Ein Bauarbeiter bereitet die letzten Markierungen vor. Hinten der Rauschbart, zu dem die Hochbrücke dann führen wird. Foto: Lück

Gleich nach den Reden zur Verkehrsfreigabe drängt sich ein roter Citroën C1 Richtung Autobahn auf der neuen Strecke Richtung Nordstetten hoch. Horbs OB Peter Rosenberger scherzt: "Der erste Fahrversuch!" Nach zwei Jahren können wir wieder ohne Umleitung zur Autobahn!

Horb - Für Horbs OB Peter Rosenberger ist das ein "Meilenstein". Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder: "Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Hochbrücke. Durchgangsverkehr wird zukünftig ein Fremdwort sein in Horb." Die anwesenden Gemeinderäte reagieren mit "Hört, Hört". Felder: "Doch ja. Leider gibt es einen negativen Touch: Die Baukosten für die Fertigstellung sind inzwischen von 103 auf 167 Millionen Euro gestiegen. Die gute Nachricht: Der Bund hat der Erhöhung schon zugestimmt!"

 

Ein weiterer Kostenschock. Veranschlagt war die Hochbrücke ursprünglich mit 12 Millionen Euro. 2018 kalkulierte der Bund mit 63 Mio. Euro. Beim Besuch von Steffen Bilger (CDU) – damals parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium – auf der Hochbrücken-Baustelle im August vor einem Jahr kam dann die neue Kostenschätzung: 102,5 Mio. Euro. Jetzt 163 Mio. Euro. Reiner Gumz vom RP: "Wir hoffen jetzt, dass wir mit dieser Summe jetzt zurechtkommen."

Landrat Klaus-Michael Rückert: "Für den ganzen Landkreis Freudenstadt und die Unternehmen mit vielen tausenden Arbeitsplätzen ist das auch ein weiterer Meilenstein für die dringend notwendige Anbindung an die Autobahn. Ich freu mich schon, wenn wir 2026 bis zum Rauschbart über die Hochbrücke fahren dürfen. Vielleicht gibt es da dann auch Freibier!"

Bestimmt. Denn: Bei der Verkehrsfreigabe der Autobahnzufahrt zwischen Einkaufszentrum und Nordstetten gibt es noch eine gute Nachricht von Reiner Gumz vom RP Karlsruhe: Die Rauschbart-Vollsperrung für die Hochbrücke wird wohl erst nach der Biergarten-Saison 2023 losgehen.

Gumz: "Die Straßenbauarbeiten für den Rauschbart werden Anfang nächsten Jahres ausgeschrieben. Zwischen Mai und Juli dürfte nach der Ausschreibung der Auftrag vergeben sein. Baubeginn könnte dann frühestens im Herbst oder Winter sein!"

Rauschbart-Saison 2023 gerettet

Noch besser: Gumz hat durchaus berechtigte Hoffnung, dass die Rauschbart-Vollsperrung dann kürzer als ein Jahr sein wird. Gumz: "Wir werden auf jeden Fall vorneweg mit den Erdarbeiten beginnen. Die Bäume in der Kurve vor dem Rauschbart werden vorher entfernt, dazu der Erdhügel vor der Kaserne. Weil man das Abtragen der Erde teilweise parallel zu den anderen Arbeiten machen könnte, bin ich zuversichtlich, dass diese Rauschbart-Vollsperrung nicht so lange geht wie die bisher veranschlagten zwölf Monate."

Schon bei der jetzt aufgehobenen Vollsperrung für die Hochbrücke über zwei Jahre lang zwischen Nordstetten und Horb hatten alle bis zuletzt gezittert, ob die freie Fahrt über den Teilabschnitt der Hochbrücken-Baustelle für die Besucher des großen Horber Stadtfestes "Unsere Stadt feiert" wieder möglich ist. Reiner Gumz: "Wir waren skeptisch wegen der Sanierung der Straße bis zum Abzweig Richtung Ahldorf. Eine Woche Regen – das hätte das Projekt verzögert. Doch es blieb Gott sei Dank trocken!" Deshalb gibt es auch – wie versprochen – Freibier für alle Hochbrücken-Schaffer auf dem großen Stadtfest, wie Regierungspräsidentin Felder erwähnt: "Da freuen sich alle drauf!"

Zuversichtlich, dass Rauschbart-Vollsperrung kürzer als 12 Monate wird

Die Verkehrsfreigabe. Klar, dass alle Beteiligten stolz wie Bolle sind. Weil es – außer der Baupreiserhöhung – nur gute Nachrichten gibt. Regierungspräsidentin Felder: "Der Auftrag für das Brückenbauwerk wurde am 29. August vergeben."

OB Rosenberger: "Wir haben hier einen Premiumstandard an Straßenbau und Lärmschutz. Wir hoffen jetzt, dass Handel und Gewerbe wieder aufatmen können. Die Erfahrung, dass man Durststrecken überstehen kann, haben wir schon gemacht. Und ab nächstem Jahr können wir alle beobachten, wie die Brückenpfeiler aus der Erde wachsen für das wichtigste Projekt für Horb und den Landkreis der vergangenen und kommenden Jahrzehnte. Mein Appell deshalb: Bauen Sie weiter, egal, was es kostet!"

Die Verkehrsfreigabe. Ein wichtiger Meilenstein. Die Markierer bringen noch die letzten gelben Streifen vor der Kurve Richtung Horb an, dann kann der Verkehr auch offiziell endlich ohne Umleitung wieder rollen. Pünktlich zum großen Stadtfest.

Bauleiterin Haspel: »Das war eine Erdmassen-Schlacht«

Zweispurig bergauf, übers Ohr und die neue Brücke Richtung Nordstetten oder gleich direkt zur Autobahn. Regierungspräsidentin Felder macht noch ein Gruppenbild mit den Bauleiterinnen Susana Herandez und Derya Haspel von der Baufirma Wolf & Müller und dem örtlichen Bauleiter Martin Rebstock, sagt: "Das sind die wahren Helden."

Okay, Frau Bauleiterin, wie war es? Derya Haspel: "Dank der guten Vorplanung durch das Regierungspräsidium konnten wir die Erdmassenschlacht und die dazugehörige aufwendige Logistik gut bewältigen. Ein ganz tolles Projekt!"

Die Erdmassen-Schlacht – sie hatte auch die Anwohner genervt. Der Steinbrecher an der Hochbrücken-Baustelle sorgte teilweise für schlaflose Nächte bei den Anwohnern von Nordstetten. Regierungspräsidentin Felder: "Wir bedanken uns auch bei allen betroffenen Anwohnern, die viel Geduld aufbringen mussten und Lärm ertragen mussten. Das war leider nicht zu vermeiden."

ULH-Stadtrat Martin Raible: "Die Zahl des Tages ist sicherlich, wie oft die Schranke auf der Bus-Umleitung über die Nordstetter Steige ausgewechselt werden musste." Denn: Während der Vollsperrung durften Busse und Taxis über die Nordstetter Steige den schnellen Weg nehmen. Verlockend. Viele Autofahrer rammten deshalb einfach die Schranke für die Abkürzung nach Nordstetten nieder. Reiner Gumz: "Über 40-mal ist das bestimmt passiert. Aber so eine Schranke brauchen wir in Zukunft nicht mehr – auch nicht bei der Rauschbart-Vollsperrung!"