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Freiburg 17-jähriger Flüchtling unter Mordverdacht

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Andreas Stenger, Leiter KTI am LKA Stuttgart, David Müller, Leiter "SoKo Dreisam", Peter Egetemaier, Chef Kripo Freiburg, Bernhard Rotzinger, Polizeipräsident Freiburg, Dieter Inhofer, Leiter StA Freiburg und Laura Riske, Pressesprecherin Polizei Freiburg (v.l.). Foto: Stefanie Salzer-Deckert

Freiburg - Ein 17-Jähriger steht im dringenden Verdacht, die 19 Jahre alte Medizinstudentin Maria L. in Freiburg vergewaltigt und ermordet zu haben.

Der junge Mann war vor einem Jahr als Flüchtling nach Deutschland eingereist und lebte bis zu seiner Verhaftung am Freitagmittag gegen 12:30 Uhr bei einer Freiburger Familie in Obhut. Er wurde am Samstag dem Haftrichter vorgeführt und in U-Haft gesteckt. Zu sämtlichen Tatvorwürfen schweigt er bisher. Polizei und Staatsanwaltschaft sind dennoch von seiner Täterschaft überzeugt: „Es gibt einen Ermittlungserfolg“, so der Chef der Freiburger Staatsanwaltschaft Dieter Inhofer am Samstagnachmittag in einer eigens einberufenen Pressekonferenz.

Verdächtiger dank auffälliger Frisur erkannt

Die Beweislast gegen den jungen Mann, der seit seiner Einreise als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling im Jahr 2015 bereits einmal im Zusammenhang mit einem Vorwurf der Körperverletzung mit der Polizei zu tun hatte, der sich dann aber als unzutreffend herausstellte, ist erdrückend: Die DNA des 17-jährigen konnte sowohl am Mordopfer als auch an einem Schal, den der Mann einer Videoauswertung zufolge in der Tatnacht trug, sichergestellt werden. Außerdem entdeckten die Spezialisten der Kriminaltechnik am Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart ein auffälliges, 18,5 Zentimeter langes, teilweise blond gefärbtes Haar in einem Gebüsch am Tatort, das sich nach langwierigen Untersuchungen am vergangenen Montag ebenfalls zweifelsfrei der Täter-DNA zuordnen ließ.

Der Verdächtige, den eine junge Polizeibeamtin dank seiner auffälligen Haartracht auch bei der Auswertung von Videomaterial aus einer Straßenbahn der Freiburger Linie 1 in der Tatnacht entdeckt hatte, wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Vier Tage später schnappte die Falle zu: Der Mann fiel einer Streife in Freiburg-Lettenweiler auf, wo auch Maria L. in einem Studentenwohnheim lebte. Die Streifenbeamten nahmen eine Personenkontrolle vor und zogen die Ermittler der zuletzt knapp 70-köpfigen „SoKo Dreisam“ hinzu: Der Verdächtige konnte vorläufig verhaftet werden. Eine DNA-Probe wurde angeordnet und brachte das Ergebnis: Der Täter ist den Fahndern ins Netz gegangen.

Freiburgs OB warnt vor Pauschalverdächtigungen gegenüber Flüchtlingen

Polizeipräsident Bernhard Rotzinger und Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) lobten den Erfolg der Ermittler. Salomon sprach von einem großen Fahndungserfolg und warnte angesichts der Herkunft des mutmaßlichen Mörders vor Pauschalverdächtigungen gegenüber Flüchtlingen. Rotzinger betonte, wie gut alle Beteiligten Polizei- und LKA-Kräfte bei der Fahndung zusammengearbeitet hätten: Alles habe wie „ein sehr gut abgestimmtes Räderwerk“ ineinander gegriffen, so der Polizeipräsident. An der Fahndung seien Polizeikräfte aus dem ganzen Land beteiligt gewesen, ergänzte der Freiburger Kripo-Chef Peter Egetemaier: „So eine Arbeit braucht Zeit und Geduld“.

Tatsächlich waren die Ermittlungen im Fall Maria L. von einem riesigem Aufwand geprägt, wie der Chef des Kriminaltechnischen Instituts am LKA Stuttgart, Andreas Stenger, betonte: Neben den Spuren am Opfer, dem Fahrrad in der Nähe des Tatorts und dem schwarzen Schal, von dem sich schließlich zeigte, dass er dem Täter gehörte, wurden auch mehrere Säcke Dornengestrüpp abgemäht und gesichert. Bei der mikroskopischen Untersuchung des Gestrüpps fanden die LKA-Experten schließlich das lange Haar aus dem Zopf des mutmaßlichen Täters, dessen Haarwurzel zur Täter-DNA des Mordopfers passte. „Dieses Haar war das entscheidende Detail“, so Stenger.

Zusammenhang mit Mordfall in Endingen?

Auf Polizei und Staatsanwaltschaft wartet nun ein großer Berg Arbeit: Zunächst gilt es zu klären, ob der Afghane auch für den Mord an Carolin G. (27) in Endingen vor einem Monat verantwortlich sein könnte. Noch, so Dieter Inhofer, habe man hierfür keine Indizien. Außerdem, so SoKo-Leiter David Müller, wisse man nicht, wie die Tat genau ablief und ob Täter und Opfer sich vor der Tat schon in irgendeiner Weise kannten. Es stünden nun Vernehmungen der Familie an, bei der Jugendliche lebte, sowie Durchsuchungen und weitere Ermittlungsmaßnahmen. Man habe allerdings, so der SoKo-Chef weiter, durch Befragungen und die umfangreiche Analyse von Foto- und Videomaterial ein recht klares Bild von den letzten Stunden im Leben von Maria L.: Die junge Frau besuchte am Abend vor ihrem Tod eine große Studentenparty im Freiburger Institutsviertel. Von dort machte sie sich in der Mordnacht um 2:37 mit ihrem Rad auf den Heimweg entlang der Dreisam nach Littenweiler im Osten der Stadt: „Das war der Weg, den sie üblicherweise nutzte“, so Müller.

Parallel dazu haben Überwachungsvideos aus der Straßenbahn ergeben, dass der mutmaßliche Mörder der jungen Frau um 1:57 Uhr in der Freiburger Stadtmitte in eine Straßenbahn der Linie 1 stieg. Hinweise, dass er vorher auf der gleichen Party wie sein späteres Opfer war, gibt es zurzeit nicht. Er war schwarz gekleidet und trug einen schwarzen Schal, wie ihn die Polizei später am Tatort in der Dreisam auffinden sollte.

17-Jährigem blühen maximal zehn Jahre Haft

An der Endhaltestelle Lassbergstraße in Littenweiler stieg der junge Mann aus dem Zug. Ob er von dort aus mit dem herrenlosen Fahrrad, das die Polizei am Tag nach der Tat unweit des Tatorts auf dem Dreisamuferweg fand, an die Dreisam fuhr, um seinem Opfer aufzulauern, ist derzeit noch unklar: Die DNA-Spurenlage am Rad deutet zwar darauf hin, dass der 17-jährige damit gefahren ist. Wem das Rad jedoch gehört, ist trotz rund 400 Hinweisen aus der Bevölkerung bisher offen, so David Müller weiter. „Wir wissen aber, dass der Mann 50 Minuten vor der Tat etwa einen Kilometer vom Tatort entfernt war.“

Gegen ihn wird nun wegen des Tatverdachts der Vergewaltigung und des Mordes ermittelt. Als 17-jähriger fällt er unter das Jugendstrafrecht: Im Fall einer Verurteilung blühen ihm maximal zehn Jahre Haft.

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