Frank Fahrenhorst steht vor den herausforderndsten Wochen seiner Trainerlaufbahn. Wie immer soll er Talente fördern und nebenbei den Regionalligisten VfB Stuttgart II vor dem Abstieg retten. Geht beides?
Stuttgart - Frank Fahrenhorst ist ein Typ, der immer gewinnen will. Egal, ob er als Trainer beim Fußball-Regionalligisten VfB Stuttgart II an der Seitenlinie steht, oder daheim mit der Familie Karten spielt: „Auch beim Mau-Mau mit meinen Kindern will ich das Spiel für mich entscheiden“, verrät der 44-Jährige. Diese Siegermentalität will er auch auf seine Spieler übertragen. An diesem Samstag (14 Uhr) geht es in der vierten Liga mit dem Heimspiel gegen den Tabellenzweiten 1. FSV Mainz 05 II weiter. Es ist der 24. von 38 Spieltagen und Fahrenhorst weiß, dass bis zum Saisonfinale am 14. Mai harte Wochen auf ihn und sein Team warten. „Es wird extremer als vergangene Runde, noch herausfordernder“, sagt der Coach. Wahrscheinlich so herausfordernd wie noch nie in seiner Karrierekarriere, die ihn nach acht Jahren in der Knappenschmiede bei Schalke 04 2020 an den Neckar führte.
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Dort zeigte der Trend in der U21 vor der Winterpause nach unten. Aus den letzten 13 Spielen 2021 gab es nur einen Sieg. Das Team steht auf Platz 14. Es geht gegen den Abstieg. Fahrenhorst muss Talente ausbilden, entwickeln – und eben auch Ergebnisse liefern. „Daran werden wir am Ende des Tages gemessen“, weiß er selbst. Werden solch heikle Missionen erfolgreich gemeistert,kann das allen Beteiligten einen Schub verleihen. „Wer bereit ist Widerstände anzunehmen und mit Drucksituationen klar kommt, der profitiert von diesen Herausforderungen. Denn so etwas lässt sich nicht am Reißbrett erlernen“, sagt der frühere Bundesligaprofi.
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Was die Aufgabe nicht einfacher macht, sind vor allem drei Abgänge: Mit dem erfahrenen Marc Stein (36/als Sportlicher Leiter zu den Stuttgarter Kickers) und dem kopfballstarken 1,96-m-Riesen Matej Maglica brachen zwei Innenverteidiger weg. Der 23-Jährige wurde bis Saisonende an den FC St. Gallen verliehen. Der von Peter Zeidler trainierte Schweizer Erstligist besitzt eine Kaufoption, der VfB allerdings auch eine Rückkaufmöglichkeit. Stürmer Alou Kuol (sieben Saisontore) wurde an Zweitligist SV Sandhausen ausgeliehen. Der Abgang erhöht nicht gerade die Wahrscheinlichkeit, den Klassenverbleib zu schaffen, für den VfB stand aber die Entwicklung des 20-Jährigen im Vordergrund. „Wir haben das in verschiedenen Gremien gemeinsam so entschieden“, erklärte Fahrenhorst.
Wer ersetzt Kuol?
Der Verlust des Australiers mit Wurzeln im Südsudan soll von mehreren Neuzugängen kompensiert werden: Stürmer Noah Ganaus (21) kehrt vom Oberligisten SSV Reutlingen zum VfB zurück. Der türkische U-21-Nationalspieler Erkan Eyibil (20) kommt von Antalyaspor und ist im offensiven Mittelfeld zu Hause. Rilind Hetemi (18) spielte bisher für den Nachwuchs von Borussia Dortmund, er ist im Mittelfeld flexibel einsetzbar. Das gleiche gilt für Luis Coordes (23), der vom Regionalligisten FC St. Pauli II verpflichtet wurde. Hinzu kommt der zentrale Mittelfeldmann Jeremy Landu – der 20-Jährige war bisher für Standard Lüttich in Belgien aktiv.
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Aus den Wechselspielen lässt sich eine klare Tendenz zur Stärkung der Offensive ableiten. Als Innenverteidiger stehen nur Jakov Suver, Dominik Nothnagel und Luca Bazzoli zur Verfügung, der allerdings genauso wie Ekin Celebi beim Auftakt gegen Mainz 05 II wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt fehlt. „Wir haben in der Hinrunde viele ordentliche Spiele gemacht, aber einfach zu wenig Tore erzielt“, verteidigt Fahrenhorst den Personalkurs – und ergänzt mit Blick auf den Engpass Abwehr: „Auch Falko Michel und Richard Weil können in der Defensive aushelfen.“ Ob das reicht, um drin zu bleiben, wird sich zeigen? Ausbilden, entwickeln, Ergebnisse liefern – Frank Fahrenhorst wird sich der Herausforderung stellen.