In ihrem erst 25. Länderspiel wird Janina Minge die DFB-Elf im EM-Viertelfinale aufs Feld führen. Bis 2024 arbeitete sie neben dem Fußball als Polizistin im Streifendienst.
Die vergangenen zwei Jahre hätten für Janina Minge kaum rasanter verlaufen können. Erst im Februar 2023 debütierte sie – damals bereits als gestandene Bundesliga-Spielerin des SC Freiburg – im deutschen Nationalteam. Im Sommer 2024 verließ sie dann den Verein aus dem Breisgau in Richtung VfL Wolfsburg.
Bereits 2015 war Minge zum Sport-Club gekommen. Mit 16 Jahren spielte sie in der Bundesliga für die erste Mannschaft, aus der sie fast zehn Jahre lang nicht wegzudenken war. Von November 2018 bis zu ihrem Abschied im Sommer 2024 verpasste sie kein Ligaspiel – ein kaum vorstellbarer Wert im Profifußball.
Am Samstag (21 Uhr/ZDF) führt Minge die Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Frankreich als Kapitänin aufs Feld – in Vertretung der verletzten Giulia Gwinn, ihrer ehemaligen Teamkollegin beim SC Freiburg. Es ist erst ihr 25. Spiel für die DFB-Elf, in deren Innenverteidigung sie mittlerweile eine feste Größe ist. Daran ändert auch der zuletzt schwache Auftritt der deutschen Hintermannschaft nichts.
Lob von den Kolleginnen
Ihre Teamkolleginnen im Verein und in der Nationalmannschaft sprechen in den höchsten Tönen von der 26-Jährigen, die einen nicht alltäglichen „Fanclub“ hinter sich weiß. Denn auch in ihrer südbadischen Heimat werden die Daumen gedrückt. Im Freiburger Polizeipräsidium verfolgt man das Geschehen bei der Europameisterschaft in der Schweiz ganz genau. Minge ist ausgebildete Polizeimeisterin und wurde früher im Streifendienst eingesetzt.
Erst im Jahr 2024, mit ihrem Wechsel nach Wolfsburg, wurde sie im Rahmen der Spitzensportförderung freigestellt. „Ich habe eine Polizeifamilie. Meine beiden Geschwister und mein Papa sind bei der Polizei. Dadurch wusste ich, dass sich der Beruf sehr gut mit dem Sport vereinbaren lässt, weil es die Spitzensportförderung gibt“, erzählte sie kürzlich der „Bild“.
Parallelen zum Polizei-Job
Im Präsidium ist man „stolz wie Bolle“ auf die sportlichen Erfolge der Polizistin, wie es auf der Facebook-Seite des Polizeipräsidiums heißt. Gleichzeitig nutzt man dort die Plattform, um auf das Thema „Beruf und Profisport“ aufmerksam zu machen: „Für viele Sportlerinnen und Sportler bleibt selbst der Profibereich nicht so rentabel, dass man davon vernünftig leben kann.“
Unter anderem Polizei, Bundeswehr und Zoll bieten daher die Spitzensportförderung an. „Damit solche Talente weiterhin gefördert werden und ein Auskommen auch nach der Karriere sichergestellt ist“, erklärt die Freiburger Polizei.
Schwere Aufgabe gegen Frankreich am Samstag
Für Minge selbst ist die Erfahrung aus dem Streifendienst auch auf dem Fußballfeld ein Vorteil. „Man ist nicht auf sich allein gestellt, das ist mit dem Fußball vergleichbar. Du musst zu 100 Prozent vertrauen können, und alles ist sehr spontan. Man muss seine Dinge durchziehen und sich der klaren Aufgabe bewusst sein“, sagte sie der „Bild“.
Minges Aufgabe am Donnerstag dürfte derweil klar – und nicht einfach – sein: Gemeinsam mit ihren Kolleginnen in der Defensivabteilung muss sie den Angriff von Frankreich in Schach halten, um ins EM-Halbfinale einzuziehen. Nicht nur die Freiburger Polizei drückt Minge und Co. dafür die Daumen.