Der Beruf des Bademeisters – oder wie es fachlich korrekt heißt: Fachkraft für Bäderbetriebe – ist mehr als nur die Badeaufsicht. Vor allem an heißen Sommertagen gibt es viel zu tun.
Wenn die Sonne heiß vom Himmel brutzelt, dann herrscht für sie Hochsaison: Die Bademeister des Freibads in Balingen sind da, bevor ab 6 Uhr die ersten Schwimmer ihre Bahnen ziehen und gehen erst, wenn um 21 Uhr das Becken leer ist. Dabei ist ihr Job mehr als vom Beckenrand aus die Badegäste im Blick zu haben.
Anstrengende Aufgabe
„Doch tatsächlich ist das die anstrengendeste Aufgabe“, erklärt Rainer Schneider, Leiter der Bäderbetriebe der Stadtwerke Balingen. Der Lärm, die Hitze, die Wasserreflexion und die hohe Konzentration, die Augen bestenfalls überall gleichzeitig zu haben, strengen an. Und eine wichtige dazu: Denn sobald Menschen im Wasser sind, darf das Becken keine Sekunde aus den Augen gelassen werden. „Wir sorgen im und am Becken für Sicherheit und Ordnung und müssen sicherstellen, dass niemand ertrinkt“, erklärt Schneider.
Einschreiten, bevor es etwas passiert
Im Ernstfall sind die Bademeister – richtig heißt es Fachangestellte für Bäderbetriebe – neben den Rettungsschwimmer da, und retten. Doch in der Regel greifen Schneider und seine Kollegen ein, bevor es zu einer lebensbedrohlichen Situation kommt: Sie schauen, ob jeder im Wasser ausreichend schwimmen kann und ob Kinder von ihren Eltern beaufsichtigt werden. Sie überwachen die Rutschabstände und die Sprunganlagen. „Und dass niemand Blödsinn macht, der böse enden könnte“, erklärt Schneider.
Hochbetrieb fürs Personal
Gerade an Tagen, an denen hohe Temperaturen und im Balinger Freibad bis zu 3000 Besucher erwartet werden, herrscht für das Bäderpersonal Hochbetrieb. Die Frühschicht beginnt um 5.30 Uhr mit der Betriebskontrolle. Die technischen Anlagen und die Wasserqualität werden geprüft, ebenso das Becken samt Rutschen und Sprunganlagen sowie das Gelände. Um fünf vor sechs stehen schon die ersten Badegäste vor der Tür. „Das sind meist die gleichen, die auch bei schlechtem Wetter kommen“, sagt Schneider. Selbst wenn es kühl und regnerisch ist, besuchen das Bad an die 100 Schwimmer.
Kein Personalmangel
Während ein Kollege die Badeaufsicht beginnt, geht es für den anderen an die Reinigungsarbeiten der Rutschen, Duschen, des Kinderbeckens und -spielbereichs sowie der Grünanlage. Wenn gegen 8 Uhr Verstärkung ins Team kommt, werden auch die Rutschen geöffnet. Wenn Hochbetrieb herrscht, überblicken bis zu drei Fachkräfte oder Rettungsschwimmer das Geschehen im Becken. „Bei schönem Wetter hat man immer etwas zu tun.“
Personelle Situation
In vielen Bädern herrscht Personalmangel – auch in Balingen war dies jahrelang der Fall. Doch dank Personalzuwachs in diesem Jahr, ist für das Bäderpersonal im Sommer Urlaub drin – ein Luxus in dieser Branche, wie Schneider weiß. Er weiß, dass Schichtbetrieb und Wochenendarbeit dem Beruf viel abverlangen. Umso stolzer ist er auf sein pflichtbewusstes Team, das seine Aufgaben ernst nehme.
„Viele Arbeiten, die sieht man nicht“
Für Schneider, der seit 1980 in Bädern arbeitet, gibt es keine schöneren Beruf. „Das ist ein umfangreicher und vielfältiger Job“, schwärmt er. Die Technik hinter dem Becken findet er spektakulär. „Es gibt so viele Arbeiten zu erledigen, die sehen die Leute gar nicht.“ Auch weil Schneiders Arbeit als Leitung viel am Schreibtisch verrichtet wird, schätzt er die Einsätze im Bad besonders. „Trotz Stress ist immer Urlaubsfeeling – und ich kann Sommer wie Winter in kurzen Hosen arbeiten“, sagt er und lacht.
Stimmung verschlechtert
Er mag das Miteinander im Bad, die Stammgäste. Jedoch bemerkt er auch, dass sich die Stimmung in den Schwimmbädern in den vergangenen Jahren verschlechtert hat. „Die Respektlosigkeit in der deutschen Bäderkultur hat zugenommen“, beklagt er. Oft gebe es Ärger aufgrund von Uneinsichtigkeit. Außerdem gebe es vereinzelt – aber regelmäßig – Nichtschwimmer, die nicht ausreichend von ihren Begleitungen beaufsichtigt werden.
Gefährliche Badeunfälle habe es in dieser Freibadsaison glücklicherweise bisher keine gegeben. Insektenstiche, Platz- und Schürfwunden, Unfälle mit Scherben verarztet das Bäderpersonal allerdings beinahe täglich.
Auch bei Regen gibt es viel zu tun
Um 20 Uhr schließt das Bad, doch bis zum Feierabend gibt es für die Spätschicht einiges zu tun: Die Schwimmbecken müssen abgesaugt werden und in Kooperation mit den Reinigungskräften eine Grundordnung im Bad hergestellt werden. Die Filter müssen rückgespült werden und eine abendliche Technikkontrolle wird durchgeführt.
Regen und Kälte heißt für das Bäderpersonal aber keineswegs Ausruhen. Zwar beansprucht die Badeaufsicht weniger Augen, doch im Freibad gibt es immer etwas zu tun: Wartungsarbeiten, Geländepflege und immer wieder reinigen.
Öffnungszeiten
Auch Engstlatt gehört dazu
Die Stadtwerke Balingen unterhalten derweil nicht nur das Freibad in Balingen, sondern auch jenes in Engstlatt. Dort geht es allerdings etwas gediegener und es wird weniger Personal benötigt: Die Öffnungszeiten sind nicht so ausgedehnt und bei schlechtem Wetter endet der Betrieb früher oder es wird gar nicht erst aufgemacht.
Noch bis Mitte September dauert die Freibadsaison in Balingen – und dann geht der Arbeitsalltag für das Bäderpersonal im Eyach- und im Lochenbad weiter.