Rund 100 Besucher kamen zur Auftaktveranstaltung für die Rettung des Freibades in den Sitzungssaal des Bürgerzentrums von Bad Liebenzell. Foto: Wolfgang Krokauer

Die Finanzlage in Bad Liebenzell ist schwierig. Das Freibad ist eine freiwillige Leistung. Um es zu halten, sollen die Bürger ins Boot geholt. Diese haben bereits viele Ideen.

Der Gemeinderat von Bad Liebenzell hat in seiner jüngsten Sitzung eine Grundsatzentscheidung getroffen, das Freibad zu halten.

 

Defizit Die ersten Sparmaßnahmen greifen. Der Stadt ist es gelungen, das Defizit des Freibades zu drücken. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt der Abmangel um 40 000 auf 440 000 Euro, wie Kämmerer René Kaufmann in der jüngsten Ratssitzung vorrechnete.

Auftakt Zur weiteren Verringerung des Defizits setzen Gemeinderat und Verwaltung auf das Ehrenamt. Unter anderem soll ein Förderverein gegründet werden. Jetzt hat es dazu eine Auftaktveranstaltung im Sitzungssaal des Bürgerzentrums gegeben. Stadtrat Dietmar Lehmann-Schaufelberger (Grüne) und die städtische Mitarbeiterin Sandra Fleige hatten sich im Vorfeld sehr dafür engagiert, dass es diese Veranstaltung gibt, wie Bürgermeister-Stellvertreter Sebastian Kopp in der jüngsten Ratssitzung betonte.

Rund 100 Besucher

Lehmann-Schaufelberger teilte dem Gemeinderat mit, dass sich 55 Interessierte gemeldet hätten, zu dieser Veranstaltung kommen zu wollen. Wenn auch nur die Hälfte käme, wäre das schon mal was wert, sagte der Stadtrat im Gremium. Er wurde nun nicht enttäuscht. Im Gegenteil: Rund 100 Besucher kamen in den Sitzungssaal des Bürgerzentrums zu dieser Auftaktveranstaltung für die Rettung des Freibades. Lehmann-Schaufelberger zeigte sich von dem Zuspruch regelrecht überwältigt. Kopp bedankte sich bei allen, die gekommen waren. Lehmann-Schaufelberger und Kopp entdeckten unter den Besuchern auch einige Schömberger, Unterreichenbacher und Bieselsberger.

Stück Lebensqualität Lehmann-Schaufelberger moderierte den Abend und blickte kurz auf die Vergangenheit zurück. Laut Kommunalaufsicht sei das Freibad eine freiwillige Leistung der Stadt. Doch bedeute eine solche Einrichtung „ein Stück Lebensqualität“. Der Gemeinderat sehe die Einrichtung hingegen als Pflichtaufgabe. „Unser Freibad ist wichtig“, sagte der Stadtrat. Es sei ein Treffpunkt für Jung und Alt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung hatte Kopp betont, dass das Freibad zur DNA von Bad Liebenzell gehöre.

Das Freibad in Bad Liebenzell Foto: Wolfgang Krokauer

Mögliche Aufgaben Kopp machte deutlich, dass das Defizit beim Bad in Höhe von rund 440 000 Euro in diesem Jahr immer noch zu hoch sei. Die weitere Reduzierung des Abmangels sei ohne die Mithilfe der Bürger aber nicht zu schaffen. „Machen statt Meckern“, lautete angesichts der Situation Lehmann-Schaufelbergers Appell. „Wer etwas tut, kann scheitern. Wer nichts tut, ist schon gescheitert“, fügte er hinzu. „Ärmel hoch krempeln“, nannte es Kopp. Als unverbindliche Einsparung durch ehrenamtliche Arbeiten war an dem Abend die Rede von rund 100 000 Euro.

Listen dabei

Lehmann-Schaufelberger hatte schon Listen dabei. Dort durften die Besucher eintragen, in welcher Form sie sich für das Freibad engagieren wollen. Inzwischen wertete er die Listen aus. Demnach wären 30 Personen bereit, eine Saison vorzubereiten und Arbeiten nach einer Saison zu erledigen. 28 Besucher der Auftaktveranstaltung wollen sich um die Pflege der Grünanlagen kümmern und 24 den Müll einsammeln. Zwei Personen wären bereit zusätzliche Ausstattung zu besorgen und einzurichten.

Sieben Besucher würden sogar Malerarbeiten übernehmen und sechs können sich vorstellen, generell Sanierungsmaßnahmen zu übernehmen. 25 Personen Kassendienst leisten und 15 Veranstaltungen organisieren. Der Gemeinderat beschloss bereits in seiner jüngsten Sitzung, ein neues Kassen- und Zutrittssystem für das Freibad anzuschaffen. Nach Angaben von Kämmerer René Kaufmann soll durch das neue System der personelle Aufwand für den Kassendienst von derzeit 2400 auf etwa 600 Stunden verringert werden. In diesem Bereich sollen rund 60 000 Euro eingespart werden.

Wieder ein Herbstfest

15 Personen würden gerne Veranstaltungen organisieren. Kopp könnte sich zum Beispiel ein Herbstfest vorstellen. Auch sechs potenzielle Rettungsschwimmer waren unter den Gästen, die sich engagieren wollen.

Um die Vorbereitung zur Gründung eines Fördervereins würden sich 13 Personen kümmern. Elf Gäste können sich eine Mitarbeit im Vorstand dieses Vereins vorstellen. 76 Besucher des Abends erwägen eine Mitgliedschaft.

Noch keine Verpflichtung

Eine Verpflichtung sind Einträge in die Liste aber noch nicht, stellte Lehmann-Schaufelberger klar. Gegenüber unserer Redaktion bezeichnete er die Eintragungen in der Liste dennoch als „sehr sehr erfreulich“.

Lehmann-Schaufelberger stellte klar, dass ehrenamtliche Arbeiten im Freibad nicht an eine Mitgliedschaft im Förderverein gebunden seien. Ehrenamtliche Arbeit ist über das Land Baden-Württemberg versichert, stellte Lehmann-Schaufelberger klar. Dies betrifft Unfälle und Haftung. Einiges gewonnen ist zudem, wenn möglichst viele den Förderverein für das Freibad durch Mitgliedsbeiträge und Spenden unterstützen. Sowohl ehrenamtliche Arbeit als auch Spenden dürfen steuerlich abgesetzt werden.

Zeitplan Lehmann-Schaufelberger kann sich vorstellen, dass es mit der Gründung des Fördervereins bis Jahresende klappt. Kopp ergänzte, dass in den ersten beiden Monaten des neuen Jahres sich diejenigen finden sollen, die sich engagieren und im März und April in die Vollen gegangen werde. Die Saison im Freibad beginnt immer am 1. Mai. In Rücksprache mit Praktikern und dem Bauamt solle der Förderverein mitteilen, was er sich vorstelle. Unter den Besuchern waren auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung, etliche Stadträte sowie Moritz Schroth, Meister für Bäderbetriebe, und Schwimmmeister Robert Basche.