Wegen gestiegener Personal- und Energiekosten will die Verwaltung die Eintrittspreise für das Freibad um zehn Prozent erhöhen. Manchem im Gemeinderat ist das noch zu wenig.
Bald wird es wärmer. Dann startet auch die Freibadsaison wieder. Viele warten darauf. Doch müssen die Besucher in diesem Jahr wohl tiefer in die Tasche greifen. 4,20 Euro kostete die Tageskarte im vergangenen Jahr, die Saisonkarte 73 Euro. Diese Preise gelten seit einer fünfprozentigen Erhöhung vor zwei Jahren, wie Kämmerer René Kaufmann in der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärte.
Höhere Kosten
Dort stellte er auch seinen Vorschlag einer Erhöhung vor: zehn Prozent pauschal auf alle Preise. Die Tageskarte würde dann 4,60 Euro kosten, die Jahreskarte 80 Euro. Der Abendtarif wäre 20 Cent teurer. Kaufmann begründete die Erhöhung mit gestiegenen Energie- und Personalkosten. Kosteten die Brennstoffe 2023 noch 65 000 Euro, waren sie laut Plan 2024 22 000 Euro teurer. Die Personalaufwendungen sind im gleichen Zeitraum um fast 50 000 Euro auf gut 221 000 Euro angestiegen. 2025 sollen es sogar 228 000 Euro werden.
Kostendeckung zu gering? Man müsse die Entgelte dem Kostenniveau entsprechend anpassen, steht in der Sitzungsvorlage. Trotzdem bleibt das Freibad ein Zuschussbetrieb. Die Einnahmen decken gerade einmal zu 22 Prozent die Kosten. Den restlichen Betrag finanziert die Stadt. Und die hat bekanntlich keine finanziellen Spielräume. Daran erinnerte auch Thomas Becker (UL). „Das Wasser steht uns bis zum Hals“, sprach er nicht von einem Tag im Freibad, sondern von der aktuellen Haushaltslage. Vor ein paar Jahren habe der Kostendeckungsgrad noch 28,5 Prozent betragen. „Wir sind zu günstig“, sagte er. „Wie wollen wir uns das leisten?“, fragte er in die Runde.
Freier Eintritt für Gäste des Campingplatzes
Auch auf ein anderes Thema kam Becker zu sprechen: den freien Eintritt ins Freibad für die Gäste des Campingplatzes. „Das kritisiere ich schon lange“, sagte er. Er könne so nicht zustimmen. „Wir rutschen immer weiter zurück“, so Becker. Er forderte von Kaufmann, dass der eine Tabelle erstelle. In dieser solle für verschiedene Kostendeckungsgrade ausgerechnet werden, wie teuer die Eintrittspreise sein müssten. Dann könne der Gemeinderat fundiert entscheiden.
Luft nach oben
„Der Preis kann höher sein“, fand auch Maik Volz (CDU). Viele Bürger hätten ihm gesagt, dass der Freibadeintritt zu billig sei. Das berichtete auch die Kernstadt-Ortsvorsteherin Claudia Laukemann. Zudem verwies sie auf die höheren Eintrittspreise in Stammheim. Aktuell kostet die Tageskarte dort 4,70 Euro. Die Monakamer Ortsvorsteherin Beatrice Gottschalk schlug vor, dass die Saisonkarten in Bad Liebenzell teurer werden könnten. Dietmar-Lehmann Schaufelberger (Grüne) sah auch noch Luft nach oben. Man könne die Preise aus Kaufmanns Vorschlag aufrunden. Das mache es auch für das Kassenpersonal leichter.
Bei Ausgaben sparen „Wir können nicht alles bei den Eintritten wieder reinholen“, argumentierte Dietmar Fischer (CDU). Man müsse an die Ausgabenseite ran und dort „40 bis 50 000 Euro“ sparen. Dann sei auch der Deckungsbeitrag höher. Das Freibad als „soziale Einrichtung“ sei immer ein Zuschussbetrieb, meinte der stellvertretende Bürgermeister Sebastian Kopp (UL). Das sah auch Kaufmann so. Ein Kostendeckungsgrad von 30 Prozent sei durchaus realistisch. Es bleibe aber die Frage, wer sich den Eintritt dann noch leisten kann. Katrin Heeskens (UL) reichte die zehnprozentige Erhöhung aus. Man könne ja im nächsten Jahr noch mal erhöhen. Vom Freibad hätten aber mehr Bürger einen Mehrwert als von einem Kurhausrestaurant. Und da würden viel größere Summen investiert.
Personalkosten könne man sparen, in dem ein Kassenautomat aufgestellt werde, so Kaufmann. Gottschalk sah Einsparpotenzial durch eine niedrigere Wassertemperatur als die aktuellen 23 Grad. Das spare Energiekosten. Norbert Maier (AfD) kritisierte eine andere Entwicklung, die sich in den Personalkosten widerspiegelt. Die Stadt habe für das Freibad zwei Personen als Securitys eingestellt, weil es heiße, dass die Eltern Angst haben. „Angst vor was?“, fragte er. „Darüber müssen wir reden“, so Maier.
Entscheidung vertagt Es kam die Idee auf, die Entscheidung im Gemeinderat in den April zu verschieben, bis Kaufmann die von Becker geforderten Zahlen liefern kann. Volz wollte zudem die Anzahl der verkauften Saison- und Tageskarten. Das Gremium beschloss schließlich die Vertagung. Es ist also noch nicht klar, was der Freibadeintritt künftig kostet. Eines scheint aber sicher: Es wird teurer.