Das freie Theater blickt auf eine bemerkenswerte Geschichte zurück. Ohne seine engagierte Leiterin Karin Maßen wäre das wohl nicht möglich gewesen.
Und so lädt das Theater zum Festival ein. Dabei wird Rückschau gehalten und in die Zukunft geblickt: vom Samstag, 26., bis Mittwoch, 30. Juli. Es gibt ein umfangreiches Programm für Jung und Alt mit Workshops, Theater und Musik. Zugleich verabschiedet sich das Theater mit der Abschlussperformance „Und Tschüss!“ in die Sommerpause.
Angefangen hat alles vor einer Garage: Theaterleiterin Karin Maßen, Lehrerin und Theaterpädagogin, spielte – selbst Mutter kleiner Kinder – Musiktheaterstücke mit Kindern aus der Nachbarschaft – und die Menschen waren begeistert, schleppten bis zu 300 Stühlen an, wollten mehr.
Später wurde Maßen für Theater AGs in den Kaufmännischen Schulen angefragt. Die wuchsen und wuchsen. Zudem entstand das Jugendtheater Nellie Nashorn. „Aus dem Funke war eine Flamme geworden“, erinnert sich Karin Maßen.
Im Jahr 1995 wurde Tempus fugit gegründet. Eine Initialzündung war das Projekt „Nur Mut“ zur Berufsorientierung, das für Aufsehen sorgte und gefördert wurde. Schließlich bekam das freie Theater Spiel- und Proberäume in der Ötlinger Straße.
Als einige der jungen Leute aus dem Team dann irgendwann von einem eigenen Theaterhaus fantasierten, musste Karin Maßen damals laut lachen „Nie hätte ich gedacht, dass wir das schaffen“, sagt sie rückblickend. Heute hat Tempus fugit ein professionelles Team in einem eigenen Theaterhaus im Adlergässchen.
Diesem Team ist dabei wohl stets bewusst, dass Theaterleiterin Karin Maßen Motor und Herz des Theaters ist. Für sie steht das Ensemble im Mittelpunkt der Arbeit. 2016 wurde die 69-Jährige für ihr Engagement mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.
Das umfangreiche Partnernetzwerk
Zum Partnernetzwerk von Tempus fugit zählen über 50 Schulen, die Kriminalprävention, die Agentur für Arbeit, das Kreisjugendreferat und weitere Einrichtungen. Junge Erwachsene erhalten im Spielzeitteam die Möglichkeit, eine Ausbildung in den Bereichen Theaterpädagogik, Schauspiel und Kulturmanagement zu durchlaufen.
Der Leitfaden des Theaters
Der Leitfaden des Theaters ist die Lust und die Liebe zum Theaterspielen. Bestehendes wird stets konstruktiv hinterfragt. So will das Theater offenbleiben für künstlerische und organisatorische Neuerungen. Inklusion und Integration seien dabei selbstverständlich. „Alle sind eingeladen, sich einzubringen, ungeachtet von Alter, Geschlecht, sozialer, religiöser oder kultureller Herkunft“, so lautet die Leitlinie.
Gerade junge Menschen könnten auf der Bühne zeigen, was sie umtreibt und was sie so oft nie ihren Eltern gegenüber zugeben würden. „Aber im Theater funktioniert das, da sind sie oft wie befreit“, erzählt Maßen. Gerade Kinder, die sonst eher schüchtern oder zurückhaltend seien, fänden hier buchstäblich eine Bühne. „Das Theater ist eine gute Chance, etwas loszuwerden, was sie mit sich herumschleppen.“
Macht die Theaterarbeit noch Spaß?
Wichtiges Kriterium ist für Karin Maßen dabei, dass sich die Themen nah an der Lebensrealität der Zielgruppe bewegen.
Genauso alt wie das Theater ist die Frage und der Kampf um die Finanzierung. Das Theater steht unter permanentem Druck, Förderanträge zu stellen. Doch jetzt soll erst einmal gefeiert werden.
Macht ihr die Theaterarbeit nach all den Jahren noch Spaß? „Ich habe noch Lust. Solange ich merke, es kommt etwas zurück, und ich spüre, ich stehe Neuerungen nicht im Weg, mache ich gerne weiter“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Es sei aber auch entlastend zu wissen, dass die Existenz von Tempus fugit nicht von ihrer Person abhänge – dank des professionellen Teams. Sie habe weiterhin den Wunsch, Neues auszuprobieren. „Solange ich meist strahlend nach Hause komme, die Sinnhaftigkeit meines Tuns spüre und fühle, bin ich am richtigen Platz, bin ich gerne weiter dabei.“
Auf einen Blick
Eröffnungsabend
30 Jahre Tempus fugit: 26.7. ab 17 Uhr (ausgebucht);
Weitere Veranstaltungen
finden bis Mittwoch, 30. Juli statt, darunter ein Begegnungscafé, ein Forumtheaterabend, offene Proben, „Und Tschüss“, „Prinzessin Rosenblüte“. Infos unter https://fugit.de/