Freiburger Forscher sind dem Goldschakal auf der Spur. Er fasst im Südwesten zunehmend Fuß. Das Raubtier aus der Familie der Hundeartigen ist aber ausgesprochen scheu. In der freien Wildbahn ist es schwer, das Tier von Fuchs und Wolf zu unterscheiden.
Er ist größer als ein Fuchs, kleiner als ein Wolf und ziemlich mysteriös: Der Goldschakal (canis aureus) fasst in Deutschland zunehmend Fuß. Das Raubtier aus der Familie der Hundeartigen ist aber ausgesprochen scheu. Forscher wie der Freiburger Experte Felix Böcker von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg versuchen daher, mehr über das Tier zu erfahren, das bevorzugt Rehe jagt, aber als anpassungsfähiger Allesfresser auch vor unseren Lebensmittelresten im Abfall, Jagdabfällen oder Aas nicht Halt macht.
Im Gegensatz zum Wolf legt er kürzere Strecken zurück
Ursprünglich ist der Goldschakal auf dem Balkan, in Anatolien und entlang der Adria im ehemaligen Jugoslawien daheim. Aber mit dem wärmer werdenden Klima in Nordeuropa hat er sich seit den 1990er-Jahren auf den Weg zu uns gemacht. 1997 erreichte er Brandenburg, und seit vier bis fünf Jahren sind die bis zu 16 Kilo schweren und bis zu 105 Zentimeter langen Tiere mit dem charakteristisch kurzen Schwanz, dem goldgelben Fell und dem gedrungen wirkenden Körperbau auch in Thüringen, Hessen und Baden-Württemberg nachgewiesen, wie Böcker berichtet. 2021 konnte der Freiburger Wissenschaftler bundesweit erstmals nachweisen, dass sich Goldschakale im Südwesten auch fortgepflanzt haben.
„Die meisten Menschen haben bisher noch nichts vom Goldschakal gehört“, so Felix Böcker. In der freien Wildbahn sei es schwer, das Tier von seinen Verwandten, dem Fuchs und dem Wolf, zu unterscheiden. Man wisse aber, dass das bis zu 15 Quadratkilometer große Territorium eines Goldschakals eher mit dem eines Fuchses vergleichbar sei. Der bis zu 40 Kilo schwere Wolf lege bei seinen Wanderungen viel größere Entfernungen zurück und sei auch mit seinen bis zu 300 Quadratkilometer großen Territorien „in einer ganz anderen Liga“ als der Goldschakal unterwegs.
Noch ist unklar, wie die Gesellschaft auf den Goldschakal reagiert
Den Goldschakal beobachten die Experten der FVA in Freiburg im Rahmen ihres Wolfsmonitorings im Land gleich mit. Zum Beispiel, indem sie Aufnahmen aus Fotofallen im Wald auswerten. Aber auch Kotspuren, Fährten oder totes Wild mit Bissspuren werden analysiert. „Man kann aber auch Goldschakale zum Heulen im Wald animieren, indem man mit einem Lautsprecher das Heulen eines Tieres abspielt.“ Totgefahrene Schakale haben die Experten in Freiburg leider auch schon zur Analyse vorgefunden. „Wir fassen in Freiburg Sichtungen nicht nur aus Baden-Württemberg zusammen, sondern auch aus anderen Bundesländern“, so Böcker. Man wolle eben herausfinden, „was da los ist“ mit dem neuen Raubtier in unseren Wäldern. Nachweise des Tieres gebe es mittlerweile in ganz Deutschland. „Wie viele Tiere aber dahinterstecken, ist häufig nicht bekannt.“
Klar ist: Die Welpen werden Anfang Mai geboren und sind im August schon „recht groß“ und selbstständig. Unklar ist dagegen viel, viel mehr: Man könne aus dem Wissen über die Lebensweise der Tiere in ihren ost- und südeuropäischen Herkunftsländern nicht viel über ihr Leben hier in Deutschland ableiten. Man wisse zum Beispiel nicht, wie sich die Nahrungskonkurrenten Fuchs und Wolf auf den Goldschakal auswirken. Und auch mögliche Auswirkungen durch den mysteriösen Neuankömmling auf die Nutztier-Haltung in unseren Breiten kenne man – noch – nicht. „Klar ist nur: Wir müssen da Lösungen und Maßnahmen entwickeln, falls es Probleme gibt“, so Felix Böcker. Derzeit sei noch nicht klar, wie die Gesellschaft in Deutschland auf den Goldschakal reagieren werde.