Der CDU-Landtagsabgeordnete Guido Wolf (links) diskutiert mit Karam Fanari (rechts), Schülersprecher am Donaueschinger Fürstenberg-Gymnasium. Weitere Gäste verfolgen das Gespräch. Foto: Denise Kley

Migration, Bildung, Wohnraum und Gesundheit sind Schwerpunkte, über die beim Stammtisch im Kulturbahnhof engagiert diskutiert wird.

Einmal bei einem kühlen Getränk mit den Landtagswahl-Kandidaten des Wahlkreises Donaueschingen-Tuttlingen plaudern und ihnen ganz direkt und unverblümt Fragen stellen – genau das konnten Bürger bei der Veranstaltung „Auf ein Schorle mit...“ im Kulturbahnhof in Donaueschingen am Mittwoch, 4. Februar.

 

Der Abend wurde vom Kulturbahnhof, dem Mehrgenerationenhaus und dem Katholischen Bildungszentrum organisiert.

Das Konzept ist einfach: Die Kandidaten setzen sich jeweils an einen Tisch, Gäste und Interessierte können sich dann einfach dazusetzen und die Kandidaten mit Fragen löchern.

Guido Wolf (CDU)

Am Tisch von Kandidat Guido Wolf geht es richtig zur Sache: Er muss sich kritischen Fragen zur strengen CDU-Asylpolitik stellen. Karam Fanari, Schülersprecher am Fürstenberg-Gymnasium, ist selbst mit seiner Familie vor elf Jahren von Syrien hierher geflüchtet. Er will wissen, weshalb die CDU aus seiner Sicht einen ähnlich strikten Migrationskurs wie die AfD verfolgt.

Christiane Fichter von Volt (links) diskutiert in Donaueschingen mit Martin Lienhard (Mitte). Foto: Denise Kley

Wolf stellt klar: „Die AfD hetzt gegen Menschen und spielt Teile der Gesellschaft gegeneinander aus. Die CDU hingegen spricht sich für eine stärkere Kontrolle aus: Wir wollen den Migrationszustrom drosseln und genau prüfen, wer ins Land kommt.“ Man sei in der CDU per se nicht gegen Migration – jedoch wolle man verhindern, dass die deutschen Sozialsysteme ausgenutzt werden. Zumal die Unterbringung der Neuankömmlinge die Länder und Kommunen vor erhebliche Herausforderungen stelle, so Wolf.

Niko Reith (FDP)

Niko Reith (FDP) diskutiert indes mit der 19-jährigen Schülerin Bettina Schwab. Sie wird am Sonntag, 8. März, zum ersten Mal ihre Stimme bei einer Landtagswahl abgeben. „Was macht denn die FDP, um Jugendliche zu erreichen?“, so ihre Frage. Reith erläutert, dass es essenziell wichtig sei, dass Jugendliche frühzeitig politisch gebildet werden. „Wir müssen Formate schaffen, damit wir in den Austausch mit euch Jugendlichen kommen. Das funktioniert nun mal vermehrt über die sozialen Medien.“

Christine Treublut geht bei der Landtagswahl für die SPD im Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen ins Rennen. Foto: Denise Kley

Schwab möchte zudem wissen, wie Reith zu einer Frauenquote steht, damit die Politik nicht überwiegend von Männern gestaltet wird und Chancengleichheit herrsche. „Ich bin gegen eine Frauenquote – denn dann müssen sich die Frauen vorwerfen lassen, dass sie Quoten-Frauen sind und in ihrer Position nicht aufgrund ihrer Kompetenz sind“, so Reith, der selbst Vater von zwei Töchtern ist. Stattdessen müsse man aktiv dafür sorgen, dass sich Frauen in die Politik trauen. „Es braucht Women Empowerment“, so Reith – also weibliche Selbstermächtigung.

Alexandra Herrmann (Linke)

Alexandra Herrmann, Kandidatin der Linken, diskutiert mit einer Gruppe über Belange von Patienten. „Es braucht eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung“, so Herrmann. Dazu gehören aus ihrer Sicht auch der Weiterbetrieb von Notaufnahmen, auch wenn sich der Betrieb wirtschaftlich nicht rentiere. Denn wenn diese Notaufnahmen, wie es auch dem Donaueschinger Klinikum droht, geschlossen werden, sei nicht gewährleistet, dass Bürger optimal versorgt werden.

