Josephine Hösch aus Göppingen schließt bald ihre Ausbildung zur Elektronikerin ab. Foto: Sibylle Hermle/Baudisch Electronic GmbH

Klempner, Elektriker, Metallbauer – solche Jobs üben in den Köpfen vieler Menschen vor allem Männer aus. Aber ist das auch so? Und wie gehen die Bereiche mit dem Image um? Wir haben mit jungen Frauen in sogenannten „Männerdomänen“ gesprochen.

Pöbelnde Typen auf der Baustelle, sexistische Sprüche, immer muss frau sich beweisen. Noch heute gibt es Berufe, die hauptsächlich Männer ausüben. Sogenannte „Männerdomänen“ haben den Ruf, unfreundlich zu Frauen zu sein. Wie nehmen junge Frauen das wahr? Wir haben mit drei von ihnen aus der Region gesprochen. Franziska Dangel (27) ist Klempnermeisterin im elterlichen Betrieb in Lenningen, Josephine Hösch (24) aus Göppingen schließt bald ihre Ausbildung zur Elektronikerin ab, und Lara Schmid (22) aus Kleinbottwar ist bald fertig mit der Ausbildung zur Metallbauerin.

 

Wie erlebt ihr es, in sogenannten Männerdomänen zu arbeiten?

Franziska Dangel: Ich bin froh, dass es bei uns immer recht angenehm war. Wir haben immer Unterstützung bekommen. Es war eher so, dass Kollegen uns schwere Dinge auf der Baustelle abnehmen und uns damit helfen wollten. Aber da habe ich immer gesagt: Nein, ich mache das selbst. Wir wollen uns ja auch beweisen.

Josephine Hösch: Bei uns arbeiten mehr Frauen als Männer. Alle männlich gelesenen Personen sind total unterstützend. Es ist eher so, dass Leute von außen verwundert sind, dass ich als Frau in dem Beruf arbeite. Ich mache dann immer klar, dass das gar nichts Besonderes ist. Sicher gab es auch mal negative Erfahrungen. Zum Beispiel Kommentare, dass Elektronik und Technik nichts für Frauen ist. Ich finde es wichtig, dass man dann für sich selbst einsteht.

Lara Schmid Foto: Lena Sporer

Lara Schmid: Ich kenne die Überraschung darüber auch, dass ich den Beruf mache. Viele finden es aber auch toll. Negativ waren zum Beispiel Kommentare, dass ich ja nur in dem Betrieb von meinem Vater bin und das so entspannt sei. Ist es aber gar nicht. Oder: Bei meiner Zwischenprüfung war meine Note um 0,1 besser als die von einem Klassenkamerad. Er hat es gar nicht verstanden, weil er dachte, ich kann das eh nicht. Aber bei mir hat es halt besser gepasst als bei ihm.

Elena und Franziska Dangel Foto: privat

Also keine pöbelnden alten Männer mit sexistischen Sprüchen?

Franziska Dangel: Ich habe das Gefühl, dass das in den letzten Jahren viel besser geworden ist.

Josephine Hösch: (nickt). Es gibt immer vereinzelt das klassische Bild „alter, weißer Mann“. Die wird man aus ihrer Weltanschauung nicht rausbekommen, aber es ist einfach die Minderheit.

Lara Schmid: Als ich zum ersten Mal auf eine Baustelle bin, dachte ich: Oh Gott, was werden die Leute sagen? Aber die positiven Kommentare überwiegen. Die negativen gibt es schon immer mal wieder, aber die gibt es in jedem Beruf.

Würdet ihr euch als Feministinnen bezeichnen?

Franziska Dangel: Als feministisch würde ich mich nicht bezeichnen. Meine Schwester Elena und ich setzen uns insgesamt für unseren Beruf ein. Das hat nichts mit Feminismus zu tun, eher mit Gleichberechtigung.

Josephine Hösch: Ich würde mich schon als feministisch bezeichnen, aber nicht nur im beruflichen Kontext. Wenn ich blöde Kommentare oder so mitbekomme, ist es mir ein großes Anliegen, einzugreifen und zu erklären, warum das nicht okay war. Viele Leute nehmen das dann auch positiv auf.

Lara Schmid: Ich würde mich auch nicht als feministisch bezeichnen. Mir geht es auch eher um die Aufmerksamkeit für den Beruf.

Einige von euch haben Instagram-Kanäle, auf denen ihr eure Arbeit zeigt. Geht es dabei darum, mehr Frauen in die Jobs zu bekommen?

