Mehr als 100 Tage nach der Einführung bleibt die Freiburger Verpackungssteuer in aller Munde. Auch das ARD-Satiremagazin „Extra 3“ berichtet in der Rubrik „Realer Irrsinn“.
Sie war schon vor ihrer Einführung zum 1. Januar 2026 ein Zankapfel in Freiburg: Die Verpackungssteuer. Mit knapper Mehrheit vom Gemeinderat eingeführt – und später von OB Martin Horn kritisiert – soll sie für weniger Verpackungsmüll in der Stadt sorgen.
Und kaum war sie eingeführt, fanden Gastronomen und Konsumenten bereits Schlupflöcher, um die 50 Cent pro Verpackung und 20 Cent pro Einweggeschirr zu vermeiden. Und zwar teilweise so kreativ, dass selbst das NDR-Satiremagazin „Extra 3“ in der vergangenen Woche einen Bericht dazu ausstrahlte.
„Seit der Einführung der Verpackungssteuer geht es hier zu wie auf den Cayman Islands“, heißt es im Beitrag der Rubrik „Realer Irrsinn“. Der Vergleich mit dem Steuerparadies in der Karibik bezieht sich dabei auf die Steuervermeidung beim Verkauf von Essen zum Mitnehmen.
Gastronomen berichten von kuriosen Regelungen
So kommt etwa der Inhaber eines Dönerladens zu Wort, der seinen Kunden den Döner nicht mehr im üblichen Papier und Alufolie verkauft, sondern das Essen in dicke Papierservietten einwickelt. Denn darauf fällt keine Verpackungssteuer an – und der Kunde spart sich 50 Cent inklusive Mehrwertsteuer.
Von ähnlichen Kuriositäten der Verpackungssteuer berichtet auch der Inhaber des „Café Ambrosia“ in Littenweiler, das am Wochenende unter neuem Namen Neueröffnung feierte: Auf ein kaltes Sandwich falle keine Steuer an, bei warmem Essen jedoch müsse der Kunde für den Pappteller und die Tüte zum Mitnehmen jeweils 50 Cent steuer zahlen.
Und weil auch bei der Bestellung per Lieferdienst keine Verpackungssteuer anfällt, bestellen sich Kunden teilweise bei McDonald’s ihr Menü auf den angrenzenden Parkplatz. Kurios, kreativ – und kostenreduzierend. Denn gerade die Bestellung beim amerikanischen Fast-Food-Giganten geht schnell ins Geld. Bei einem Menü mit Getränk, Pommes und Burger fällt 1,50 Euro plus Mehrwertsteuer zusätzlich an.
Kritik kommt aus Gastronomie und Handel
Dass die Steuer daher bei Gastronomie und Handel nicht wirklich gut ankommt, dürfte wenig überraschen. „Jubel kriegen wir nicht mit“, hatte Alwin Wagner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein, bereits im Februar zur Verpackungssteuer in Freiburg gesagt.
IHK zieht in dieser Woche eine Zwischenbilanz
Für Dienstag hat die IHK zudem zu einem Pressetermin geladen. Thema: „111 Tage Verpackungssteuer in Freiburg“. Dort sollen Ergebnisse einer Umfrage unter betroffenen Mitgliedsunternehmen als Zwischenbilanz präsentiert werden. Und auch die Politik will Bilanz ziehen: Der Gemeinderat hat entschieden, dass die Steuer im Oktober auf den Prüfstand kommen soll. Dann soll die Stadtverwaltung aufzeigen, wie sich die Steuer finanziell und organisatorisch auf die Betriebe auswirkt.
Bereits zu einem – mehr oder weniger – endgültigen Fazit kommt übrigens das Satiremagazin „Extra 3“: „Weniger Verpackungsmüll: Gutes Ziel. Verpackungssteuer in Freiburg: Wenig einleuchtend.“