An die 200 Schildkröten sollen im Flückigersee leben, nur zwei von ihnen fanden die Taucher. Foto: Bamberger Foto: Schwarzwälder-Bote

Wasserschildkröten im Flückigersee verstecken sich erfolgreich vor Tauchern / Viel Müll bei Putzete entdeckt

Von Simone Lutz

Freiburg. An schönen Tagen sonnen sie sich zur Freude der Spaziergänger im Flückigersee: Wasserschildkröten. Gestern tauchten sie lieber ab. Da nämlich nahmen Taucher bei einer Seeputzete nicht nur rostige Fahrräder und anderen Müll ins Visier, sondern auch die Schildkröten.

Wodkaflaschen, Autoreifen, Plastiktüten, ein toter Schwan, alte Fahrräder, ein muschelbewachsener Roller – schon erstaunlich, was man alles im Flückigersee finden kann. Schon vor Jahren, 1997 und 2001, wurde der See im Stadtteil Betzenhausen von Freiwilligen entrümpelt, jetzt hatte sich wieder einiges angesammelt.

Gestern allerdings ging es nicht nur um Weggeworfenes, sondern auch um Ausgesetztes. Vor acht Jahren hatte die Bio-AG des Wentzinger-Gymnasiums mal nachgezählt und 96 Wasserschildkröten gefunden, inzwischen dürften es an die 200 sein: Schildkröten, die in den See geworfen wurden, weil sie als Haustiere lästig geworden waren. Das Problem: Die Wasserschildkröten fressen den See leer, haben großen Appetit auf Wasserpflanzen, Molche, Fische, Wirbellose und werden über 50 Jahre alt. Inzwischen haben Sportfischer Gelege entdeckt. Die Schildkröten könnten angefangen haben, sich zu vermehren. "Dann hätten wir ein richtiges Problem", sagt Klaus-Dieter Lehn vom Umweltschutzamt.

Gestern stand er auf der Pontonbrücke im Flückigersee und sah mit vielen anderen zu, wie Taucher der Ringsheimer Tauchschule in einer Reihe langsam auf die Seerosen zuschwammen. Ihnen folgten Boote, in denen Sportfischer mit Käschern bereit standen. "Hinter Euch", riefen die Zuschauer von der Pontonbrücke, aber die Wasserschildkröte, auf die so viele Finger zeigten, tauchte blitzschnell ab und flitzte im Seerosendschungel davon. Gerade mal zwei Tiere gingen im Laufe des Nachmittags ins Netz. Sie kommen nun ins Tierheim.

Dafür entdeckten die Seeputzer im Schilf zwei Fahrräder und jede Menge weggeworfener Wodkaflaschen. Immerhin acht Müllsäcke wurden mit allem möglichen Zeug voll. Es war eine richtige Gemeinschaftsaktion. Die Tauschschule hatte mit der Tier- und Naturschutzorganisation "Sea Shepherd" den Anstoß gegeben und kam mit etwa 20 Leuten, die auch das Ufer nach Müll absuchten. Die Sportfischer machten mit, die Bürgervereine Betzenhausen-Bischofslinde und Mooswald spendierten ein Vesper und Schildkrötenexperten zweier Zoohäuser hatten sich angekündigt.

Interessiert verfolgt wurden die Müll- und die Schildkrötenaktion von Spaziergängern, die um die Mittagszeit im Seepark eine Runde drehten. Manche wollten gar nicht glauben, dass die Tiere das Ökosystem des Sees aus dem Gleichgewicht bringen.

Die Aktion soll ein Signal sein. "Es ist wichtig, dass etwas passiert", sagte Klaus-Dieter Lehn, "das wird zunehmend ein landesweites Problem." Nach der Aktion will sich die Stadtverwaltung mit der unteren Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium beraten – und die Fangmethode verbessern. "Wahrscheinlich müssen wir mehr mit Netzen arbeiten", sagt Lehn, "offenbar können die Tiere Gefahr erkennen."

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