Franziska Dangel: Wir setzen uns auf Instagram fürs Handwerk ein, weil es generell ein Problem ist, dass zu wenig Leute da arbeiten. Das gilt auch für Frauen. Es soll aber einfach jeder das machen, worauf er Lust hat. Durch Instagram haben wir schon einige Mädels zu einem Praktikum oder einer Ausbildung begeistern können, die sich eher getraut haben, hier her zu kommen, weil sie gesehen haben, dass auch Frauen im Betrieb sind.

Lara Schmid: Ich bin auf Instagram, weil mein Beruf am Aussterben ist. Um zu zeigen: Hey, das ist cool, was man da macht. Wenn sich dann eine Frau interessieren sollte, versuche ich, ihr zu zeigen, dass sie keine Angst haben muss, weil ich das ja auch schaffe.

Zieht es also mehr Frauen in die Berufe, wenn Frauen schon darin arbeiten? Und gibt es in euren Betrieben schon „Vorbildfrauen“?

Josephine Hösch: Ich glaube, das macht tatsächlich einen Unterschied. Bei uns sind richtige Powerfrauen dabei, die uns total nett aufgenommen haben. Da fühlt man sich direkt ein bisschen wohler.

Lara Schmid: Bei mir ist keine Frau, wir sind nur zu dritt. Ich will aber auch gucken, dass ich Leute heranziehe. Es ist nur einfach schwierig, überhaupt Nachwuchs zu finden.

Franziska Dangel: Bei uns gab es vor mir und meiner Schwester im Handwerksbereich keine Frau. Aber wie gesagt, kommen ab und zu Mädels dazu. Wir machen zum Beispiel den Girls Day, wo Mädchen schon an die Berufe herangeführt werden.

Was müsste sich ändern, um mehr Frauen in diese Berufe zu bekommen?

Josephine Hösch: Mir haben Vorbilder gefehlt. Ich finde es deshalb richtig toll, dass ihr auf Social Media Aufklärungsarbeit macht. Aber zum Beispiel in Schulbüchern sind selten Handwerkerinnen abgebildet. Auch in den Medien oder bei berufsbildenden Maßnahmen sind Frauen unterrepräsentiert. Wenn ich in der Schule mehr Flyer darüber in die Hand bekommen hätte oder mal eine weiblich gelesene Person im Blaumann gesehen hätte, hätte das wahrscheinlich schon unterbewusst in mir gearbeitet.

Franziska Dangel: Ich finde, bei den Schulen ist es teilweise schon angekommen. Aber wir müssen trotzdem noch mehr machen, weil das unsere Zielgruppe ist. Warum nicht schon im Kindergarten damit anfangen? Einfach, um diese Berufe überhaupt ins Bewusstsein zu bringen.

Lara Schmid: Ich bin auch mit Schulen in Kontakt, um den Beruf vorzustellen. In meiner Schulzeit wurde jeder Beruf vorgestellt, am meisten die Polizei, aber aus dem Handwerk kam nie jemand. Hätte ich über meinen Vater keine Berührungspunkte, dann weiß ich ehrlich gesagt nicht, ob ich überhaupt auf diese Schiene gekommen wäre.

Die Interview-Partnerinnen

Franziska Dangel
ist 27 Jahre alt und Klempnermeisterin. Gemeinsam mit ihrer Schwester Elena übernimmt sie den elterlichen Betrieb in Lenningen. Bevor sie sich fürs Handwerk entschied, machte sie ein duales Studium im Immobilienbereich. Danach entschied sie sich aber um. Zum Glück: Wie sehr sie ihre Arbeit lieben, teilen Franziska und Elena Dangel gemeinsam auf ihrem Instagram-Kanal.

Josephine Hösch
ist im vierten Lehrjahr ihrer Ausbildung zur Elektronikerin. Im November und Januar stehen die Abschlussprüfungen an. Ursprünglich hat die 24-Jährige Göppingerin eine Lehre zur Tierarzthelferin gemacht, sich dann aber umentschieden. Ein Praktikum im jetzigen Betrieb hat sie vom technischen Bereich überzeugt.

Lara Schmid
aus Kleinbottwar macht ihre Ausbildung zur Metallbauerin im elterlichen Betrieb. Auch sie schließt die Ausbildung im Januar ab und will dann den Meister dranhängen. Die 22-Jährige wird ebenfalls irgendwann den Betrieb ihres Vaters übernehmen. Auch sie hat einen Instagram-Kanal.