Am 9. November haben Frauen in Washington D.C. gegen die Umsetzung des von Donald Trump geplanten „Projekt 2025“. Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire/IMAGO/Probal Rashid

Die radikalfeministische 4B-Bewegung setzt in Südkorea schon länger ein Zeichen gegen patriarchale Strukturen. Seit der Wahl Trumps zum US-Präsident verbreitet sich der Gedanke der kompletten Enthaltsamkeit nun auch unter amerikanischen Frauen.

Noch am Abend der US-Wahl schrieb der rechtsnationale Influencer und Podcast-Moderator Nickolas J. Fuentes auf der Plattform X: „Your body, my choice. Forever“ – noch bevor das Ergebnis der Wahl bekannt war. Sein Post wurde knapp 100 Millionen Mal in dem sozialen Netzwerk angezeigt.

 

Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten gibt vielen jungen Männern mit rechtsnationalen und sexistischen Ansichten Aufwind. Frauenfeindliche Hetze in der Öffentlichkeit scheint für viele legitim zu sein. Kein Wunder also, dass die meisten Frauen in sozialen Netzwerken auf die Spaßfrage „Du bist allein im Wald – würdest du lieber einem Bären oder einem Mann begegnen?“ antworteten: „Definitiv dem Bären.“ Eine Frau schrieb als Begründung: „Beim Bär würde man mir wenigstens glauben, wenn er mich angreifen würde.“ Der virale Hit „Mann oder Bär?“ zeigt die realen Ängste vieler Frauen vor männlicher Gewalt in ihrem Alltag.

Gewalt gegen Frauen nimmt in vielen Ländern zu

Dass dies keine unbegründete Angst ist, zeigen aktuelle Daten des Bundeskriminalamtes. Laut der aktuellen Kriminalstatistik für das Jahr 2023 sind mehr Frauen von Gewalt betroffen gewesen als noch im Jahr zuvor. Sexualstraftaten nahmen um sechs Prozent zu, Femizide um ein Prozent. Im Durchschnitt wird alle zwei Minuten in Deutschland jemand Opfer häuslicher Gewalt; über 70 Prozent der Opfer sind Frauen. Jeden zweiten Tag wird eine Frau von ihrem Partner getötet.

Viele Frauen fühlen sich durch den Staat nicht geschützt und wollen sich auch patriarchalen Strukturen nicht länger hilflos ausgesetzt sehen. Aus diesem Gedanken ist vor zehn Jahren in Südkorea die radikalfeministische 4B-Bewegung entstanden. Die 4Bs stehen dabei für die koreanischen Wörter Bihon (keine Heirat), Bichulsan (Keine Kinder), Biyeonae (kein Dating) und Bisekseu (kein Sex).

Seit der Wahl Trumps zum US-Präsidenten rufen auch viele Amerikanerinnen im Netz dazu auf, sich der 4B-Bewegung anzuschließen. Sie sind wütend, dass ein verurteilter Sexualstraftäter das höchste Amt im Land innehaben soll.

Doch auch abseits von radikalen Protestbewegungen ist in den letzten Jahren ein Trend zu beobachten, wonach Frauen lieber zunächst Single bleiben. So ergab eine Untersuchung der amerikanischen Firma Morgan Stanley basierend auf Zensusdaten, dass bis 2030 rund 45 Prozent der amerikanischen Frauen zwischen 25 und 44 Jahren ohne Partner und Kinder leben könnten. Zu Gunsten der eigenen persönlichen Entwicklung und ihren Karriereplänen würden Frauen Heiraten und Kinder kriegen inzwischen auf später verschrieben oder ganz drauf verzichten.

Als eine der Ursachen dafür wird auch die konträre Entwicklung von jungen Männern und Frauen gesehen. Auf Basis von Umfragen und Wahlergebnissen kam die britische „Financial Times“ kürzlich zu dem Ergebnis, dass es bereits einen politischen Gender Gap gebe. Demnach werden unter den 18- bis 29-Jährigen die Frauen immer linker und progressiver, während sich junge Männer in eine konservative bis rechte Richtung bewegen. Das zeige sich in den USA, im Vereinigten Königreich, in Südkorea und in Deutschland.

Frauenfeinde wie Tate finden Anklang unter jungen Männern

Der Rechtsruck unter jungen Männer in westlichen Ländern zeigt sich auch in zunehmenden antifeministischen Bewegungen. So werden selbst ernannte „Alpha Males“, die den starken Mann befürworten, der über die Frau bestimmt, wie der ehemalige Kick-Boxer und Influencer Andrew Tate von hunderttausenden Männern wie ein Held gefeiert. Und dies, obwohl Tate und sein Bruder derzeit in Rumänien wegen des Verdachts auf Vergewaltigungen und Menschenhandel angeklagt sind.

Die Initiative Internet Matters, die Eltern über Internetsicherheit für ihre Kinder aufklärt, hat kürzlich in Großbritannien eine Studie über Andrew Tate durchgeführt. Dafür befragte sie 2000 Eltern und 1000 Kinder im Alter von neun bis 16 Jahren. Der auch durch seine frauenfeindlichen Posts bekannte Andrew Tate habe auf der Plattform X rund acht Millionen Follower und damit eine immense Reichweite mit seinen Inhalten, weshalb die Mehrheit der Jungen angab, man könne seinem Content kaum entgehen.

Der Bericht ergab aber auch, dass der Bekanntheitsgrad von Tate bei Eltern höher (81 Prozent) als bei Kindern (59 Prozent) war, bei unter den 15- bis 16-Jährigen steige der Bekanntheitsgrad auf 73 Prozent. Fast ein Viertel der Jungen im Teenageralter stehe Andrew Tate positiv gegenüber. Noch überraschender war für die Forscher, dass ein noch größerer Anteil der Väter eine positive Einstellung zu Andrew Tate hatte.

Welchen Unterschied es für Mädchen macht im Vergleich zu Jungs, in Trumps Amerika aufzuwachsen, beschrieb kürzlich die 16-jährige Schülerin Xinyue Chen in einem Gastbeitrag für die New York Times. Als sie am Morgen nach der Wahl in die Schule gekommen sei, hätten die Mädchen geweint und die Jungs Minecraft gespielt. „Wir Mädchen sind in einem Land aufgewacht, das lieber einen verurteilen Sexualstraftäter zum Präsidenten wählt als eine Frau. Einem Land, in dem mein Körper, in den ich noch nicht einmal richtig hineingewachsen bin, nicht mehr länger unter meiner eigenen Kontrolle ist.“ Was sie aber am meisten verstöre, sei, dass diese Wahl die Jungs um sie herum in der Schule überhaupt nicht tangiere, weil sich in ihrem Leben nichts verändere.

In den fünf Tagen nach der US-Wahl gab es laut Google Trends mehr als eine halbe Million Suchanfragen nach „4B Movement“. Auch in den sozialen Medien gab es Tausende Aufrufe an Frauen, sich der Bewegung anzuschließen. Rückschritte zu machen, wollen viele Amerikanerinnen nicht hinnehmen. Sie sagen lieber: „Ein Mann? Ein Kind? Nein danke!“