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Freiburg Verschwundene Maria: Großes Interesse zum Prozessauftakt

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Zum Prozessauftakt kamen Medienvertreter aus ganz Deutschland. Foto: dpa

Freiburg -  Freiburg. Es herrschte großer Andrang im Saal 4 des Freiburger Landgerichts: Der Prozessbeginn gegen den 58 Jahre alten Bernhard H. aus Blomberg (Nordrhein-Westfalen) hat am Mittwoch Medienvertreter aus ganz Deutschland und jede Menge Publikum angezogen. H. werden unter anderem Kindesentziehung und schwerer sexueller Kindesmissbrauch in mehr als 100 Fällen vorgeworfen. Sein Fall hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, seit er vor sechs Jahren mit der damals 13-jährigen Maria H. aus Freiburg getürmt war, die er zwei Jahre davor im Internet kennengelernt hatte.

Missbrauchstaten werden in der Regel hinter verschlossenen Türen verhandelt. Der Schutz der Intimsphäre von Verdächtigen und Opfern überwiegt die Interessen der Öffentlichkeit. Doch die Anträge von Verteidiger Stephan Althaus, der die Öffentlichkeit in dem Verfahren sogar von der Verlesung der Anklage ausschließen lassen wollte, waren nur teilweise erfolgreich. Und so erfuhr das Publikum von Staatsanwältin Nikola Novak, was im Detail dem Angeklagten vorgeworfen wird. Es kam zu heimlichen Sex-Treffen mit dem Kind in einem Freiburger Billig-Hotel Bernhard H. soll sich demnach im Frühjahr 2011 an die damals elfjährige Maria H. aus Freiburg im Internet herangemacht haben, wo er sich zunächst als Teenager ausgab.

Er tauschte Nackt- und Pornobilder mit dem Mädchen aus; es kam zu heimlichen Sex-Treffen mit dem Kind in einem Freiburger Billig-Hotel und im Pkw des Mannes und schließlich, im Mai 2013, zur gemeinsamen Flucht aus Deutschland über Osteuropa bis nach Sizilien. Bis zu Marias 15. Geburtstag soll es mindestens zweimal in der Woche zu stets ungeschützten sexuellen Übergriffen an dem Mädchen gekommen sein. In einem Fall geschah dies laut Anklage auch gegen den erklärten Willen des Mädchens.

Einmal sei Maria zudem in Sorge gewesen, schwanger zu sein. Da habe der Angeklagte ihr gesagt, dass er eine Familie mit der 13-jährigen gründen wolle. Der Mann habe das Mädchen weitgehend kontrolliert, dessen Kontakte zu Freunden und Familie unterbunden und ihm auch wichtige Medikamente vorenthalten, die es benötigt habe. H.s eigene Sicht auf die ungleiche Beziehung des Paares kam im Gericht am gestrigen Nachmittag nichtöffentlich zur Sprache.

Was von dem im Dezember 1960 in Detmold geborenen Mann allerdings im öffentlichen Verhandlungsteil zu erfahren war, war eine weitschweifig erzählte Lebensgeschichte. Kindheit und Jugend waren seinen Angaben zufolge von ärmlichen Verhältnissen und Gewalt geprägt. Die Mutter sei bei einer Sekte gewesen, der Onkel habe ihn wieder und wieder grundlos verprügelt, ohne dass sich die Frau schützend vor ihn gestellt hätte, behauptete der Angeklagte. Einmal habe ihn ein älterer Freund sexuell missbraucht. H. kamen die Tränen, als er von dieser Erfahrung erzählte.

Traumatische Erlebnisse wie der Suizid des Vaters oder die angebliche Ermordung seines Bruders in Südamerika klangen bei ihm immer wieder durch. Zeitweise sei er als junger Mann arbeitslos gewesen und habe ein halbes Jahr lang im Wald im Zelt gelebt. Den rechtsgerichteten Republikanern habe er sich nach einem Streit mit seinen kurdischen Nachbarn angeschlossen. Die Ehe mit seiner Frau Monika, aus der 1992 eine Tochter hervorging, bezeichnete er als nicht glücklich. Man habe sich früh voneinander entfremdet, schilderte der Mann: "Die Eheringe lagen auf dem Schrank."

Er selbst habe irgendwann mehr und mehr Zeit am PC verbracht, "um mit Leuten in Kontakt zu sein". Einige Details über seinen Blick auf die Jahre mit Maria in Italien ließ H. ebenfalls öffentlich anklingen. Auf den Aktenordner, mit dem er sein Gericht vor den Kameras im Gericht verbarg, hatte er wie zum Gruß an die junge Frau eine Postkarte geklebt – mit zwei Händen, die ein Herz formen. Er scheint sich der mittlerweile 18 Jahre alten Freiburgerin noch immer emotional überaus verbunden zu fühlen. Seine Arme seien "für Maria immer weit offen", meinte Bernhard H. wörtlich und unter Tränen. Sollte er in der Zukunft nicht mehr mit ihr zusammenkommen, will er irgendwann nach Italien auswandern und in der Nähe von Rom nahe eines Klosters leben – nicht zuletzt, weil er ohne Maria für sich "keine Perspektive" mehr in Deutschland sehe.

Zweimal schon seien ihm Wunder widerfahren. Im Kloster in Italien bete man jeden Tag für ihn Die junge Frau und ihre Mutter Monika B., die als Nebenklägerinnen an der Verhandlung teilnahmen, wirkten vollkommen fassungslos, als sie H.s Liebesgeständnis hörten. Er sei gläubig geworden in den vergangenen Jahren, gab der gelernte Handwerker und Ex-Schatzmeister der Republikaner in NRW an, der vor Gericht einen psychisch angeschlagenen Eindruck machte.

Zweimal schon seien ihm Wunder widerfahren: Demnach habe er zwei Tage, nachdem Maria ihn auf Sizilien verlassen hatte, im Internet wie zufällig zu lesen bekommen, dass die junge Frau wieder zuhause sei. Außerdem seien Schmerzen in seinen Händen vom vielen Radfahren sofort verschwunden, als er sich kaltes Wasser aus einer Quelle nahe eines Klosters über die Hand habe laufen lassen. Im Kloster in Italien bete man jeden Tag für ihn. Der Prozess gegen Bernhard H. wird am 13. Mai fortgesetzt. Staatsanwältin Nikola Novak hat bereits anklingen lassen, dass sie die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung für den Angeklagten gegeben sieht. Der Traum vom Leben in Italien könnte für H. somit platzen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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