Für die Weihnachtsfeier sind die „fremdgegangen“, doch jeden ersten Montag im Monat trifft sich der Frankenstammtisch Zollernalb in Laufen in der Pizzeria Sardegna. Foto: Karina Eyrich

Sie haben sich nicht nur über die Coronavirus-Pandemie gerettet, sondern sind sogar gewachsen: Der Frankenstammtisch Zollernalb trifft sich jeden ersten Montag im Monat.

Was in Mössingen geht, geht im Zollernalbkreis auch: Das hatte sich 2019 Pastor Walther Seiler von der evangelisch-methodistischen Kirche in Albstadt, gedacht: Zusammen mit einer unterfränkischen Landsfrau gründete der gebürtige Ansbacher aus Mittelfranken den „Frankenstammtisch Zollernalb“, der sich anfangs in „Josis Klause“ in Ebingen traf.

 

Nicht nur zum Reden und gemeinsamen Essen: Bei jedem Treffen stellte ein Teilnehmer seine Heimat vor, zeigte Bilder, sprach über Sehenswürdigkeiten und Gepflogenheiten. Und schnell war klar: Jemand musste die Zügel in die Hand nehmen, die Kontaktdaten hüten, alles koordinieren. Zwar trifft sich der Frankenstammtisch Zollernalb jeden ersten Montag im Monat um 18.30 Uhr, doch Termine außer der Reihe gab es eben auch, etwas das legendäre Schäufele-Essen mit Klößen im Café Catrina in Dürrwangen und das leckere Abendessen mit fränkischen Bratwürsten, eigens aus Wunsiedel geliefert, in Balingen.

Das prälabiale Waffel-L ist charakteristisch

Inzwischen treffen sich die Ober-, Mittel- und Unterfranken – Erstere machen den Löwenanteil aus – in der Pizzeria „Sardegna“ in Laufen, die etwas zentraler im Zollernalbkreis liegt, auf den die Teilnehmer wohnsitztechnisch verteilt sind. Außerdem gibt es dort ein Nebenzimmer, in dem die Franken unter sich sind und ihren charakteristischen Zungenschlag pflegen können. Mit dem „prälabialen Waffel-L“, wie Pastor Seiler es nannte – jenes L, bei dem die Zunge an die Schneidezähne stößt.

Die Bundeswehr hat sie in den Süden gebracht

Warum gibt es so viele Franken im Zollernalbkreis? „Etliche sind durch die Bundeswehr einst nach Meßstetten gekommen“, erklärt Ute Bächer-Stefani, die zum Stammtisch einlädt, die Presse informiert, die Fäden in der Hand hält, wofür ihr Rita Bensch im Namen aller in Jungingen einen Blumenstrauß überreichte – zur Weihnachtsfeier waren die Franken im dortigen Hotel Hirsch zu Gast.

Rita Bensch (rechts) überreichte Ute Bächer-Stefani , der Organisatorin des Frankenstammtischs, Blumen zum Dank. Foto: Karina Eyrich

„Wir Hechinger hätten es näher nach Mössingen“, sagt Rita Bensch, „aber den dortigen Frankenstammtisch gibt es schon 25 Jahre, und es ist etwas Anderes, in ein festes Team zu kommen, die schon so lange zusammen sind. Wir Franken hier im Zollernalbkreis haben uns alle neu gefunden.“

Schöner Nebeneffekt: Neue Freundschaften

Tatsächlich sind im Lauf der fast sieben Jahren, in denen es den Frankenstammtisch Zollernalb schon gibt, auch persönliche Freundschaften zwischen Teilnehmern entstanden, die sich auch außerhalb des ersten Montags im Monat sehen, gemeinsame Ausflüge machen. Einen gemeinsamen Ausflug nach Würzburg, die unterfränkische Hauptstadt, hatten die Franken auch einmal geplant. „Aber nur vier Personen hatten sich angemeldet“, berichtet Ute Bächer-Stefani. Pastor Seiler habe außerdem immer den Wunsch gehabt, die Gruppe auf einer Israel-Reise zu führen. Auch das fiel ins Wasser.

„Mama, hier ist niemand deutsch. Die sind alle schwäbisch!“

Froh sind die Franken aber, dass der Frankenstammtisch die Coronavirus-Pandemie überstanden hat, während der sich die Franken in kleineren Kreisen trafen. „Dann haben wir’s wieder aufgepäppelt“, sagt Ute Bächer-Stefani: 23 gehören inzwischen zur Stammbesetzung – Neuzugänge seien „jederzeit herzlich willkommen“. Auch solche, die nicht mehr Fränkisch sprechen, wie eine Fränkin, die mit elf Jahren ins Rheinland zog und sich den Zungenschlag abtrainierte. „Nur das rollende R ist geblieben“, berichtet sie lachend, „und als meine Tochter in Laufen in den Kindergarten kam, sagte sie: ‚Mama, hier ist niemand deutsch. Sie sind alle schwäbisch!‘ Aber hier sind wir alle mehrsprachig!“