Norbert Schneider wurde in Freiburg geboren. Foto: Ralf Deckert

Freiburgs neuer Polizeipräsident Norbert Schneider sieht bei der Bekämpfung von Cyber-Kriminalität noch Nachholbedarf. Dort müsse die Polizei gestärkt werden.

Norbert Schneider ist seit vergangenem Dezember neuer Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Freiburg. Davor hat er eine Karriere innerhalb der Polizei vom mittleren Dienst bis in höchste Führungsämter hingelegt. Dass er auch noch Schlagzeug spielen kann, zeigte er bei seiner Amtseinführung im Januar.

 

Herr Schneider, der Schlagzeuger gibt in einer Band den Takt vor und hält den Laden zusammen. Ist das auch ein Sinnbild für Ihr neues Amt in Freiburg?

Zumindest kann ein Schlagzeuger viel dazu beitragen, dass der Laden aus dem Takt kommt. Übertragen heißt das für mich: Die Wirkung als Dienststellenleiter ist schon groß. Ich glaube, dass Kommunikation mit der Mannschaft das A und O so einer Position ist. Aber auch mit allen anderen Blaulichteinheiten, die mit uns ja täglich das Einsatzgeschäft bewältigen. Und da macht jeder für sich einen tollen Job. Eine nachhaltig gute Wirkung erzeugen wir aber dann, wenn die Kooperation gut läuft. Dazu brauchen wir auch alle Behörden und die Politik. Die Polizei ist nicht alleine zuständig für Sicherheit und Ordnung.

Bei seiner Amtseinführung zeigte Norbert Schneider (links), dass er ach am Schlagzeug den Takt vorgeben kann. Foto: Alexander Blessing

Also sind Sie ein Mannschaftsspieler?

Ich glaube, man muss Dinge erklären können. Auch der Gesellschaft gegenüber, um Vertrauen zu erhalten. Das ist ganz wichtig, denn das ist auch ein Stabilitätsanker für die Demokratie. Die Akzeptanz für unsere Arbeit hat in Teilen eher abgenommen. Wir erleben verstärkt Zeiten des Extremismus.

Baden-Württemberg steht im Vergleich gut da

Es gibt auch Polizeibeamte, die lautstark zur öffentlichen Debatte beitragen. Polizeigewerkschafter Manuel Ostermann zum Beispiel, der ein Buch mit dem reißerischen Titel „Deutschland ist nicht mehr sicher“ veröffentlicht hat. Stimmt das denn?

Wenn manche Kollegen in ihrer Funktion als Gewerkschafter auftreten, dann verfolgen sie eine andere Aufgabe als in ihrer Funktion als Polizisten. Als Polizei vergleichen wir uns auf der Basis der Kriminalstatistik mit anderen Bundesländern. Und in diesem Vergleich steht Baden-Württemberg ganz gut da. Auch wenn das Präsidium Freiburg eine hohe Kriminalitätsbelastung verzeichnet, insbesondere hier im Stadtkreis, sind wir insgesamt sehr gut und sicher unterwegs als Region. Trotzdem ist für jedes Kriminalitätsopfer der persönlich erlebte Fall einer zu viel.

Nicht zuletzt wegen der hohen Kriminalitätsbelastung in der Region Freiburg werden im Polizeipräsidium nun auch Taser als Einsatzmittel getestet. Sind Sie froh darüber?

Ich bin froh, dass wir uns neuen technischen Entwicklungen stellen. Aber ich mache mir auch Sorgen, da die Kolleginnen und Kollegen in Bruchteilen von Sekunden entscheiden müssen, ob sie zum Pfefferspray, zum Schlagstock, zur Handschelle oder vielleicht doch zum Taser oder zur Schusswaffe greifen müssen. Das verlangt ihnen unheimlich viel ab. Da stellt sich die Frage, ob das in dynamischen Lagen überfordern kann. Hinzu kommt die Kostenfrage, die notwendige Fortbildung und so weiter. Ich bin froh, dass wir nun zwei Jahre Zeit haben, das neue Einsatzmittel zu testen.

Mehr Verständnis für die Arbeit der Polizei gefordert

Welche Arbeitsschwerpunkte sehen Sie derzeit auf das Präsidium Freiburg zukommen?

Es gibt zwei thematische Brennpunkte. Der eine ist das Gefährdungs- und Bedrohungsmanagement. Wir stellen überall fest, dass die Anzahl an psychisch erkrankten Menschen in unterschiedlichen Ausprägungen zunimmt. Die Spitze des Eisbergs aus unserer polizeilichen Sicht sind natürlich psychisch kranke Menschen, die gewalttätig werden. Das andere große Thema ist die Cyber-Kriminalität. Es gibt kein Strafverfahren mehr, bei dem nicht digitale Spuren eine Rolle spielen. Da sind jede Beamtin und jeder Beamte gefordert. Und da brauchen wir den Gesetzgeber, der uns zum Beispiel die Nutzung von KI-Modulen erlaubt, die uns die Arbeit erleichtern. Insbesondere der Anlagebetrug und die Anrufstraftaten beschäftigen uns unheimlich. Ansonsten ist die Sicherheit im öffentlichen Raum unsere grundlegende Hausaufgabe.

Gibt es etwas, was Sie sich für die Arbeit besonders wünschen würden?

Ich wäre sehr froh, wenn unsere Bürgerinnen und Bürger wieder mehr Verständnis für unsere Arbeit zeigen und den „Menschen in Uniform“ sehen würden, da die Kolleginnen und Kollegen für die Gesamtgesellschaft rund um die Uhr den Kopf hinhalten.

Zur Person

Norbert Schneider
(55) ist in Freiburg geboren und am Kaiserstuhl aufgewachsen. 1989 trat er in den Polizeivollzugsdienst ein und stieg in den Jahren 2000 und 2006 zunächst in den gehobenen und dann in den höheren Dienst auf. In der Vergangenheit war er unter anderem im Planungsstab zur Vorbereitung des NATO-Gipfels 2009 und weiteren Führungspositionen eingesetzt. Zuletzt war er Landespolizeidirektor im Innenministerium.