U-21-Trainer Frank Fahrenhorst (li.) und Thomas Krücken (Direktor Sport Nachwuchs) hoffen auf viele künftige Bundesligaspieler aus dem eigenen Lager. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Frank Fahrenhorst kommt sich nach einem knappen Drittel der Regionalligasaison vor, wie in einer Achterbahn – für sein Team geht es ständig auf und ab. Der Trainer des VfB Stuttgart II sagt in seinem Zwischenfazit, woran das liegt.

Stuttgart - An diesem Sonntag (14 Uhr/Platz 1) empfängt der VfB Stuttgart II in der Fußball-Regionalliga die SG Sonnenhof Großaspach zum Nachbarschaftsduell. Trainer Frank Fahrenhorst nennt die Gründe, warum er mit dem Abschneiden seiner Mannschaft bisher nicht zufrieden ist.

 

Herr Fahrenhorst, knapp ein Drittel der Regionalligasaison ist vorüber. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Ich bin nicht hundertprozentig zufrieden, weil wir zu wenig Punkte haben.

Woran liegt es?

Wir haben nicht die nötige Konstanz auf den Platz gebracht, was natürlich auch an unserem sehr großen Verletzungspech liegt. In zwölf Saisonspielen konnten wir nur zweimal mit der gleichen Aufstellung auflaufen. Was aber keine Ausrede sein soll.

Zumal Sie selbst nicht nur einmal kritisiert haben, dass Ihr Team die nötigen Grundtugenden nicht abruft.

Das stimmt. Es gab solche Spiele, in denen die Grundvoraussetzungen fehlten, die ein Spieler braucht, um Profi werden zu wollen. Da waren wir zu passiv, zu überheblich, zu emotionslos.

Wie erklären Sie sich das?

Vielleicht steckt irgendwo im Unterbewusstsein die Vorstellung drin, dass das Talent ausreicht. Vielleicht hat der eine oder andere Spieler im Hinterkopf, dass man nicht immer 100 Prozent abrufen muss. Doch ohne diese 100 Prozent in jedem Training, in jedem Spiel funktioniert es nicht.

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Nach dem Motto Mentalität schlägt Qualität?

Auf jeden Fall schlägt Mentalität Qualität. Ich selbst bin das beste Beispiel. Ich habe um die 400 Spiele in der Bundesliga, zweiten Liga, dritten Liga machen dürfen. Zweimal habe ich auch in der A-Nationalmannschaft den Adler auf der Brust getragen. Andere Spieler hatten viel mehr Talent als ich, aber sind nie so weit gekommen.

Haben Sie das Ihren Spielern vermittelt?

Ich sage Ihnen immer wieder, dass es auf dem harten Weg nach oben auf Kleinigkeiten ankommt. Ich lebe das tagtäglich vor, auch ich will mich tagtäglich verbessern. Gut ist nicht gut genug, so lange es besser geht. Im Übrigen macht das ein Cristiano Ronaldo auf allerhöchstem Niveau nicht anders. Er arbeitet jeden Tag sehr hart, nur um sein Niveau zu halten.

Fehlt ein Vollprofi wie Ex-Nationalspieler Holger Badstuber, der diese Attribute in Ihrem Team vergangene Saison vorlebte.

Er hat sehr, sehr hohe Ansprüche – zu allererst an sich selbst. Ja, vielleicht ist das Fehlen von Holger ein Faktor. Aber ich bin kein Tagträumer, ich lebe in der Realität, und wir haben ja auch im aktuellen Team Führungsspieler wie Sven Schipplock, die Tugenden vorleben, nur war eben auch er wochenlang verletzt.

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Sie haben aber nicht nur Schipplock, sie haben auch Richard Weil und Marc Stein.

Aber auch sie kamen aus einer Verletzungspause. Grundsätzlich muss es natürlich der Antrieb der Führungsspieler sein, ihre Rolle in jedem Training vorzuleben. Keiner der Routiniers darf hier den Eindruck erwecken, seine Karriere auslaufen zu lassen. Sie sind deutlich gefordert, schon die Körpersprache ist ein wichtiger Indikator.

Ihr Team hat zu Hause vier Punkte geholt, auswärts zwölf. Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz?

Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, ich habe nur eine Vermutung. Wenn wir daheim spielen, stellen sich die Gegner verstärkt hinten rein, da tut sich meine Mannschaft schwer.

Bleiben Sie bei Ihrem Saisonziel Top Sechs?

Wir stehen aktuell auf Tabellenplatz zehn, haben fünf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz, zu Platz sechs sind es gerade mal drei Punkte Rückstand. Die Top Fünf mit dem TSV Steinbach Haiger, dem SSV Ulm 1846, der SV Elversberg, Kickers Offenbach und dem Überraschungsteam FSV Mainz 05 II kristallisieren sich heraus. Doch dahinter ist alles offen. Warum sollte ich von dem Ziel Top Sechs abrücken. Die Mannschaft hat das Potenzial und will das schon am Sonntag zeigen.

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Es geht gegen die SG Sonnenhof Großaspach.

Es ist ein Nachbarschaftsduell gegen einen Gegner, der zuletzt fünfmal in Serie nicht gewonnen hat. Das ist ein kleiner psychologischer Vorteil für uns. Aber entscheidend sind andere Dinge.

Das Abrufen der Grundtugenden Ihrer Mannschaft.

Exakt, so ist es.