Miese Verbindung: Das freie WLAN in der Stadt ist an manchen Stellen ziemlich leistungsschwach. Foto: Lück

Alle reden über Homeoffice, Videokonferenz und Digitalisierung. WLAN wäre deshalb schon gut – wenn es nicht so lückenhaft ist, wie das freie Wifi in Horb. Jetzt verspricht "Free-Key"-Chef Walter Innerebner ein Update. Die Störungen sind allerdings schon 14 Monate bekannt.

Horb - 2015 wurde das öffentliche Wifi installiert – noch unter dem damaligen City-Manager Bernd Matthieu. Frei surfen ohne Flatrate, Videogucken geht (allerdings nur jugendfrei). Überall, wo der Handel an der klassischen Bummelroute in der Kernstadt Horb sitzt. Kostenlos.

 

Doch jetzt – sechs Jahre später – ist die freie Internet-Verbindung ziemlich lückenhaft.

Der Schwarzwälder Bote hat den Test gemacht. Beim Warten auf das Schnelltest-Ergebnis an der Markthalle schnell noch ein Youtube-Video gucken? Geht.

Runter Richtung Kernstadt. Nächster Punkt ist die Schiller-Apotheke. Hier ächzt das Wifi schon – 0,72 Megabit pro Sekunde (Mbps) Download, Upload 0,05. Sogar das lahme "Edge"-Tempo im Mobilfunk dürfte schneller sein. In Höhe Amplifon Hörgeräte geht gar nichts mehr.

Vor Neckar Sport und Dolce Vita mal ganz was Neues: Auf dem Smartphone ploppt die Nachricht auf "Verbindung zum Netzwerk ›Free-Key Horb am Neckar 1‹ fehlgeschlagen." Beim NKD dreht sich die "Uhr" mit dem Statement: "Keine Internetverbindung". Und so geht es weiter bis zum "Schmuck am Aischbach".

Erst in Höhe von "Texx Deal" nebenan geht wieder was: Download 3,18, Upload 0,7. Also rein in die Hirschgasse. Viele Läden gibt es hier derzeit nicht. Doch vor der Buchhandlung Kohler geht das freie WLAN wieder in die Knie: mega-lahm (0,72 Mbps). Vor dem Hermann-Hesse-Kolleg endet das Wifi ganz. Der tolle untere Marktplatz und die Wartebank vor Friseur Doormann – Nullkommanull. Immerhin: Auf dem Marktplatz funkt es wieder.

Und was ist am Bahnhof?

Hier funkt das freie WLAN überall. Egal, ob vor Kaufland, auf Bussteig 6 oder vor der Drogerie Müller – überall Verbindung.

Doch diese Lücken gerade in der Kernstadt sind natürlich peinlich. Vor allem, wenn sich "Free Key" auf seiner Internet-Seite als " das umfangreichste WLAN-System Europas" selbst lobt.

Walter Innerebner, Chef von "Free Key": "Wir arbeiten gerade an der Verbesserung mit der Stadt. Eine Ortsbesichtigung der Standorte hat bereits mit Vertretern der Stadt stattgefunden. Auch der Elektrounternehmer, der den Aufbau machen wird, war dabei. Die Verbesserung sieht unter anderem den Austausch der alten Hardware gegen neue Hardware vor. Es wird auf Dualband bei den Access points getauscht. Switches werden ebenfalls gewechselt. Leider zieht sich das auf Grund der momentanen Situation. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir in Kürze mit dem Umbau starten werden."

Nach Informationen des Schwarzwälder Boten hat der Rathaus-Verantwortliche für das freie WLAN schon am 28. Februar vergangenen Jahres folgendes zugegeben: "Bei der Störung handelte es sich um ein Hardware-Problem am Standort in der Neckarstraße (Polizei). Dafür musste neue Hardware installiert werden, was leider etwas Zeit in Anspruch nahm." 14 Monate (!) später geht es hier immer noch nicht!

Öffentliches WLAN sei Pflichtprogramm einer modernen Stadt

Viele fragen sich jetzt natürlich: Brauche ich das freie WLAN noch, wenn ich über die günstigen Flatrates im Mobilfunk viel schnellere Verbindungen bekomme? Der Autor selbst ist bei Congstar (Telekom-Netz) und hat selbst dort, wo das "Free Key" nicht funkt, über 50 Mbps Download und bis zu 24,1 Mbps Upload (zum Beispiel bei der Markthalle).

Das "Free Key" findet dennoch durchaus Abnehmer, wie Innerebner berichtet: "Durch Corona haben wir einen gewissen Rückgang, weil insgesamt wohl weniger Leute unterwegs sind. Aber: zwischen dem 14. April 2018 und dem 14. April 2019 hat es 140.000 Nutzer in Horb gegeben. Danach waren es 114.000. Und in der Corona-Zeit zwischen April 2020 und jetzt sind es 115.000."

City-Manager Thomas Kreidler: "Ein öffentliches WLAN zu haben, gehört zum Pflichtprogramm einer modern denkenden Stadt. Auch gerade jetzt, wo wir diverse digitale Stadtrundgänge anbieten. Deshalb wollen wir das ›Free Key‹ ausbauen. Denn Burggarten und Schurkenturm stehen zwar als Punkte auf den Rundgängen, ›Free Key‹ gibt es dort aber noch nicht."

Doch welchen konkreten Nutzen hat das kostenlose WLAN für die Stadt? Kreidler: "Ich denke, es wird einmal natürlich viel von Schülern und jungen Leuten genutzt. Wichtig ist es uns aber nicht nur als Bürgerservice, sondern vor allem für den Tourismus. Unter den Menschen, die sich Zeit nehmen, die Stadt intensiv zu erkunden, dürften auch viele ältere sein, die nicht unbedingt eine riesige Daten-Flatrate im Mobilfunk haben – wenn überhaupt. Und für die ist ›Free Key‹ die Möglichkeit, beim digitalen Stadtrundgang die Infos auch auf das Smartphone zu kommen!"