Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Der FDP-Landtagsabgeordnete Frank Bonath kandidiert als Landrat. Warum es ihn nach Rottweil zieht, und erste Stimmen aus dem Kreistag.
Nach 24 Jahren mit Wolf-Rüdiger Michel wählt der Rottweiler Kreistag am 23. März 2026 einen neuen Landrat. Vor zwei Wochen hat die Bewerbungsfrist begonnen. Jetzt steht fest: Frank Bonath (53) aus Villingen-Schwenningen hat seinen Hut in den Ring geworfen und ist damit der erste öffentlich bekannte Anwärter auf den Landratsposten.
Seit Wolf-Rüdiger Michel seinen Ruhestand angekündigt hat, wird mit Spannung erwartet, wer seine Nachfolge antreten will. Die Kreistagsfraktionen wünschen sich, wie wir auf Nachfrage erfuhren, jemanden mit innovativen Ideen, Fachkenntnis und Führungskompetenz, der anpackt, offen und empathisch ist, klar kommuniziert und soziale wie auch ökonomische und ökologische Kompetenz mitbringt.
Ist Frank Bonath so jemand? Ende September hatte er erklärt, er werde für die Landtagswahl 2026 nicht mehr kandidieren, und damit die Gerüchteküche im Schwarzwald-Baar-Kreis angeheizt. Sein Mandat läuft noch bis zum 30. April 2026. Wir fragen nach, warum er nun Landrat in Rottweil werden will.
Vertraut und doch von außen
Die Stelle reize ihn unter anderem aufgrund der Themenvielfalt, erklärt er uns. Der Kreis Rottweil stehe als starker Industrie- und Wirtschaftsraum und zugleich ländlicher Raum gut da. Als Teil der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg habe es immer wieder Berührungspunkte gegeben. Der Landkreis Rottweil sei ihm also vertraut, und doch komme er von außen. Das könne sich als gute Kombination erweisen, deutet er an.
Als finanzpolitischer Sprecher für seine Fraktion im Landtag sei er mit vielen Landkreisen im Gespräch und wisse um die gewaltigen, vor allem finanziellen, Herausforderungen, auf die alle zusteuern. Mit steigenden Sozialausgaben und sinkenden Steuereinnahmen müsse erste Priorität haben, dass sich der Landkreis als starker Wirtschaftsstandort behaupte.
Ein großes Thema seien auch staatliche Reformen, die im Landkreis zu Veränderungen führen werden. Diese zu begleiten und zu managen sei spannend, meint Bonath, der erklärt, er habe sich 25 Jahre über den Themen Digitalisierung und Veränderungsmanagement gewidmet.
„Verwaltung vor Ort muss funktionieren“
An der Rolle des Landrats gefalle ihm die Kombination aus operativem Management und Kommunalpolitik, und dass man gleichzeitig ein Scharnier zu Landespolitik bilde. Wichtig sei vor allem eins: „Die Verwaltung vor Ort muss funktionieren“. Auf diese Weise könne man einen Beitrag zum Vertrauen in den Staat und damit auch in die Demokratie leisten.
Wichtig ist Frank Bonath auch die Überparteilichkeit, wie er im Gespräch betont. „Ich sehe mich als Brückenbauer, dem ein Interessensausgleich wichtig ist.“ Er biete sich als „Integrationsfigur“ an.
Und wie schätzt er seine Chancen im Rennen um den Posten als Landrat ein? Bislang ist er der Einzige, dessen Kandidatur öffentlich ist. In einer Demokratie sei es gut, Möglichkeiten zur Auswahl zu haben, meint Bonath generell. Er mache ein Angebot mit seiner Qualität, seiner Erfahrung und seiner Persönlichkeit und werfe finanzielles Know-How in die Waagschale. Am Ende komme es, wie es komme.
Das sagen die Fraktionen im Kreistag
Wir fragen bei den Kreistagsfraktionen nach: Wie bewerten Sie die Bewerbung des FDP-Landtagsabgeordneten? Während sich FWV und Grüne/ÖDP nicht zu einzelnen Kandidaten äußern wollen – „wir begrüßen jede Kandidatin und jeden Kandidaten aus dem demokratischen Spektrum und freuen uns auf einen heißen aber fairen, respektvollen und inhaltlich starken Wettstreit um die besten Ideen für die Zukunft unseres Landkreises Rottweil“, meint Sonja Rajsp-Lauer (Grüne) – erklärt Marcus Türk für die CDU-Fraktion: „Es ist schön, dass nun die erste Bewerbung für den Posten des Landrats eingegangen ist. Als Mitglied des Kreistags hoffe ich aber auf weitere qualifizierte Bewerbungen, so dass wir eine möglichst gute Auswahl für diese wichtige Position haben.“
„Gute Voraussetzungen“
Berthold Kammerer (SPD) befindet indes: „Herr Bonath ist ein interessanter Bewerber mit ausgeprägter wirtschaftlicher Kompetenz und langjähriger Erfahrung in Kommunal- und Landespolitik. Beides gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit.“
Und FDP-Fraktionssprecher Dieter Kleinmann teilt mit: „Herr Frank Bonath ist ein erfahrener Kommunalpolitiker (Gemeinderat, Kreistag), als Finanzwirt und durch seine langjährige berufliche Tätigkeit in der Beratung von Unternehmen in Sachen Finanzen ein Garant für eine kompetente und solide Haushaltsgestaltung, kreativ und innovativ denkend gegenüber neuen Herausforderungen.“
Von der AfD-Fraktion ist bis Ablauf der von unserer Redaktion gesetzten Frist kein Statement eingegangen.
Zur Person
Frank Bonath
Der 53-jährige Landratskandidat für Rottweil ist geboren am 24. März 1972 in Villingen-Schwenningen und seit 2021 Landtagsabgeordneter der FDP für den Wahlkreis Villingen-Schwenningen. Nach dem Abitur studierte er Volkswirtschaftslehre in Konstanz und Freiburg und arbeitete anschließend in leitenden Positionen in der IT- und Beratungsbranche. Politisch engagiert sich seit vielen Jahren für die FDP. Seit 2014 gehört er dem Gemeinderat von Villingen-Schwenningen an und leitet dort die FDP-Fraktion. Zudem ist er Fraktionsvorsitzender im Kreistag des Schwarzwald-Baar-Kreises. Im Landtag Baden-Württembergs ist Bonath Sprecher für Energie, Umwelt und Liegenschaften. Er setzt sich besonders für marktwirtschaftlichen Klimaschutz und solide Finanzpolitik ein. Bonath ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Seine Hobbies sind neben seiner Familie Reisen, Outdooraktivitäten, Alpinsport sowie Wanderungen.