Im Kinderzimmer ging die Mutter heftig auf zwei Polizisten los. Am Ende wurde sie vor den Augen ihres Kindes in Handschellen gelegt und stand nun deshalb vor dem Amtsgericht Hechingen. Foto: ©studio v-zwoelf_AdobeStock.com

Dem rechtlichen Rat von Verschwörungstheoretikern sollte man besser nicht glauben. Diese Erfahrung hat eine Mutter gemacht, die um das Sorgerecht für ihren achtjährigen Sohn kämpfte. Sie musste nun auf der Anklagebank des Hechinger Amtsgerichts Platz nehmen.

Hechingen - In der Verhandlung war die 32-jährige Frau nahe am Wasser gebaut. Leise Stimme, immer wieder stockt ihre Stimme, Weinkrämpfe. Zu all den Sorgerechtsproblemen, die sie ohnehin hat, kommt nun dieses Verfahren, weil sie Polizisten geschlagen und getreten hat. Zudem filmte sie die Beamten per Handy, und die Aufnahmen landeten auf dubiosen Internetportalen. Angestachelt worden sei sie von einem in Ostdeutschland agierenden Mann, den ihr eine "angebliche Freundin" als Rechtsberater empfohlen habe, berichtet sie. Der Ratgeber kann allerdings keine einschlägige juristische Ausbildung vorweisen, und im Internet wird er der rechten Reichsbürger-Szene zugeordnet.

Im familiären Schlamassel

Die Mutter steckte vor einem Jahr tief in einem familiären Schlamassel. Aus Gründen, die in diesem Fall keine Rolle spielen, hatte das Jugendamt erreicht, dass ich achtjähriger Sohn in eine betreute Wohngruppe umziehen soll. Dazu wurde das Aufenthaltsbestimmungsrecht auf den von ihr getrennt lebenden Kindsvater übertragen. Der ostdeutsche Rechtsexperte versicherte ihr dagegen, dass all diese behördlichen Anordnungen gar nicht rechtmäßig seien, und dass sie die Polizei einfach nicht in ihre Wohnung lassen solle. Dann könne ihr nichts passieren.

Polizist wird gegen Schrank getreten

Ein dummer Rat, wie sich herausstellte, als ein von Polizisten unterstützter Gerichtsvollzieher vor einem Jahr an ihrer Wohnung in Hechingen dann tatsächlich klingelte, um den Jungen gemäß einer richterlichen Entscheidung abzuholen. Die Tür wurde mit einem Nachschlüssel geöffnet, im Kinderzimmer ging sie dann auf die Polizisten los, trat unter anderem einen Beamten so in den Bauch, dass dieser in einen Schrank krachte, schlug andere ins Gesicht, sodass sie am Ende vor ihrem Kind in Handschellen gelegt werden musste.

Handyaufnahmen ohne Einwilligung der Betroffenen ins Internet gestellt

Und – auch das war ihr vom dubiosen Rechtsbeistand empfohlen worden, sie machte Handyaufnahmen, als ihr zuvor die richterliche Anordnung vorgelesen wurde. Die Aufnahmen schickte sie ihrem Rechts-Berater, der diese umgehend auf rechten Internetportalen als Beleg für einen angeblichen Unrechtsstaat veröffentlichte. Ohne Einwilligung der Aufgenommenen dürfen aber solche Aufnahmen niemals veröffentlicht werden.So kamen also einige Straftatbestände zusammen.

Frau distanziert sich von dubiosem Rechtsberater

In der Gerichtsverhandlung zeigte sich die Frau sehr zerknirscht. Der angebliche Rechtsberater habe es geschafft, sie zu manipulieren. Er habe sie in ihrem Gefühl bestärkt, völlig im Recht zu sein. Als sie auf die Beamten losgegangen sei, habe sie Angst um ihr Kind gehabt, sei völlig aufgewühlt gewesen und habe die Kontrolle über sich verloren. Bald nach dem Vorfall habe sie sich von ihm distanziert. In einer Coaching-Ausbildung habe sie sich intensiv mit ihrem eigenen Verhalten auseinandergesetzt und dabei eben auch eigenes Fehlverhalten erkannt. Mittlerweile bereue sie sehr, was damals passiert sei. Eine Reue, die glaubhaft wirkte und ein mildes Urteil ermöglichte.