Bettina Schwab ist 19 Jahre alt. Sie darf am 8. März zum ersten Mal zur Landtagswahl. Foto: Denise Kley

Ihr wird die Frage gestellt, mit welchem Wahlergebnis sie zufrieden wäre. „Acht Prozent wären für die Linken in Baden-Württemberg ein großer Erfolg“, so Herrmann. Sie selbst hat keinen Listenplatz. Das heißt, sie wird – egal, bei welchem Wahlergebnis – nicht in den Landtag kommen. Was die Frage aufwirft: Woher kommt dann ihre Motivation, Wahlkampf für die Linken zu betreiben? „Demokratie lebt davon, dass man sich einbringt, mit den Menschen ins Gespräch kommt, den politischen Diskurs sucht“, so ihre Überzeugung.

Christiane Fichter (Volt)

Christiane Fichter geht für die Partei Volt ins Rennen. Sie ist 29 Jahre alt und wohnt in St. Georgen im Schwarzwald. Sie arbeitet als kaufmännische Fachangestellte im Büro einer Kunststoffspritzerei. Sie diskutiert mit Bürgern unter anderem zum Thema Bildung. Fichter ist der Ansicht: Es braucht eine grundsätzliche Reform des Bildungswesens. „Schulen sollen zu Lernhäusern werden – ohne Frontalunterricht, sondern mit individuellen und interessenbezogenen Lehrplänen.“ Flexible, barrierefreie und moderne Lernräume sollen geschaffen werden. Elke Müller, Lehrerin an der Kaufmännischen und hauswirtschaftlichen Schule in Donaueschingen, hält diese Idee zwar grundsätzlich für gut. „Aber das ist schwierig umzusetzen, denn im Bildungsbereich gehen Veränderungen nicht so schnell voran“, ist ihre Erfahrung.

Jens Metzger (Grüne)

Jens Metzger, Kandidat der Grünen, tauscht sich an seinem Tisch mit Bürgern unter anderem zum Thema Wohnungsnot, hohen Baukosten und steigenden Mieten aus. „Wir müssen mehr sozialen und bezahlbaren Wohnraum schaffen“, lautet seine Zielsetzung. Und wie soll das funktionieren? „Das Land soll unter anderem mit seiner eigenen Wohnungsbaugesellschaft gezielt Wohnungen von privaten Unternehmen zurückkaufen.“ Ein Förderprogramm solle außerdem den Städten und Gemeinden helfen, selbst Wohnraum zu erwerben. Dafür müssten Land, kommunale Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften eng zusammenarbeiten.

Christine Treublut (SPD)

Auch am Tisch von Christine Treublut (SPD) ist das Thema Wohnen präsent. „Auch Normal- und Geringverdiener müssen sich Wohnraum noch leisten können“, sagt Treublut. Ihre Beobachtung: Besonders in Tuttlingen, ihrem Wohnort, sei es die vergangenen Jahre immer schwieriger geworden, Wohnraum zu finden. Zudem sorgt sich die Lehrerin um die Zukunft der Werkrealschulen: Der Werkrealschulabschluss wird zum Schuljahr 2029/2030 wegfallen. Die Werkrealschulen haben drei Möglichkeiten. Entweder sie schließen sich mit einer Realschule zu einer Verbundrealschule zusammen oder sie werden zu einer Gemeinschaftsschule. Gut laufende Werkrealschulen dürfen auch allein bestehen bleiben. „Hier muss mit Blick in die Zukunft eine Lösung gefunden werden“, fordert Treublut.

Wahlforum

Am Mittwoch, 25. Februar,
findet eine Landtagswahl-Podiumsdiskussion in der Bürgerhalle in Aasen statt. Podiumsteilnehmer sind Kay Rittweg (AfD), Guido Wolf (CDU), Jens Metzger (Grüne), Niko Reith (FDP) und Christine Treublut (SPD). Beginn ist um 19 Uhr, der Saaleinlass ist um 18.15 Uhr. Der Eintritt ist frei. Reservierungen sind nicht möglich, es gilt freie Platzwahl für bis zu 400 Gäste. Für die Bewirtung sorgt der Musikverein Aasen.