Gerd Schollian ist Vorsitzender des Fördervereins des Römischen Freilichtmuseums in Hechingen-Stein und unermüdlich im Einsatz. Foto: Kauffmann

Immer weniger Schulklassen besuchen das Römische Freilichtmuseum in Hechingen-Stein. Den Grund dafür beschreibt Gerd Schollian, Vorsitzender des Fördervereins.

Schlechte Nachrichten vom Römischen Freilichtmuseum in Stein: Immer weniger Schüler besuchen die Anlage bei Hechingen.

 

Gerd Schollian, Vorsitzender des Fördervereins, klagt: „Vor Jahren war es besser und wir leiden, was es den Besuch von Schulklassen aus dem gesamten Raum Baden-Württemberg wegen der miserablen und zumeist unpünktlichen Bahnverbindungen nach Hechingen und die weitere Verbindung mit Bussen nach Stein betrifft.

Hinzu kommt, wie Schollian berichtet, dass Busse für eine Fahrt und die Verweildauer in Stein teurer geworden sind. Schollian weiter: „Von Stuttgart bis Tübingen funktioniert das System noch einigermaßen, die Verbindung in die Provinz ist aus meiner Sicht mehr als mangelhaft.“

Knackpunkt sind die knappen Umsteigezeiten

Tatsächlich entspricht dies aus der Standort-Perspektive des Freilichtmuseums den Fakten. Dort gibt es die Bushaltestelle „Römische Ausgrabungen“, und die Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln an sich ist nur donnerstags und freitags gut. So könnten Schüler aus dem Raum Stuttgart vom dortigen Hauptbahnhof mit dem Zug nach Horb oder Hechingen und von dort wiederum mit der Buslinie 310 Richtung Obertorplatz/Horb zum Freilichtmuseum. Zurück geht es dann ebenfalls über die Bahnhöfe Horb oder Hechingen.

Aufwendig wiederhergestellt wurde das Nordtor des ehemaligen römischen Gutshofs, das im Jahr 2024 erstmals wieder in ganzer Pracht zu sehen war. Foto: Kauffmann

Die Busse fahren etwa einmal pro Stunde, Knackpunkt ist jedoch die geringe Umsteigezeit, die mit weniger als zehn Minuten angegeben ist. Das könnte zu knapp werden, wenn man mit einer Schulklasse von 20 bis 30 Jugendlichen unterwegs ist. Zudem schrumpft die Umsteigezeit, wenn Bus oder Zug Verspätungen haben. Im schlechtesten Fall stehen Schulklassen in Stein oder in Hechingen über eine Stunde wie bestellt und nicht abgeholt. Nochmal schwieriger wird der Besuch des Freilichtmuseums sicher für Schulklassen, die keinen Zugriff auf eine direkte Bahnverbindung nach Hechingen haben. Im Ergebnis müssen Schollian und sein Team fast täglich Stornierungen fest gebuchter Termine „empört reagierender Lehrkräfte aus dem ganzen Land entgegen nehmen und diese nehmen weiter zu“.

Der Bus ist für die Schulen oft zu teuer

Schollian beschreibt ein Beispiel weist Schollian auf eine E-Mail hin, die im Museum von einer Lehrerin aus dem Stuttgarter Raum eingegangen ist: „Ich bin untröstlich, muss aber den Besuch im Freilichtmuseum leider absagen. Wir haben keinen Bus zu einem angemessenen Preis bekommen (über 1000 Euro für nicht mal den ganzen Tag) Zudem ist die Bahnverbindung so haarsträubend, dass mir sogar der Mitarbeiter der Bahn gesagt hat, dass er es nicht wagen würde mit 48 Sechstklässlern dorthin zu reisen. Wir haben uns nun schweren Herzens entschieden, den Besuch in ihrer herrlichen Anlage abzusagen. Vor allem der Rückweg wäre sehr riskant, sodass ich Sorge habe, dass wir irgendwo stranden, weil wir den Anschluss nicht bekommen.“

Lehrer organisieren Anfahrt in Privatautos

„So und ähnliches hört man in letzter Zeit vermehrt. Es führt im Freilichtmuseum zu organisatorischen Umplanungen für die Führungskräfte und nicht zuletzt zu nicht unerheblichen finanziellen Verlusten“, erklärt Schollian. Um die fest eingeplanten Termine für ihren Geschichtsunterrichtsstunden einigermaßen einhalten zu können, organisieren immer mehr Lehrkräfte private Pkw. „Insgesamt“, so Schollian, „ein trauriges Bild“.

Besonders verheerend wirken sich die Absagen der Schulklassen im Hinblick auf die finanziellen Spielräume des Fördervereins aus. Die Schulklassen-Besuche gehören nämlich zu den wesentlichen Einnahmefaktoren des Freilichtmuseums, das den Betrieb mit Ehrenamtlichen aufrecht erhält.