Bereits zum 16. Mal fand der Frauenwirtschaftstag in der Balinger Zehntscheuer statt. In diesem Jahr stand er unter dem Motto „Zukunft gestalten: Frauen und Männer stark als Team“.
Auf dem Podium diskutierten deshalb Frauen und Männer. Unter anderem war die Baden-Württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut gekommen. In seiner Begrüßungsansprache erklärte Oberbürgermeister Dirk Abel: „Kooperation hat uns als Menschen nicht nur überleben lassen, sondern auch immer vorwärts gebracht.“
Die Wirtschaftsministerin plädierte dafür, dass Care-Arbeit, sei es für Kinder oder zu pflegende Angehörige, nicht zum Nachteil für diese Personen werden dürfe. Noch immer sehe man nämlich bei einem Vergleich der Zahlen, dass die Care-Arbeit vorwiegend von Frauen übernommen werde.
Um das zu ändern, brauche es flexible Arbeitszeitmodelle, die auch für Männer gedacht werden. Sie habe vor kurzem in einer Auflistung gesehen, dass rund 6000 Ingenieurinnen nicht in ihrem Beruf arbeiten, obwohl der Arbeitsmarkt sie dringend brauche. Der Grund: die Akzeptanz war weder unter den Kollegen in der Männerdomäne Technik gegeben.
Mit Familienfreundlichkeit kann man punkten
Noch akzeptiere das soziale Umfeld berufstätige Frauen, und das bis heute. Jedoch stellten Unternehmen zunehmend fest, dass sie mit Familienfreundlichkeit punkten könnten, auch bei so genannten High-Potentials, also sehr gut ausgebildeten Bewerbern. Auf die Frage, wie sie das persönlich mache, mit der Vereinbarkeit von Familie und ihres politischen Amtes, antwortete die Ministern für Wirtschaft-Frauen und Tourismus:“ Es ist eine Herausforderung und es ist nicht einfach.“
Kita-Unterbringung schwierig
Bis heute sei es oft ein Kraftakt. In Ihrer täglichen Arbeit treffe sie oft auf Menschen, die ihr erzählen, wie schwierig die Kita-Unterbringung des Nachwuchses ist. „Es gibt noch großes Potenzial nach oben bei der Verbesserung der Betreuungssituation“, betonte sie.
Familie und Beruf muss kein Widerspruch sein
In manchen Branchen scheint es positive Ansätze dafür zu geben, dass Familie und Beruf zusammengehen. So hat beispielsweise die Caritas das Instrument der betrieblichen Sozialberatung geschaffen.
Auf dem Podium stellten die Regionalleiterin der Caritas für die Region Schwarzwald-Alb-Donau, Nadja Lück und der Fachleiter für Soziale Hilfen, Johannes Geiger, dies vor.Das Angebot setze ganz praktisch an, denn auch Männer möchten häufig in Teilzeit arbeiten. Das berufliche Umfeld jedoch arbeitet dagegen.
Beides ist möglich
Dass jedoch beides möglich ist: Beruf und Familie hat Johannes Geiger erst vor Kurzem wieder direkt spüren können. Die Caritas ermöglichte es ihm seine Führungstätigkeit zu 80 Prozent Beschäftigungsumfang trotz Vaterschaft weiter zu übernehmen. Seine Frau arbeite zu 30 Prozent, so dass die Familienaufgaben verteilt werden können. Führung in Teilzeit geht also. Als praktisches Beispiel erwähnt er, dass Konferenzen zu einem bestimmten Zeitpunkt aufgehört haben müssen, weil dann die Kinder aus der Kita abgeholt werden. „Gleichzeitig verhindern wir so eine hohe Fluktuation in Führungs und anderen Positionen“, erklärte Nadja Lück, „Es ist also auch eine betriebliche Notwendigkeit.“
Diverse Teams sind erfolgreicher
Darüber hinaus habe man bei der Caritas die Erfahrung gemacht, dass diverse Teams grundsätzlich erfolgreicher seien und wenn jemand aus dem Leitungsteam ausfalle oder reduziert arbeitet, sei das immer auch eine gute Gelegenheit zum Überdenken der betrieblichen Prozesse. Einen sehr persönlichen Einblick in ihre Arbeit als Team gaben die beiden Geschäftsführer der B2 Bio pur GmbH, Sabine Franz und Stefan Schopf. Seit über einem Vierteljahrhundert wächst der Biobetrieb stetig. Inzwischen umfasst er neben den beiden Bio-Märkten in Balingen und Rottweil auch einen Catering-Service. Nach wie vor spielt die Gärtnerei dabei eine wichtige Rolle.
Kommunikation ist das A und O
Doch wie klappt es, wenn die Geschäftsführer auch noch verheiratet sind und eine gemeinsame Familie haben? Wichtig sei es, stets gut zu kommunizieren. Da sie beide jedoch die „gleiche Mission“ hätten, sei es trotz häufig unterschiedlicher Lösungswege möglich, erzählte Sabine Franz.
Ausblick in die Zukunft
Ihr Ausblick in die Zukunft zeigte, dass sich das Geschäftsführerehepaar auch hier bereits Gedanken gemacht hat: Enkeltauglich solle sowohl die Firma als auch das Leben sein. Dass die beiden den Betrieb auf Augenhöhe führen war deutlich zu spüren. Am Ende des offiziellen Teils konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch gute Gespräche führen und waren ausdrücklich zum netzwerken eingeladen.