Unter dem Titel „Frauen, Leben, Freiheit“ sprachen zwei Redner über die Frauenrechte im Iran – ergänzt durch eine Lesung aus zwei Büchern, die einen Einblick in die komplexe Realität vor Ort gaben und eine Diskussion, an der sich die Gäste rege beteiligten.
Bei der Veranstaltung „Frauen, Leben, Freiheit. Frauenrechte im Iran – gehen auch uns an“ am Freitagabend im K3 erhielten die Zuhörer Einblicke in die Herausforderungen und Fortschritte der Protestbewegung. Beide Redner baten darum, anonym zu bleiben und nicht fotografiert zu werden.
Den Anfang macht ein Deutsch-Iraner mit einem kurzen Vortrag über die Geschichte Irans und die politische Entwicklung, wobei er sich auf drei Themen respektive Personen konzentrierte: „Operation Ajax“, eine geheime Operation von CIA und MI6 mit dem Ziel, Premierminister Mohammad Mossadegh abzusetzen; Schah Mohammad Reza Pahlavi, der sich auf eigene Initiative hin für ein Frauenwahlrecht einsetzte, sowie für mehr Bildung auch in ländlichen Gebieten, und die Islamische Revolution unter Ruhollah Chomeini. „Er hat unter anderem dafür gesorgt, dass ungeschriebenes Gesetz zu geltendem Gesetz wurde“ – so zum Beispiel die Verschleierungspflicht für Frauen ab neun Jahren.
Die Strafen gehen vor allem zum Nachteil der Frauen
Inzwischen sei das Leben in weiten Teilen der politischen und religiösen Ideologie unterworfen. Bei Verstoß drohen Strafen, die vor allem zum Nachteil der Frauen gehen. Bei einer Erbschaft bekomme die Frau nur die Hälfte dessen, was ein Mann bekomme. Bei einer Scheidung gehe die Frau leer aus, und auch das Sorgerecht gehe automatisch auf den Mann über.
Ergänzt wurde der Vortrag durch K3-Leiterin Evelin Nolle-Rieder, die aus den Büchern „Zwischen den Welten“ von Natalie Amiri und „Die mutigen Frauen Irans - Wir haben keine Angst!“ von Natalie Amiri und Düzen Takkal vorlas – und damit verschiedene Perspektiven zum Ausdruck bringt. Zum Beispiel die der deutsch-iranischen Schauspielerin Jasmin Shakeri, die sich ärgert und schämt, das „Lotto der Geburt“ gewonnen zu haben und sich fragt: Was hat ihr Freund im Iran verbrochen, dass ihm die Welt vorenthalten bleibt?
Oder die der Künstlerin Ghazal Abdollahi, die nur schwer begreifen kann, dass sie in Deutschland frei sprechen darf. Die immer noch Angst hat, verfolgt und abgehört zu werden.
Nicht minder bedrückend ist die Geschichte von „Layli“ – ein Pseudonym –, die lieber bei einer Demonstration sterbe als in Haft. Das Regime sei gnadenlos, ja, und die Angst durchaus da. Aber es gebe nichts zu verlieren – und das reduziere die Angst ein wenig.
Die Vermögen einfrieren – das hilft fast immer
Bei der anschließenden Diskussion fragt Nolle-Rieder die Teilnehmer unter anderem „Was kann die Politik tun?“ Die beiden Redner wünschen sich statt Sanktionen gezielte Maßnahmen von der internationalen Politik – zum Beispiel Mitglieder der Revolutionsgarde auf die Terrorliste zu setzen und die Vermögen einzufrieren. „Unter den Sanktionen leidet vor allem die Bevölkerung“, sagen beide.
„Wird noch demonstriert oder sind die inzwischen abgeflacht?“, wolle ein weiterer Besucher wissen. Proteste gebe es immer noch, aber ihre Art habe sich zum zivilen Ungehorsam hin verändert.
So gingen zum Beispiel immer mehr Frauen ohne Kopftuch auf die Straße. „Alle festnehmen geht nicht.“ Weil das Internet aber zunehmend eingeschränkt werde, gelangen immer weniger Bilder und Videos nach außen.
„Gibt es wirklich gar nichts, das Freude macht?“, wollte ein anderer wissen. Daraufhin präzisierten beide Redner, dass vor allem politisch alles mies sei – der Zusammenhalt und das Miteinander aber für schöne Momente sorgten. „Die Menschen teilen viel miteinander, auch wenn sie selbst nicht viel haben.“
Begriffe und Namen
„Operation Ajax“
war eine geheime Operation der CIA und des MI6 mit dem Ziel, den iranischen Premierminister Mohammad Mossadegh zu stürzen und an seiner statt Fazlollah Zahedi einzusetzen. Die Operation wird als völkerrechtswidrig eingestuft.
Die Islamische Revolution
war eine Bewegung, die zum Ende der Monarchie und zur Absetzung des Schahs geführt hatte. Als Auslöser gilt ein Artikel der Teheraner Tageszeitung Ettela’at , in dem Ruhollah Chomeini verunglimpft und beleidigt wurde. In Folge dessen kam es zu zahlreichen Demonstrationen und Protesten, die blutig niedergeschlagen wurden.
Mohammad Mossadegh
(1882-1967) war von 1951 bis 1953 Premierminister von Iran. Er hatte sich um die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie bemüht – und somit auch um die Beendigung des bisherigen britischen Monopols darauf. Im Jahr 1953 wurde er im Zuge der „Operation Ajax“ gestürzt.
Mohammad Reza Pahlavi
(1919-1980) war der letzte iranische Schah. Im September 1941 bestieg er den Thron; 1979 wurde die Monarchie durch die Islamische Revolution gestürzt; im Januar 1979 verließ Pahlavi mit seiner Familie das Land.
Ruhollah Musawi Chomeini
(1902-1989) war der politische und religiöse Führer der Islamischen Revolution und danach bis zu seinem Tod Staatsoberhaupt des Iran. 1979 rief er die „Islamische Republik Iran“ aus.