Emil Frei gründete mit einer Drogerieausbildung das weltweit erfolgreiche Unternehmen Frei Lacke in Döggingen. Heute beschäftigt die Firma mehr als 650 Mitarbeitende.
Eigentlich hätte er die Landwirtschaft seiner Eltern Karl und Franziska Frei übernehmen sollen. Doch der am 4. September 1885 in Döggingen geborene Emil Frei schlug einen anderen Weg ein. Nach seiner Schulzeit begann er in einer Drogerie mit einer Fachabteilung für Farben und Lacke eine Kaufmannslehre und legte damit den Grundstein für ein weltweit agierendes erfolgreiches Unternehmen.
Frei Lacke hat heute über 650 Mitarbeiter und wird dieses Jahr 100 Jahre alt. Auch in dritter Generation hält die Lackfabrik am Hauptsitz in Döggingen fest, der kontinuierlich wächst.
In der Futterküche Farben angerührt
Nach seiner Ausbildung vervollständigte Emil Frei in seiner Volontärzeit bei einer Düsseldorfer Lackfabrik sein Wissen über die Lackproduktion und übernahm dort die Farbabteilung. Später wechselte er in den Außendienst. Bereits 1909 errichtete er auf dem elterlichen Anwesen (heute Mundelfinger Straße 1) ein Lacklager und rührte in der Futterküche erste Farben an, was in der bäuerlichen Familie eher belächelt wurde.
Doch Emil Frei ging beharrlich seinen Weg. Als Filialleiter der Lackfabrik Voss und Sievert baute er mit großem Engagement einen Kundenstamm auf. Mit dem Bau eines neuen Lagers gegenüber dem Dögginger Bahnhof eröffnete sich die Möglichkeit, Ware über die Bahn zu erhalten und zu verschicken. Nach und nach erwarb er angrenzende Grundstücke und errichtete dort ein Wohnhaus.
Bereits Anfang der 20er-Jahre wurden Lager und Wohnhaus erheblich vergrößert.
Dabei verfolgte Emil Frei auch noch einen Plan B. Im Wohngebäude wurde ein großer, gut zugänglicher Raum mit Erker geschaffen. Es ist überliefert, dass dort eine Bahnhofswirtschaft entstehen sollte, falls es mit dem Lackgeschäft nicht klappen würde. Heute dient der Raum als Besprechungszimmer.
Als sein Arbeitgeber infolge der Weltwirtschaftskrise in Konkurs ging, wagte Emil Frei den Schritt in die Selbstständigkeit. Am 15. September 1926 gründete er ein Einzelunternehmen als „Lack und Farbengroßhandel“ mit Sitz in Döggingen. Er erwarb die Lagerbestände seiner ehemaligen Firma und wurde von deren Vertretern unterstützt.
Familie wandelt Firma um
1927 nahm die neue Firma die Produktion von Kitt, Ölpasten, Ölfarben und Lacken auf, mit denen das Malerhandwerk und der Handel beliefert wurden. Bereits in den Jahren 1934/35 wurde ein weiteres Gebäude gebaut. Während des Zweiten Weltkriegs hatte man zwölf Mitarbeiter. Die Produktion wurde auf Tarnfarben und spezielle Fahrzeuglacke beschränkt. Am 1. Januar 1947 wurde die Firma unter der Beteiligung der drei Söhne Franz, Erwin und Emil junior in eine GmbH umgewandelt.
1948 wurden eine neue Lackküche und umfangreiches Tanklager in Betrieb genommen. Neben Lacken für das Malerhandwerk setzte man nun verstärkt auf Industrielacke. 1951 hatte die Firma 60 Mitarbeiter und man engagierte sich erstmals auf dem Kunststoffsektor.
1956 wurde ein neues Laborgebäude bezogen, 1957 die Dispersionsfarbenabteilung ausgebaut. Ab 1963 wurden unter dem Namen „Eukula“ Parkettlacke vertrieben. 1966 erwirtschafteten 230 Mitarbeiter auf mehr als 12 000 Quadratmeter Fläche monatlich über eine Million DM. Man setzte auf neue Technologien. 1969 ging das erste Elektrotauchlackbecken bei einem Kunden in Serienproduktion. Ein Jahr zuvor starteten die ersten Versuche mit Pulverlacken.
Da es das zur Produktion benötigte Equipment noch nicht gab, wurde es teilweise in der eigenen Schlosserei hergestellt. 1972 übernahm man hierfür das Gebäude einer Schraubenfabrik auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Mundelfinger Straße. Heute machen die Pulverlacke mehr als 60 Prozent des Umsatzes aus. Die 70er-Jahre gehörten den Containerlacken, bei denen man weltweit führend war. In den 90er-Jahren trennte man sich vom Dispersionsfarbenbereich.
Seither wurde die Firma kontinuierlich erweitert. 1994 wurde eine komplett neue moderne zweistöckige Flüssiglackproduktion gebaut, 2009 ein neuer Logistikbereich mit Hochregallager. Die Pulverlackproduktion wurde mehrfach erweitert, zuletzt 2017. Derzeit entsteht ein neues Technologiezentrum.
Die Firmenentwicklung
Eine weltweite Expansion
Heute erwirtschaftet das Unternehmen einen Umsatz von rund 180 Millionen Euro, davon mehr als 50 Prozent außerhalb von Deutschland. Die erste Auslandsniederlassung wurde 1992 in Schweden gegründet. Es folgten Tochtergesellschaften in Großbritannien, Russland, China, den USA, Mexiko und der Türkei. In anderen Ländern bestehen Partnerschaften. Gefragt sind insbesondere die Systemlacklösungen, die Frei-Lacke zu einem der wenigen Hersteller machen, der alle relevanten Lacktechnologien unter einem Dach entwickelt und den Begriff als Vorreiter maßgeblich geprägt hat. Man entwickelt maßgeschneiderte Lösungen für Kunden aus den Bereichen Räder, Fahrzeugbau, Maschinen- und Apparatebau, Lohnbeschichtung, Schienenfahrzeuge, Windkraft, Funktionsmöbel, Lagertechnik sowie Bau und Sanitär. Zentrales Anliegen ist der Umweltschutz. Man setzt alles daran, umweltfreundliche Produkte zu entwickeln, Emissionen, Verpackungsmaterialien und Abfälle zu reduzieren und schonend mit Ressourcen umzugehen. 2026 erhielt Frei-Lacke die Auszeichnungen „Beste Arbeitgeber Fertigung & Industrie“ und „Beste Arbeitgeber Deutschland“. Mit einer Quote von zehn Prozent legt Frei-Lacke schon seit Jahren sehr hohen Wert auf das Thema Ausbildung. Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist Rainer Frei, einer der Enkel des Firmengründers, alleiniger Geschäftsführer. Sein Cousin Hans-Peter Frei ging Ende 2025 in den Ruhestand. Mit der neuen Langfristpositionierung 2032 wurden die strategischen Weichen für die nächsten Jahre gestellt.