Nach der zweiten WM-Teilnahme nach 1997 peilt der einstige Handball-Zwerg Italien mit Neu-Trainer Bob Hanning auch die EM-Quali an. Der gebürtige Freiburger Domenico Ebner hat mit unserer Redaktion über Hannings Einstand gesprochen.
100 Prozent ausgeschlafen war Domenico Ebner am Dienstagmorgen noch nicht. 14 Stunden dauert am Montag die Heimreise von der italienischen Nationalmannschaft nach Leipzig. Über Rom und Berlin ging es in die sächsische Metropole, wo der gebürtige Freiburger beim Bundesligisten SC DHfK Leipzig im Kasten steht.
Im Mai geht’s um die Quali zur EM
So anstrengend die Reise auch war, mit zwei klaren Siegen gegen Lettland war sie äußerst erfolgreich. Die Qualifikation für die EM 2026 scheint in greifbarer Nähe zu sein. „Es sieht sehr, sehr gut aus“, sagt Ebner – im Mai soll gegen Spanien und Serbien der finale Schritt gegangen werden.
Die Hoffnungen im Verband ruhen für dieses Unterfangen auch und vor allem auf einem Mann: Bob Hanning. Der ehemalige DHB-Vizepräsident ist ein erfahrener Trainer – und eine echte Marke im internationalen Handball, nicht nur wegen seiner bunten und auffälligen Pullover. Dass als Nationaltrainer im grauen Pulli coachen muss, bereite ihm daher „unglaubliche Schmerzen“, sagte Hanning im Interview mit dem rbb.
Blauer Pulli für Hanning
Zumindest ein klein wenig Besserung scheint jedoch in Sicht. „Auch die Trainer sollen wohl beim nächsten Mal blaue Pullover bekommen“, erzählte Ebner und war sehr angetan von seinem neuen Nationaltrainer. „Er hat einen super Eindruck gemacht“, berichtet Ebner vom ersten Lehrgang unter Hanning und erhofft sich für die Zukunft weitere Impulse. Denn: „Jemand wie er ist Gold wert für den italienischen Handball.“
Der „italienische Weg“
In den ersten Einheiten ging es Hanning dabei vor allem um das Mindset. Ebner spricht in diesem Zusammenhang vom „italienischen Weg, der mehr kann“. Ähnlich äußerste sich auch Hanning beim rbb. „Jetzt geht es darum, ein Verständnis für die Dinge zu schaffen, die notwendig sind, um sich immer wieder zu qualifizieren.“
Im italienischen Handball tut sich etwas
Das ist auch das Ziel des Südbadeners Ebner, der 2017 sein erstes Länderspiel für das Heimatland seiner Mutter absolvierte. Seitdem ist in dem kleinen Handballland einiges passiert: Das mediale Interesse wächst stetig, auch die Ergebnisse werden immer besser – siehe das Erreichen der WM-Hauptrunde in diesem Jahr.
Sprachkenntnisse werden immer besser
Und auch Ebners Sprachkenntnisse haben sich entwickelt. Funktionierte die Verständigung am Anfang noch eher mit Händen und Füßen, spricht er mittlerweile passabel Italienisch, die Hymne singt er leidenschaftlich mit.
Hanning will im Mai die Hymne mitsingen können
Im Gegensatz zu seinem Coach, der, was das angeht, noch Nachholbedarf hat. Am 7. Mai gegen Spanien wolle er die „geile Hymne“ mitsingen können, verriet Hanning nach den beiden Spielen gegen Lettland. Um den Job des Übersetzers und Sprachlehrers ist Ebner jedoch herumgekommen. Wenn nötig, übersetzt Hannings Co-Trainer Jürgen Prantner ins Italienische.
Dessen Sohn, der ehemalige Balinger Leo Prantner, gehört in Hannings Auswahl zu den absoluten Leistungsträgern. Im ersten Spiel gegen Lettland traf er unglaubliche 15-mal und wurde nach dem 35:30-Sieg wenig überraschend zum Spieler des Spiels gewählt.
Leo Prantner schlägt ein
Bei der WM 2025 gab der Linkshänder nach Kreuzbandriss sein Comeback. Im Verlauf des Turniers überzeugte er mit seinen Leistungen so, dass Hanning ihn mit sofortiger Wirkung vom HBW zu den Füchsen nach Berlin lotste. Dass diese Entscheidung richtig war, zeigte der 23-Jährige seinem Vorgesetzten nun auch im Nationaldress.