Die neuen Milchersatzprodukte "VeLike" kommen beim Verbraucher an. Foto: Deckert

2019 für Unternehmen das beste Jahr überhaupt. Corona-Krise bereitet Molkerei viel Arbeit.

Freiburg/Offenburg - Mit einem Umsatzplus von insgesamt sieben Prozent hat Schwarzwaldmilch in Freiburg und Offenburg im vergangenen Jahr das beste Jahr ihrer Unternehmensgeschichte erlebt.

Erstmals wurde mit 209 Mio. Euro (2018: 195,3 Mio.) ein Umsatz über der 200-Millionen-Grenze erwirtschaftet. Verantwortlich für den Erfolg war laut Geschäftsführer Andreas Schneider mit einem Plus von 11,2 Prozent vor allem das Markengeschäft der Molkerei.

"Das dürfte deutschlandweit einmalig sein, zumal wir nicht umsatzorientiert arbeiten, sondern enkelfähig: Wir sind nicht im Heute unterwegs, das wäre mit Blick auf die Zukunft zu schwach", so der Geschäftsführer. Der Auszahlungspreis für die Landwirte war 2019 leicht rückläufig, lag aber erneut über dem Bundesdurschnitt.

Bundesweit voll im Trend

Mit ihren Markenprodukten liegt die Molkerei 2019 bundesweit voll im Trend: "Wir fahren da eine sehr klare Konzeption, und der Endverbraucher goutiert das und bleibt uns treu", so Schneider.

Bei der Biotrinkmilch konnte die Molkerei ihre bundesweite Marktführerschaft weiter ausbauen. Auch bei den laktosefreien Produkten sei man Marktführer in Deutschland. Bio-Heumilch (+46,8%), Bio-Produkte (+21,3%), die Marke Schwarzwaldmilch (+7,6%) und die LAC lactosefrei Linie (+6,8%) waren zuletzt gefragt wie nie. Der Exportanteil stieg von 9,8 auf 11,7 Prozentpunkte. Die Investitionen lagen bei 9,3 Mio. Euro.

Neue Produkte kamen bei Verbrauchern gut an

Neue Produkte, wie die 2019 eingeführte fettarme Bio-Heumilch würden vom Verbraucher "hervorragend angenommen", so Schneider. Auch zuckerreduzierte Joghurt-Sorten wie der "KiJo" Kinder-Joghurt, der mit 30 Prozent weniger Zucker auskommt als regulärer Fruchtjoghurt und der in Abstimmung mit Kindergärten und Familien entwickelt wurde, seien ebenfalls erfolgreich. Außerdem werde als Premiere am Markt seit März laktosefreie Milch im Pfandglas bundesweit angeboten.

Siehe auch: Schwarzwaldmilch folgt Vegan-Trend

Pfandverpackungen aus Glas seien derzeit gefragt wie nie, betonte Schneider. Logistisch sei das vor allem in der Corona-Krise mithin eine echte Herausforderung. Im Jahr 2021 wolle Schwarzwaldmilch zudem in den Bereich der Nahrungsergänzungsprodukte für Sportler einsteigen.

Corona-Krise bereitet Molkerei viel Arbeit

Generell sei der Milchmarkt "irre volatil", bemerkte der Geschäftsführer. Zuletzt seien die Fettpreise deutlich gefallen, während Eiweißprodukte wie Milchpulver preislich im Aufwind waren. "Im Grundsatz" sei das positiv für das Unternehmen gewesen, so Andreas Schneider. Für ein Kilo konventionelle Milch habe man im vergangenen Jahr 39,64 Cent (Bundesschnitt: 37,9 Cent) gezahlt, für Bio-Milch 54,33 Cent (Bundesschnitt: 53,34 Cent).

Die Corona-Krise habe der Molkerei viel Arbeit gemacht: Man habe die Produktion in 13 Arbeitsbereiche segmentiert, die Verwaltung zu zwei Dritteln ins Home-Office geschickt und den Außendienst bereits Anfang März nach Hause geschickt. Ziel sei es gewesen, Arbeitsprozesse nicht zu beeinträchtigen und dabei "null Kurzarbeit" in Anspruch zu nehmen.

Bisher habe das auch funktioniert, so Schneider. In den vergangenen Wochen habe die Corona-Thematik allerdings die Milchwirtschaft komplett beherrscht und beeinträchtigt. Dem müsse man sich stellen, so Schneider: Zum Jahreswechsel habe man den Schwung des vergangenen Jahres noch mitgenommen. Im März habe man die "Hamsterkäufe" der Verbraucher stark gespürt. Wirtschaftlich sei das aber "nicht so super interessant" gewesen, da mit der hohen Nachfrage ein enormer Arbeits- und Kostenaufwand verbunden gewesen sei.

"Bei Corona wird keiner Gewinner bleiben"

Das Großverbrauchergeschäft mit der Gastronomie sei zuletzt komplett weggebrochen. Das könne man auch im weiteren Jahresverlauf und trotz der wieder offenen Gastronomie nicht mehr aufholen, so Schneiders Überzeugung. Auch der Export sei negativ betroffen und nehme erst langsam wieder Fahrt auf. "Bei Corona wird keiner Gewinner bleiben", prognostizierte Schneider. Die Markenstrategie der Schwarzwaldmilch werde aber nicht angetastet: Der Start der veganen "VeLike" Produkte im März sei "hervorragend gelaufen", so Schneider. Der für das Jahr 2021 geplante Bau der Schaukäserei der Molkerei in Titisee-Neustadt werde aber wegen Corona um mindestens ein Jahr verschoben. "Wir halten an dem Projekt fest", sagte Schneider. Allerdings müsse die Corona-Situation zielkonform in die Pläne einfließen. Das heißt, dass das Ziel, in der Spitze 1200 Tonnen Käse im Schwarzwald zu produzieren, in eine nicht näher umrissene zeitliche Zukunft rücken dürfte.

Die Unsicherheiten durch die Pandemie träfen die Milchbauern zu einem schlechten Zeitpunkt, erläuterte Markus Kaiser, Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft. Landwirte würden derzeit außer mit der Milchproduktion praktisch keine Einkünfte mehr erzielen, da der Urlaub auf dem Bauernhof weggefallen sei und gleichzeitig in der Waldwirtschaft kaum mehr Geld zu verdienen sei. Auch die Dürre im April habe den Milchbauern schwer zu schaffen gemacht.

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