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Freiburg Gruppenvergewaltigung: Dünne Luft für Angeklagte

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Einige der Angeklagten an einem der Prozesstage im Gerichtssaal. Foto: Seeger

Freiburg - Die Aussagen des medizinischen Gutachters lassen eigentlich keinen Zweifel an der Schuld offen. Die Luft für die elf Angeklagten im Prozess der Massenvergewaltigung wird immer dünner.

Nach knapp neun teilweise zähen Verhandlungsmonaten ist der Prozess um die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung einer zur Tatzeit 18 Jahre alten Frau im Umfeld der Diskothek "Hans Bunte Areal" in Freiburg in die entscheidende Phase gegangen: Der medizinische Gutachter Torsten Passie aus Hannover hat am Donnerstag geschildert, in welchem Zustand die 18-Jährige in der Tatnacht nach dem wohl erstmaligen Konsum von Ecstasy und dem Konsum mehrerer alkoholischer Getränke gewesen sein muss. Die These eines Teils der elf Angeklagten, die Frau habe völlig enthemmt den Sex mit ihnen regelrecht eingefordert, wurde dadurch pulverisiert.

Auch das angebliche Handy-Video, das den freiwilligen Sex der jungen Frau mit zig überwiegend aus Syrien stammenden und teils vielfach vorbestraften Männern zeigen soll, ist einmal mehr nicht aufgetaucht. Eine 40 Jahre alte Zeugin aus Waldkirch (Kreis Emmendingen), die wohl Drogenkundin bei einem der Angeklagten war und vor Gericht einen betrunkenen Eindruck machte, betonte in ihrer Aussage mehrfach, dass sie das angebliche Video, anders als von ihrer ehemaligen Mitbewohnerin angedeutet, zu keinem Zeitpunkt gesehen habe.

Sie könne sich eh nur schlecht an Vergangenes erinnern, was vielleicht auch mit ihrem Alkoholkonsum zu tun haben könne. Die Mitbewohnerin wolle ihr nur Scherereien machen und neige dazu, Dinge zu dramatisieren, meinte die Frau weiter. Die zweite Zeugin erschien indes nicht im Zeugenstand: Sie ist derzeit in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.

Verfahren könnte noch bis in Sommer hinein andauern

Gutachter Passie erläuterte, wie der Alkohol- und Drogen-Cocktail in der Tatnacht auf die mutmaßlich Geschädigte in dem Fall gewirkt habe. Er schilderte das Bild einer hilflosen Frau ohne Bewusstsein für die Gefahr, in der sie schwebte, die nach dem Alkohol- und Ecstasy-Konsum in der Tatnacht eine um ein Vielfaches verschlechterte Körperkontrolle gehabt haben dürfte und sicherlich keinen Sexualdrang verspürt habe. In der gesamten Fachliteratur über MDMA, den Wirkstoff in Ecstasy-Pillen, gebe es keine Berichte, die eine übersteigerte sexuelle Lust nach dem Konsum des Rauschmittels stützen würden.

Solch eine Lust hatte vor allem der Angeklagte Timo P. in seiner Aussage über den Hergang der sexuellen Handlungen mit der Frau behauptet. Das Gegenteil ist laut Gutachter der Fall: Das Mittel sei lusthemmend. "Es ist ein Anti-Aphrodisiakum", sagte der Psychiater aus Hannover.

In Kombination mit Alkohol mache es etwa ein Viertel der Konsumenten bewusstlos. Ein Effekt durch den zusätzlichen Konsum sogenannter K.o.-Tropfen sei "allenfalls marginal": Die Frage, ob der 18-Jährigen neben Ecstasy und Alkohol auch die K.o.-Droge "Liquid Ecstasy" untergeschoben wurde, war bei den Untersuchungen nach der Tat im Herbst 2018 nicht mehr eindeutig aufklärbar.

In dem Verfahren stehen elf Männer im Alter zwischen 19 und 30 Jahren vor Gericht, die meisten sind Flüchtlinge aus Syrien. Acht von ihnen wird die Vergewaltigung der 18 Jahre alten Nebenklägerin vorgeworfen, gegen drei steht der Verdacht der unterlassenen Hilfeleistung im Raum. Der Prozess könnte noch bis in den Sommer hinein andauern.

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