Kam aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus: Daniela Maier bei der Siegerehrung. Foto: Steffen Rometsch

WM-Bronze, zwei Weltcup-Siege, sechs Podiumsplätze: Die Furtwanger Skicrosserin Daniela Maier fährt die beste Saison ihrer Karriere – der sie nun noch das Sahnehäubchen aufsetzen will.

Nach der Zieldurchfahrt beim Finale wollen sich Fanny Smith und Daniela Maier gar nicht mehr loslassen. Eine gefühlte Ewigkeit drücken und umarmen sich die neue Weltmeisterin aus der Schweiz und die Bronze-Medaillengewinnerin aus dem Schwarzwald. Es ist weit mehr als das übliche Abklatschen nach dem Rennen – es ist auch der Ausdruck dessen, wie viel die beiden inzwischen verbindet und wie viel beiden ihre WM-Medaillen von St. Moritz bedeuten.

 

Immer in Erinnerung kommt das Drama bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking, als beide nach Protesten, Gegenprotesten und monatelangem Warten schließlich nachträglich gemeinsam auf Platz drei gesetzt worden waren und Bronze gewannen. In den letzten Jahren kämpften beide immer wieder mit Verletzungen und längeren Rennpausen. Umso mehr können sie es jetzt wertschätzen, zum Saisonhöhepunkt ihre Bestleistung abgerufen zu haben.

Die Leichtigkeit

„Es fühlt sich mega an, ich bin erleichtert, mega glücklich“, sagte Daniela Maier nach ihrer ersten Medaille bei ihrer dritten Weltmeisterschafts-Teilnahme. „Ich bin ultrahappy, weil ich jetzt endlich mal wieder so Ski gefahren bin wie am Anfang der Saison und wie ich eigentlich Skifahren will und kann. Ich habe wieder die Leichtigkeit und das gute Gefühl zusammengebracht. Deshalb bin ich ultraglücklich mit dem dritten Platz.“

Dabei deutete in den letzten Wochen und auch noch in der Qualifikation am Donnerstag, wenig auf einen Erfolg bei der WM hin. Nach einem überragenden Saisonstart, bei dem Maier gleich sechsmal auf ein Weltcup-Podium fuhr, im italienischen Innichen einen Doppelsieg vor Weihnachten einen Doppelsieg feierte und als Weltcup-Führende ins neue Jahr startete, rutschte sie seit Februar immer stärker ins Tief – körperlich und mental.

Daniela Maier präsentiert ihre Bronzemedaille. Foto: Rometsch

„Es war ein Auf und Ab die letzten Wochen, ich habe viel mit mir zu kämpfen gehabt“, sagt die 29-Jährige. „Mir ist es erst die letzten Wochen so richtig bewusst geworden, dass ich endlich mal eine Saison gesund und unverletzt durchfahre.“ Dies erfordert jedoch neue Lernprozesse – auch für eine erfahrene Läuferin, wie die Frau vom SC Urach, die seit zehn Jahren im Weltcup fährt. „Es ist ein straffes Programm. Ich merke, dass das eine andere Belastung ist, die ich schon lange nicht mehr hatte und nicht mehr gewohnt war. Das macht viel aus im Kopf. Es ist nicht nur physisch, sondern auch mental zäh, den Fokus zu halten und sich immer wieder neu zu konzentrieren.“ Hinzu kamen Probleme mit dem Knie, das immer wieder zwickte und Schmerzen bereitete. „Dem Knie geht es bescheiden. Ich kann fahren, aber es hat schon bessere Tage gehabt“, sagte sie zu Beginn der WM-Woche.

Der Neustart

Statt an Kraft und Athletik zu feilen, bestimmten zuletzt Ergometer, Lymphomat und Behandlungen das Trainingsprogramm. „Ich habe versucht, komplett alles abzuschütteln, einen kompletten Neustart zu machen“, gibt Maier einen Einblick in ihre Gedankenwelt. „Gar keine Hoffnungen oder Erwartungen zu machen, ist mein Hauptfokus – in der Hoffnung, dass dann was Gutes dabei rauskommt.“

Dieser Plan ist voll aufgegangen. Nach drei beherzten und taktisch klugen Läufen darf sie sich über ihre erste WM-Medaille freuen – die erste Medaille einer deutschen Skicrosserin seit Alexandra Grauvogl 2007 – hinter Fanny Smith und der Kanadierin Courtney Hoffos.

Die kurzzeitigen Differenzen zwischen Smith und Maier nach dem Olympia-Hickhack sind längst ausgeräumt, wie die innige Umarmung von St. Moritz zeigt. „Wir haben die Tage davor geredet, auch darüber, dass es mir körperlich nicht so gut ging“, berichtet Maier. „Sie hat sich für mich gefreut und natürlich habe ich mich auch für sie gefreut, dass wir zusammen auf dem Podium stehen dürfen. Sie ist souverän gefahren und deshalb auch die wohlverdiente Weltmeisterin.“

Der Teamwettbewerb

Tags darauf wird Maier im Teamwettbewerb zusammen mit Silbermedaillengewinner Tobias Müller Fünfte. Die Unzufriedenheit darüber ist ihr bei der Zieldurchfahrt anzusehen. Mit etwas Abstand hat sich der Frust über das vorzeitige Ausscheiden aber relativiert. „Klar wäre heute mehr drin gewesen, aber auch der fünfte Platz ist top. Platz drei und fünf – vor einer Woche hätte ich das auf jeden Fall so genommen und unterschrieben. Deshalb bin ich glücklich mit den Ergebnissen und dieser WM.“

Entsprechend zuversichtlich fährt sie jetzt zum Saisonfinale ins schwedische Idre Fjäll. Dort will die Deutsche, die im Weltcup im Moment mit 765 Punkten auf Rang vier liegt, in den letzten beiden Rennen noch einmal voll angreifen und kräftig Punkte sammeln, um auch die Gesamt-Weltcupwertung erstmals auf dem Treppchen abzuschließen. Es wäre das Sahnehäubchen auf einer schon jetzt herausragenden Saison.

Das Weltcup-Finale

Das Ziel ist realistisch, schon weil für die aktuelle Weltcup-Zweite, die Kanadierin India Sherret (869 Punkte) nach ihrem schweren Sturz im Halbfinale in St. Moritz die Saison vorzeitig beendet sein dürfte. Auch die Weltcup-Dritte Jole Galli aus Italien ist mit 781 Punkten in Schlagdistanz. Einzig Fanny Smith ist mit ihren 916 Punkten schon zu weit enteilt.

Doch – wie schon vor der WM – versucht sich Daniela Maier wenig Druck zu machen. „Was ich in den letzten Wochen gelernt habe, ist, dass ich mir nicht so groß Gedanken machen, sondern einfach die Läufe noch genießen sollte. Das Wichtigste für mich ist jetzt, voll gesund durch die Saison zu kommen. Und ich möchte das Gefühl noch mal abrufen, das ich die letzten Tage wieder hatte. Schauen, dass es so weit wie möglich geht, die letzten Läufe genießen – und was dann dabei rauskommt, sehen wir dann“, sagt die Furtwangerin, um dann aber doch noch etwas positives Erwartungsmanagement zu betreiben: „Wenn ich die Lockerheit und Leichtigkeit habe, wird es weit vorgehen.“