Sie spricht, wenn Worte fehlen: Susanne Kroggel aus Villingen-Schwenningen begleitet Hochzeiten, Trauerfeiern und Sternenkinder – mit Empathie, Stimme und Gespür.
Sie begleitet Hochzeitspaare in die gemeinsame Zukunft, aber auch Verstorbene zur letzten Ruhe und deren Angehörige bei der Trauerarbeit. Susanne Kroggel ist freie Rednerin und sagt: „Ich bin eine Freundin auf Zeit.“
Alles begann vor zehn Jahren mit der Hochzeit ihrer Schwester. Damals schwappte die Welle der außerkirchlichen Hochzeitsreden gerade aus Amerika nach Europa.
Susanne Kroggel stellte sich zur Verfügung, denn „reden vor Publikum fiel mir noch nie schwer“.
Berufstätige Mutter sucht neuen Weg
Das führe sie darauf zurück, dass ihre Eltern beide Trainer und Coaches waren, sagt sie und lacht. Eine zu Herzen gehende Rede im festlichen Rahmen zu halten, war dann aber doch eine besondere Herausforderung, die sie aber so gekonnt meisterte, dass die Inhaber der Location damals ihre Visitenkarte haben wollten. „Dabei hatte ich ja noch gar keine“, erzählt sie in der Erinnerung an den Start ihrer zweiten beruflichen Karriere.
Die erste begann die gebürtige Nürtingerin als Bankkauffrau und Betriebswirtin und arbeitete zuletzt – 2005 war sie der Liebe wegen nach VS gekommen – bei einem Villinger Software-Dienstleister.
Nach der Geburt ihres Sohnes ließen sich die Berufstätigkeit und das Muttersein nicht nach ihren Vorstellungen miteinander vereinbaren. Da kam ihr die Idee, es als freie Rednerin zu versuchen und sie stürzte sich in ein neues berufliches Abenteuer.
Rasch erste Aufträge
Sie absolvierte zahlreiche Ausbildungen und hatte schnell erste Aufträge von Hochzeitspaaren, die ihre guten Bewertungen in den Netzwerken gelesen oder von anderen Paaren erfahren hatten.
Vor acht Jahren starb dann ihre Schwiegeroma Sophie Kroggel, ein Urgestein der Villinger Fazenedle. Ihre erste Trauerrede hielt Susanne Kroggel an der Seite eines Pfarrers und stellte dabei fest: so unterschiedlich die Anlässe – Hochzeit oder Beerdigung – sind, so ähnlich ist für eine Rednerin der Umgang damit. „Es sind nur andere Perspektiven: hier steht ein Leben noch bevor, dort ist es zu Ende“.
In beiden Fällen erzähle sie Geschichten von den Betroffenen, wertschätzend und mit Herz und versetze sich in sie hinein.
Auf die Empathie kommt’s an
Susanne Kroggel tat das stets so empathisch, dass sie angefragt wurde, ob sie nicht die jährlich zweimal durchgeführten Trauerfeiern für die „Sternenkinder“ begleiten würde. Der gleichnamige Verein kümmert sich um Eltern, deren Kinder das Werden im Mutterleib nicht überleben und zu „Sternenkindern“ werden. Das Ehrenamt nahm Susanne Kroggel gerne an, zumal sie Dank des Unterrichts an einer Schweizer Sprecher-Akademie und einem Diplomkurs in München als Trauerrednerin auch mit besonders tragischen Todesfällen gut umzugehen weiß.
Jeweils im Mai und Oktober findet auf dem Villinger Friedhof die Trauerfeier statt, die sie zusammen mit dem Verein und der Sängerin Anna-Maria Milia gestaltet.
Vielfach gefragte Rednerin
Auch die Parkresidenz am Germanswald und das Heilig Geist Spital kamen auf sie zu und gewannen sie für die Bewohnerschaft im Pflegeheim als Vorleserin, wobei sie zuletzt in der Adventszeit gerne aus dem Buch ihrer Schwester Melani Volz aus St. Georgen mit dem Titel „Die 24 Geschenke zur Heiligen Nacht“ las. In etlichen Kindergärten und Kirchengemeinden schätzt man sie ebenfalls als zuverlässige Kooperationspartnerin.
Susanne Kroggel bildet sich ständig weiter und ist inzwischen selbst Trainerin. An der Volkshochschule in Trossingen gab sie schon Kurse zum Thema Trauer und Tod. Sie ist außerdem ausgebildete Trauerbegleiterin und befindet sich gerade in der Weiterbildung zum Spiritual Life Coach, bei der sie Methoden kennenlernt, um Menschen in Ausnahmesituationen emotional unterstützen zu können. Ein guter Sprecher zeichnet sich unter anderem durch seine Ausdrucksfähigkeit und eine angenehme Stimme aus, sagt Susanne Kroggel.
Auch eine Übungssache
Beides kann man trainieren. Zu Gute komme einem dabei die Fähigkeit, den eigenen Körper wahrnehmen zu können. Die Aufregung vor jeder Rede dürfe sich schließlich nicht mit einer angehobenen Stimme bemerkbar machen. Die 44-Jährige ist ein Familienmensch.
Mit ihrem Mann Sven, einem Mediengestalter, hat sie einen Sohn und eine Tochter „und unser drittes Kind hat Fell“, sagt sie und deutet lächelnd auf den Appenzeller-Sennen-Rüden „Wesco“, der schon ungeduldig auf den nächsten Gassigang wartet.