Das Team des Fördervereins ist zuversichtlich, dass alles rechtzeitig fertig sein wird, wenn in Stein am 29. März die Saison startet.
Bernd Brunner ist schwer bepackt. Zwei große Astscheren und eine Akkusäge hat er in den Händen. Die Weiden am Bächle, das vom Wald herkommt und das Gelände ungemein bereichert, müssen zurückgeschnitten werden. Der Untergrund ist dauerhaft feucht, und da wachsen die Büsche noch einmal so gut.
Aber es soll noch genügend Platz sein für den Spielplatz, den der Förderverein seit Jahren hegt und pflegt, wenn die jungen und ganz jungen Gäste genug haben vom Altertum und einfach nur ihren Spaß haben wollen.
Also setzt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Scheren und Sägen an.
Auf Anhieb eine Attraktion
Der voluminöse Sandkasten ist bereits hergerichtet für die neue Saison, die Wackelbrücke, die über das Bächle führt, ist stabil wie eh und je, die Seilbahn ist bereit und auch die neue Kugelbahn ist von den Spuren des Winters befreit. Das Geschenk der Hechinger Stadtförster, so erzählt Bernd Brunner, ist im vergangenen Jahr auf Anhieb ein Lieblingsplatz für die jüngsten Besucher geworden. So etwas gibt’s schließlich nicht überall, schon gar nicht in Freilichtmuseen. Stein ist und bleibt etwas Besonderes, auch bei den kleinen Zugaben.
Allerdings fällt am Freitag der zurückliegenden Woche ein großes Grabungsstück auf beim Spielplatz. Nein, scherzt der Weidenbearbeiter, da würden keine Utensilien aus römischer Zeit vermutet. Die Villa rustica wird auch nicht um einen Pool bereichert. An dem Platz neben dem Alemannenhaus wurde mit dem Kleinbagger der Untergrund für die neue Schaukel und die ebenfalls neue Rutsche bereitet. Der neue Spielturm muss zudem justiert werden. Anders als bei den Vorgängergeräten, bei denen man noch handelsübliche Stücke für den Hausgarten genommen hat, muss inzwischen alles den Vorschriften entsprechen. Also massiv und für alle Fälle abgesichert. Das bedeutet überdies, dass zum Schutz für den schlimmstmöglichen Fall des unfallmäßigen Herunterfallens zentnerweise Hackschnitzel ausgebracht werden müssen. Selbstverständlich die Sorte Hackschnitzel, die für Spielplätze vorgeschrieben ist.
„Das wird ein teures Vergnügen“, stellt Bernd Brunner fest. Spannend ist das Vergnügen ebenfalls. Denn man ist beim Verein doch überrascht worden von den vergleichsweise langen Lieferzeiten der neuen Spielgeräte. Das riesige Loch ist seit Tagen fertig, aber jetzt ist erst einmal Pause. Wird das nicht knapp bis zum Saisonstart in zwei Wochen? „Am Palmsonntag ist das aufgebaut“, verspricht Bernd Brunner.
Dabei wäre das Wetter Ende der vergangenen Woche so passend gewesen: Endlich mal kein Regen, die liebe Sonne strahlt über der wunderschön gelegenen Fläche, nur der kalte Wind stört. Aber das ist so schlimm nicht, denn auf dem Freisitz beim Kiosk mit der besten Aussicht weit und breit tummeln sich derzeit noch keine Gäste. Die hätten sich beschwert. Denn am Freitag hat es dort mächtig gestaubt: Die Holzbänke und -tische bekamen ebenfalls eine Generalüberholung zum Saisonauftakt und wurden abgeschliffen. Damit es sich auch auf Holz wieder bequem Platz nehmen lässt.
Vom Spielplatz und dem Freisitz abgesehen, könnten die Freilichtmuseumsbesucher auch jetzt schon wiederkommen. Alles ist geputzt und wo nötig nachgebessert worden. Im Tempelbezirk weiter unten knallen die Farben, als wäre es nicht monatelang nass und kalt gewesen, und auch die große Sonnenuhr von Yves Opizzo sieht aus, als wäre sie gerade erst aufgestellt worden. Beim Museumsgebäude selbst genügte ein beherzter Durchgang mit dem Besen. Es ist absolut wetterfest.
Es fehlt jemand!
Aber doch ist irgendetwas anders an diesem Freitagvormittag in der Villa rustica. Man muss als Besucher von der Zeitung nun wirklich nicht lange überlegen, was fehlt. Er fehlt: Gerd Schollian macht nur sporadisch mit bei den Arbeiten für die neue Saison. Nach den gesundheitlichen Problemen, die den immer wackeren Macher der Villa rustica im Winter ereilt haben, muss der oberste Römer kürzertreten. Schollian ohne Schaufel und nicht mehr im Führerhaus des Baggers? Es ist schwer, sich an diese Aussichten zu gewöhnen. Aber er bleibt dem Freilichtmuseum ja erhalten, betont Bernd Brunner. Für den Nachmittag ist wieder mit dem Gründungsvorsitzenden des Fördervereins zu rechnen. Dann aber darf nicht geschafft werden. Aber der Freisitz freut sich auf Gerd Schollian und weitere Mitstreiter im etwas höheren Alter, die es beim Bier in der Sonne bewenden lassen.
Wer nicht nur einen Imbiss bei den Römern genießen, sondern selbst im Kiosk mitarbeiten will, der und die melde sich beim Förderverein. Personal (gegen Bezahlung!) wird immer gebraucht.