Seine Karriere hat Musiker Frank Dupree schon an viele Orte auf der Welt geführt – auch schon nach St. Georgen zum Bergstadtsommer, wo er stets gerne zu Gast ist. Dieses Jahr ist er ebenfalls mit von der Partie. Im Gepäck hat er etwas Besonderes.
Sein Debüt mit dem London Symphony Orchestra, einem der Top-Orchester der Welt steht für Frank Dupree im Dezember an. Ein absoluter Jahreshöhepunkt, wie er sagt. Doch zunächst kommt er in den Schwarzwald – für ein anderes Glanzlicht: Am Freitag, 6., und Samstag, 7. September, steht Dupree beim Bergstadtsommer auf der Bühne. Im Interview verrät er, was die Besucher der beiden Abschlusskonzert erwartet, warum er immer wieder gerne zum Festival kommt und welcher Geburtstag gefeiert wird.
Herr Dupree, Ihre musikalische Karriere hat Sie schon an viele Orte geführt. Am Freitag spielen Sie nun in St. Georgen, am Samstag in Villingen. Wie kam es zu dem Engagement beim Bergstadtsommer?
Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass ich beim Bergstadtsommer spiele, sondern schon das dritte oder vierte Mal. Das liegt daran, dass der Schwager von Festivalleiter Karsten Dönneweg, Meinhard „Obi“ Jenne, der Schlagzeuger in meinem Jazz-Trio ist. Daher kenne ich die ganze Großfamilie Dönneweg schon länger. Und wenn man in einem Trio gemeinsam spielt, gehört man quasi zur Großfamilie dazu. Wir hören immer wieder voneinander – persönlich und musikalisch.
Sie sind also schon zum wiederholten Male dabei. Daraus schließe ich: Es scheint nicht unbedingt unangenehm zu sein, beim Bergstadtsommer zu spielen.
Nein, auf keinen Fall. Ganz im Gegenteil: Ich komme aus der Nähe, nämlich aus Rastatt, und liebe den Schwarzwald. Deshalb bin ich immer wieder sehr gerne vor Ort. Im Orchester sind viele bekannte Gesichter dabei, mit denen ich zusammen bereits in unterschiedlichen Orchestern in Baden-Württemberg und der Region gespielt habe. Ich freue mich jetzt schon darauf, sie in St. Georgen – und diesmal auch in Villingen – wiedersehen und mit ihnen musizieren zu können.
Sie sprechen die beiden Orte, an denen die Abschlusskonzerte des Bergstadtsommers gespielt werden, bereits an. Was erwartet die Besucher da?
Zum einen wird im zweiten Teil wird Dvoraks neunte Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ gespielt. Zum anderen bekommen die Besucher davor zwei Stücke zu hören, bei denen ich als Solist mitwirke und sie beide voller Jazz sind. Los geht es mit Nikolai Kapustin, einem eher unbekannten Komponisten. Er ist in der Ukraine geboren und leider 2020 an Corona verstorben. Ich widme mich seinem Werk gerade verstärkt, weil wir aktuell sämtliche Klavierkonzerte von Kapustin aufnehmen. Drei CDs sind bereits erschienen – die vierte erscheint im November. Kapustin hat Jazz und Klassik miteinander kombiniert – und das auf allerhöchstem Niveau. Das bedeutet auch, dass mein Solopart in diesem vierten Klavierkonzert von Kapustin außerordentlich schwierig ist. Und Obi Jenne wird als Co-Solist den wichtigen Schlagzeug-Part übernehmen. Zusammen heizen wir das Orchester so richtig an.
Was folgt dann als zweites Stück mit Ihrer Beteiligung?
Das ist George Gershwins Rhapsody in Blue. Sie ist sehr viel bekannter und ein echter Publikumsliebling. Sie war im Prinzip das Paradebeispiel, wie Klassik und Jazz miteinander zu kombinieren sind – und zwar schon 1924, also genau vor hundert Jahren. Jetzt feiern wir sozusagen den 100. Geburtstag der Rhapsody in Blue.
Die Kombination aus Jazz und Klassik – ist sie das verbindende Element beim Programm der Konzerte in St. Georgen und Villingen?
Ja – aber nur zum Teil. Auch Amerika steht im Fokus. Denn bei der neunten Sinfonie wurde Dvorak als tschechischer Komponist nach Amerika eingeladen, um amerikanische Musik zu komponieren. Kapustin, der in der Ukraine geboren ist und später in Moskau gelebt hat, schrieb wiederum amerikanischen Jazz in klassischer Form. Und dann haben wir die Rhapsody in Blue als Highlight, als das große amerikanische Werk, das von einem Kind russischer Einwanderer nach Amerika geschrieben wurde. Letztendlich geht es für mich darum: Wir sind alle auf einer Welt, machen gemeinsam Musik – mit sämtlichen Einflüssen, die es gibt. Da ist erst einmal unwichtig, woher wir kommen.
Apropos gemeinsames Musizieren. Wie sind Sie eigentlich zur Musik gekommen?
Ich habe als kleiner Schlagzeuger angefangen. Mit drei oder vier Jahren habe ich auf allem, was ich finden konnte, herumgetrommelt. Ein halbes Jahr später habe ich angefangen, Klavier zu spielen. Durch das Schlagzeug, das sich aber mehr zum Hobby entwickelt hat, bin ich auch zum Jazz gekommen. Von Haus aus bin ich klassisch ausgebildeter Pianist, außerdem Dirigent. Ich versuche, ein Allround-Musiker zu sein – und hoffe, ich bin es auch. Jedenfalls fühle ich mich in jeder Rolle zuhause – mal als Solist, mal als Dirigent, mal im Trio.
Für die Konzerte beim Bergstadtsommer rücken Sie als Teil Ihres Jazz-Trios an. Was zeichnet dieses aus?
Zum Frank Dupree Trio gehören neben mir noch Obi Jenne am Schlagzeug und Jakob Krupp am Kontrabass. Unsere Besetzung ist die eines klassischen Jazz-Trios. In unseren Programmen bewegen wir uns gerne zwischen den Welten, manchmal mehr in der Klassik, dann wiederum voll im Jazz, oder eben genau in der Mitte, wo Jazz und Klassik sich gegenseitig beeinflussen. Beim Bergstadtsommer spielen wir die Rhapsody in Blue in unserer eigenen Fassung für Jazz-Trio und Orchester. Wir bringen also noch etwas mehr Jazz und Groove hinein. Wobei das natürlich sowieso drinsteckt – das Schlagzeug und der Bass heben dieses Jazz-Feeling noch deutlicher hervor.
Das hört sich nach einer guten Gelegenheit an, die Rhapsody in Blue noch einmal neu zu entdecken, auch wenn man sie bereits kennt.
Ganz bestimmt! Wer die Rhapsody in Blue schon kennt, wird nicht enttäuscht sein, denn ich werde jede Note spielen, die von Gershwin komponiert ist. Und eventuell kommen bei der einen oder anderen Improvisation noch ein paar Töne hinzu. Wer die Rhapsody in Blue noch nicht kennt, wird überrascht sein, wie ein klassisches Orchester grooven kann. Egal, ob man sie kennt, oder nicht – ein Besuch lohnt sich auf alle Fälle.