Zum Umbau des Schopfheimer Freibads in ein Naturbad hat unser Leser Ulrich Kriese die folgende Meinung.
Der große Widerstand der Bevölkerung gegen den Naturbadbeschluss des Gemeinderates vom 14. Juli – das Bürgerbegehren kam innerhalb von nur vier Wochen zustande und trägt mehr als doppelt so viele Unterschriften wie nötig – deutet darauf hin, dass hier im Vorfeld einiges falsch gelaufen sein muss. Nicht nur stellt sich die Frage, ob der Gemeinderatsbeschluss ausreichend gut vorbereitet und bedacht war. Fraglich ist auch, ob Freie Wähler, Grüne und SPD, mit deren Stimmen der Beschluss zustande kam, für eine so grundsätzliche Weichenstellung das politische Mandat hatten. In ihren Wahlprogrammen zur Gemeinderatswahl 2024 spielte das Freibad – geschweige denn dessen Umwandlung in ein sogenanntes Naturbad – überhaupt keine Rolle. Die Wählerinnen und Wähler konnten also bis vor kurzem darauf vertrauen, dass es mit dem Bad in etwa so weitergeht wie bisher, Sanierungsbedarf hin oder her. Ein „Naturbad“ – bei genauerem Hinsehen eine hochempfindliche technische Anlage, welche versucht Natur nachzuahmen – ist in vielerlei Hinsicht eine Abkehr vom Bisherigen: Es bedeutet Einbußen bei Wasserhygiene und Wassertemperatur, Sicherheitsempfinden, Schul- und Sportschwimmen, Öffnungszeiten und zulässiger Besucherzahl. Es geht einher mit einem hohen Frischwasserverbrauch, einem hohen Pflege- und Personalaufwand, einer veränderten Besucherzusammensetzung, wahrscheinlich außerplanmäßigen Schließzeiten und womöglich rückläufigen Einnahmen. Es handelt sich also um ein grundlegend anderes Badangebot, mit nicht unerheblichen finanziellen Konsequenzen. In einem solchen Fall hätte die Bürgerschaft ein Recht darauf gehabt, vorab über alternative Badkonzepte informiert zu werden, sich selbst sachkundig machen zu können, sich mit spezifischen Anliegen einzubringen, mit Parteien und Mandatsträgern in den Dialog zu gehen, und zwar, wenn schon nicht im Vorfeld der letzten Gemeinderatswahl, dann jedenfalls vor einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss. Auf solche Weise erlangen Entscheidungen gewählter Volksvertreter in einer lebendigen Demokratie politische Legitimität. Weshalb sich Bürgermeister Harscher mitsamt Freien Wählern, SPD und Grünen, die sich allesamt selbst nur allzu gerne Bürgernähe und demokratisches Verhalten attestieren, selbstherrlich in das Naturbadabenteuer gestürzt haben, ist bis heute ihr Geheimnis.
Es bleibt zu hoffen, dass sie sich besinnen und am kommenden Montag dem Bürgerbegehren stattgeben. Dann erübrigte sich der Bürgerentscheid, und mit der Badsanierungsplanung könnte unverzüglich begonnen werden. Bereits geklärt wäre damit auch, dass wir die einsame Entscheidung der Genannten vom Sommer nicht irgendwann gemeinsam ausbaden müssten.
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