Eigentlich will die Verwaltung nur einen Förderantrag zur Sanierung des Freibads stellen. Doch das wird im Gemeinderat zur Grundsatzdiskussion.
Eigentlich war es eine reine Formsache: Für die Sanierung des Calmbacher Waldfreibads hat die Stadtverwaltung einen neuen Förderantrag gestellt. Mal wieder. Nachdem die Stadt bereits viermal nicht zum Zuge gekommen war, hat sie nun einen Antrag auf Förderung durch das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ gestellt (Infokasten). Da die Frist bereits vor der jüngsten Gemeinderatssitzung abgelaufen war, wurde der Antrag gestellt, der Gemeinderat sollte diesen nun nachträglich beschließen.
Den Tagesordnungspunkt nutzten Stadträte aller Fraktionen zu grundsätzlichen Einlassungen zum emotionsgeladenen Thema Waldfreibad, die CDU-Stadtrat Martin Keppler dann wie folgt kommentierte: „Man merkt, der Wahlkampf rückt näher.“
Bekenntnissen auch Taten folgen lassen
Rita Locher, die Vorsitzende der FWV/FDP-Fraktion, bedankte sich bei Bürgermeister Marco Gauger, „dass Sie sich zum Freibad bekennen“. Allerdings forderte sie auch, dass es nicht bei Bekenntnissen bleiben dürfe: „Nicht nur schwätzen, Taten folgen lassen.“ Eigentlich sei vorgesehen gewesen, dieses Jahr mit der Sanierung des Technikgebäudes zu beginnen. Das müsse man jetzt in kleinen Schritten machen. „Uns rennt die Zeit davon“, so Locher, die weiter sagte, man müsse sich von der Strategie der maximalen Förderung verabschieden. „Der Gemeinderat steht hinter dem Waldfreibad“, machte sie deutlich und die Verwaltung müsse nun Farbe bekennen: „Wir machen das! Wir wollen das!“
„Die Fraktion steht zum Freibad“, sagte SPD-Stadtrat Jürgen Schrumpf stellvertretend für seine Fraktionskollegen. Man müsse das Waldfreibad „erhalten, mehr oder weniger bedingungslos“, denn es sei ein wichtiger Treffpunkt für Jung und Alt.
Er bedauerte, dass die Diskussion in eine falsche Richtung gehe: „Man soll nicht Parolen durchs Dorf posaunen, ‚das Bad schließt eh in absehbarer Zeit‘“ und aufhören, alles schlecht zu reden, denn diese Parolen entbehrten „jeglicher Grundlage“.
Diskussion gehört in Haushaltsberatung
Rainer Weiß von der CDU sagte, die Diskussion gehöre in die Haushaltsberatung. Denn man brauche Geld für Vieles, wie etwa Schwimmbad, Schule oder Kanalisation. Wenn man den Zuschuss nicht bekomme, werde man die Generalsanierung in wohl zweistelliger Millionenhöhe nicht stemmen können, so Weiß weiter.
Gauger warf ein, dass es in dieser Sitzung nicht darum gehe, einen Plan B festzulegen. Das Förderprogramm sei der Weg, wie man am besten zum Erfolg komme.
Locher forderte daraufhin, sich den Weg nochmals anzuschauen. „Eine Sanierung für acht Millionen wollen wir nicht. Das Freibad so zu erhalten, wie es ist, das bekommen wir hin.“
Nach der bereits genannten Äußerung in Sachen Wahlkampf merkte Keppler weiter an, dass man den Leuten „reinen Wein einschenken“ müsse: „Das Ding wird zehn Millionen mindestens kosten, wenn wir es richtig sanieren mit dem Standard, der für den sicheren Betrieb notwendig ist. Das können wir nur, wenn wir den Zuschuss kriegen.“
Wenn kein Zuschuss komme, müsse man sich Gedanken machen und „nichts versprechen, was wir nicht halten können. Eines Tages kommt die Generalsanierung und dann müssen es sie alle rechtfertigen. Dieser Teil der Wahrheit gehört auch dazu.“
Antrag zur Förderung der Sanierung des Waldfreibades
„Die geplante Sanierung des Waldfreibades im Stadtteil Calmbach in den Jahren 2024 bis 2027 stellt für die Stadt Bad Wildbad einen enormen finanziellen Kraftakt dar und ist nur mit einer maximalen Förderung durch Zuschüsse umsetzbar“, heißt es in der Vorlage zum Tagesordnungspunkt „Sanierung Waldfreibad Calmbach“ in der jüngsten Gemeinderatssitzung.