Die Nagolder Gesamtwehr ist mit einem Frauenanteil von 13 Prozent derzeit Spitze über den Landkreis Calw hinaus. Foto: Uwe Priestersbach

Mit einem Frauenanteil von 13 Prozent spielt die Nagolder Feuerwehr ganz oben mit – bundesweit liegt der Schnitt bei knapp über elf Prozent. Drei Nagolder Frauen erzählen von ihren ganz persönlichen Erfahrungen bei der Feuerwehr – darunter auch eine Feuerwehrfrau der ersten Stunde.

„Ich bin stolz, dass es in Nagold so viele Feuerwehrfrauen gibt“, erklärte Gesamtwehrkommandant Jörg Burghard im Vorfeld des Weltfrauentages. Und er macht deutlich, dass man sich in Nagold „über jeden Frau freut, die dazu kommt“.

 

„Das ist schon sensationell“, freut sich auch Markus Fritsch als Kreisverbands-Vorsitzender der Feuerwehr – und fügt hinzu, „Frauen tun der Feuerwehr gut“. Das kann Jörg Burghard nur bestätigen und lobt die positiven Effekte für das Gemeinschaftsgefühl in der Feuerwehr.

Nicht unerwähnt lässt der Stadtbrandmeister ebenfalls, dass Frauen bei Einsätzen mit dem gleichen Fachwissen und Eifer zur Sachen gehen wie ihre männlichen Kameraden.

Feuerwehrfrau der ersten Stunde

Zu den Nagolder Feuerwehrfrauen der ersten Stunde zählt Susanne Pag, die 1985 Gründungsmitglied der Jugendfeuerwehr war – und die seit 1989 zu den aktiven Einsatzkräften der Abteilung Stadt gehört.

„Am Anfang hatte man es als Frau schon schwer“, erinnert sich Susanne Pag an die ersten Jahre im damaligen Feuerwehrhaus in der Burgstraße. Doch die mittlerweile zur Gruppenführerin aufgestiegene Feuerwehrfrau und frühere Leiterin der Jugendfeuerwehr betont auch: „Ich habe mir meinen Platz erkämpft und genauso hinlangen müssen wie die Männer“.

„Frauen bei der Feuerwehr sind mittlerweile normal“

Während Susanne Pag also noch Vorreiterin als weibliche Feuerwehrangehörige war, sei der Zugang heute einfacher. „Frauen bei der Feuerwehr sind mittlerweile normal und sie leisten den gleichen Dienst wie die Männer“. Nach 40 Jahren macht sie zugleich deutlich, dass sie den Dienst in der Feuerwehr nicht mehr missen möchte – zumal hier viele Freundschaften entstanden sind und eine gute Kameradschaft gepflegt werde.

„Wir sind schon eine Feuerwehrfamilie“, weiß Yvonne Fritsch zu berichten, deren Vater Paul Amand lange Jahre als Nagolder Stadtbrandmeister tätig war. Sie war 1994 zur Jugendfeuerwehr gestoßen – wo sich zwischenzeitlich auch ihre beiden Töchter auf den aktiven Dienst in der Feuerwehr vorbereiten – „und die musste man nicht dazu überreden“.

Maschinistin, Gruppenführerin und Fachberaterin Chemie

Seit etlichen Jahren ist Yvonne Fritsch Maschinistin und Gruppenführerin in der Nagolder Feuerwehr – und seit 2023 auch noch Drehleiter-Maschinistin. „Wir machen den gleichen Job wie die Männer, und da darf es keine Unterschiede geben“, macht sie deutlich. Durch ihren Beruf als Apothekerin ist Yvonne Fritsch im Landkreis Calw zudem als „Fachberaterin Chemie“ tätig. Das heißt, sie nimmt bei Gefahrguteinsätzen eine beratende Funktion für die Einsatzleiter ein.

Einen ganz anderen Zugang zur Feuerwehr hatte die 45-jährige Angela Baehr gefunden, die im vergangenen als Seiteneinsteigerin in die Schietinger Abteilungswehr eingetreten ist. „Wir sind hierhergezogen und ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt“, erklärt Angela Baehr und fügt hinzu: „Man kann auch mittendrin im Leben noch zur Feuerwehr kommen“.

Das bestätigt Markus Fritsch, wenn er betont, dass in der Feuerwehr auch „gestandene Frauen gebraucht werden, die schon im Leben stehen“. Wie Jörg Burghard dazu feststellte, sei die Tendenz in Sachen Frauenanteil steigend – und bei der Jugendfeuerwehr sei aktuell fast jedes vierte Mitglied ein Mädchen. Und der Stadtbrandmeister ist überzeugt, dass die Frauen „das Feuerwehrgefüge und die Kameradschaft zum Positiven verändern“.