Franz Alt zeigt sich bei seinem Vortrag in Sulz zuversichtlich: Noch könne das Schlimmste abgewendet werden. Foto: Steinmetz

Der Klimawandel treibt auch Flüchtlinge nach Europa. Da ist sich der Journalist und weitgereiste Buchautor Franz Alt sicher. In der Stadthalle im Sulzer Backsteinbau zeigt er aber auch grundlegende Wege aus der Krise.

Franz Alt ist ein Optimist: Er ist der Meinung, dass der Klimawandel immer noch aufgehalten werden kann. Das ist für ihn gleichzeitig eine Überlebensfrage der Menschheit, wie er bei seinem Vortrag deutlich machte. Betroffen seien bereits jetzt 100 Millionen Menschen durch Hitze, Trockenheit und Hunger. Viele von ihnen flüchteten und kämen nach Europa.

 

„180 Tiere und Pflanzen haben wir ausgerottet. 30 000 Jahre braucht die Natur, um eine neue Spezies zu schaffen. Wir sind die erste Generation, die Gott ins Handwerk pfuscht und Evolution rückwärts spielt“, veranschaulichte er.

Manches stimmt zuversichtlich

Wenn das Eis in Grönland schmelze, dann bedeute das den Untergang von Bangladesch, das drei Meter unterm Meeresspiegel liege. 180 Millionen Menschen lebten dort – die Ärmsten der Armen.

Trotz aller Hiobsbotschaften gibt es für Alt aber auch Nachrichten, die ihn zuversichtlich stimmen, dass das Schlimmste abgewendet werden kann. Beispielsweise die Meldung, dass in Deutschland bereits 60 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen erzeugt werden. „Wir könnten schon weiter sein“, sagte Alt, „die Energiewirtschaft hat jedoch kein Interesse gehabt, dass wir selber produzieren.“

Kohlendioxidausstoß ist ein Kriterium

Energie ist im Überfluss vorhanden. „Die Sonne schickt uns 15 000 Mal mehr Energie als acht Milliarden Menschen brauchen“, erklärte Alt. Das Schöne dabei: Die Sonne stellt keine Rechnung. Solarenergie ist aber nur eine Möglichkeit, den CO2-Ausstoß zu verringern. Das wäre auch dringend nötig, denn je mehr Kohlendioxid ausgestoßen werde, um so heißer werde es auf der Erde. Schon jetzt sei die Durchschnittstemperatur gegenüber vor 180 Jahren um 1,5 Grad höher – „und es wird noch dramatischer“.

Erfolgreichstes Exportgesetz

Um 1990, blickte Alt zurück, befand sich die erneuerbare Energiewirtschaft noch ganz am Anfang. Das änderte sich zehn Jahre später, als der Bundestag das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) beschloss mit finanzieller Unterstützung für die nachhaltige Stromerzeugung. Das sei von vielen anderen Ländern übernommen worden. Alt bezeichnete es als das „erfolgreichste deutsche Exportgesetz“, das die AfD nun wieder abschaffen wolle.

Eine ganze Palette an Alternativen

Unter anderem mit Photovoltaik, Windkraft, Wasser oder Biomasse steht eine ganz Palette an erneuerbaren Energien zur Verfügung. Landwirtschaft unter einem Solardach, Solaranlagen an Autobahnen, begrünte Dächer, ganze Stadtviertel mit Solardächern, architektonisch ansprechbar, großflächige Solaranlagen auf Brachen oder in der Wüste sind für Alt vielversprechende Maßnahmen.

Auf dem Prodium diskutieren Anna Sophie Klaussner (von links), Edwin Glatthaar, Gudrun Wössner, André Amon und Thomas Schlachta mit dem berühmten Gast. Foto: Steinmetz

Zu Lösungen tragen auch gut gedämmte Häuser und nicht zuletzt das E-Auto bei, das mit der Photovoltaikanlage auf dem Haus- oder Garagendach betankt wird. Eine Chance, Strom mit erneuerbaren Energien herzustellen, damit den eigenen Energiebedarf zu decken und sich weiter zu entwickeln, hätten vor allem arme Länder. Nur müssten es die reichen Länder vormachen. Positive Beispiele für die Energiewende sah er bei seinen vielen Reisen. Inzwischen habe jedes Nomadenzelt eine Solaranlage. Somit könnten die jungen Leute fernsehen und die Nomadenkultur erhalten.

„Geld bleibt im Dorf“

Lobend hob Alt die „3-Täler Bürgerenergie“-Genossenschaft in Sulz hervor: „Das ist der richtige Weg.“ Das Motto des alten Raiffeisen, „Geld ist im Dorf und bleibt im Dorf“, müsse man auf die Energiewirtschaft übertragen. Energie sei im Dorf und könne im Dorf genutzt werden.

Dem anderthalbstündigen Vortrag von Franz Alt schloss sich ein von André Amon moderierte Bürgerdialog an. Mit auf dem Podium war Gudrun Wössner, eine Windkraft-Befürworterin. Sie wies darauf hin, dass bei der Verpachtung von städtischen Flächen an Windkraftbetreiber durch die Einnahmen alle Bürger in der Stadt profitierten. Der Klimawandel bewirke, dass Trinkwasser im Boden verloren gehe, sprach Thomas Schlachta eine der Folgeerscheinungen an.

Bewegung in der Speicherfrage

Aus dem Publikum kam die Frage nach Speichermöglichkeiten. Dass sich hier etwas bewegt, bestätigte Franz Alt. Großspeicher würden inzwischen auf der ganzen Welt gebaut, vor allem in China. Durch den Mix an erneuerbaren Energien könnten Dunkel- und Windflauten ebenfalls überbrückt werden. Edwin Glatthar von der „3-Täler-Bürgerenergie“ sagte, dass Stromspeicher auch ein Thema für die Genossenschaft sein kann.

Junge Generation hat Bedenken

Anna Sophie Klaussner zeigte auf, welche Bedenken die jungen Generation bei erneuerbaren Energien hat. Das seien die Kosten für Solaranlagen, man warte auch lieber noch zehn Jahre, bis es technische bessere Produkte gebe, Befürchtet werde Naturzerstörung durch Windkraftanlagen. Und überhaupt: Wem soll bei so vielen Initiativen pro und contra Wind geglaubt werden?