Ein Foto von Nancy Faeser (SPD), geschäftsführende Bundesinnenministerin, ist auf dem neuen Terminal der Bundesdruckerei mit PointID-System zur Beantragung eines Personalausweises im Bürgerbüro zu sehen. Foto: Jan Woitas/dpa

Ab dem 1. Mai dürfen Ämter nur noch digitale Passfotos akzeptieren. Die Änderung stellt Fotostudios in der Region vor praktische und finanzielle Herausforderungen. Ob die neuen Fotos letztendlich besser und sicherer sind, ist dabei noch offen.

Passbilder sollen ab dem 1. Mai besser gegen Manipulation und Fälschung geschützt werden. Fotos für den Personalausweis und den Reisepass können ab dann nur noch von Fotografen, die für das Verfahren zertifiziert sind, digital an die Ämter übermittelt werden. Kunden bekommen lediglich noch einen QR-Code ausgehändigt. Konkurrenz erhalten die Fotografen durch das Aufnahmesystem PointID, das Gemeindeverwaltungen von der Bundesdruckerei zur Verfügung gestellt bekommen. Auch Drogeriemärkte bieten das digitale Passfoto an.

 

In Empfingen hat sich das Fotostudio Bossenmaier dafür entschieden, sich für die neuen digitalen Passfotos zertifizieren zu lassen und sich ein neues Passbildsystem mit eigener Software anzuschaffen. Das Fotostudio kann pünktlich am 1. Mai mit dem neuen Service starten. Doch der Weg dorthin war nicht einfach. Chefin Karin Bossenmaier berichtet unserer Redaktion, wie die Umstellung gelaufen ist: „Das war richtig zäh.“ Seit drei Monaten sei das Fotostudio mit den Firmen in Kontakt gewesen, die die Fotos zertifizieren. Doch die Abwicklung gelingt gerade noch rechtzeitig. Am Montag sagt Bossenmaier unserer Redaktion: „Heute ist die Lizenz gekommen.“

Mit einem neuen Fotosystem und der erteilten Lizenz ist der Aufwand für die Fotografen aber noch nicht erledigt. Bossenmaier erklärt, dass jedes Passfoto einzeln zertifiziert werden muss. Das koste das Fotostudio jedes Mal einen Euro.

Der Preis bleibt gleich

Trotzdem möchte Bossenmaier für die Kunden derzeit nichts am Preis verändern. 15 Euro kosten Passfotos bisher, dabei solle es bleiben. Bossenmaier sieht die Konkurrenz durch Drogeriemärkte, die die digitalen Passfoto ebenfalls anbieten.

Auch in Rottenburg bei Foto Faiß ist die Umstellung gelungen. Das Fotogeschäft hat die Lizenz erhalten und kann die digitalen Passfotos rechtzeitig ab dem 1. Mai anbieten. Foto Faiß werde seine Preise für Passfotos erhöhen. Grund sei die Abgabe, die pro lizenziertem Foto entrichtet werden muss.

Fotografen sehen Probleme

Wie beurteilen die Fotografen abgesehen von der aufwendigen Umstellung die versprochene größere Sicherheit der digitalen Passfotos? Eine Mitarbeiterin bei Foto Faiß äußert sich dazu gegenüber unserer Redaktion kritisch: Problematisch könne es sein, wenn Leute auf dem Foto extrem glänzen oder Streifen zu sehen sind. Denn am Foto selbst dürfen die Fotografen nichts mehr nacharbeiten oder verändern. Als Mittel der Wahl bleiben also nur äußerliche Änderungen. Dazu zähle der Griff zur Puderdose. Doch auch das ist spätestens seit Corona keine einfache Lösung. Aus Hygienegründen bräuchte jeder Kunde ein eigenes Puderdöschen, erklärt die Fotografin die neue Problematik. „Das wird spannend“, sagt sie mit Blick auf die Veränderungen.

Point-ID System in Empfingen

Sowohl in Empfingen als auch in Rottenburg können Bürger aber auch im Bürgerbüro ein digitales Passfoto machen lassen. Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner sagt: „Im Rathaus in Empfingen wird es ein Point-ID System geben. Jedoch verzögert sich die Auslieferung der Geräte und wir warten aktuell darauf. Trotzdem sind digitale Lichtbilder möglich.“ Die Gemeinde habe gemeinsam mit dem ortsansässigen Fotostudio entschieden, ein Point-ID System bei der Bundesdruckerei zu bestellen, sagt Truffner.

Die Passfotos, die im Rathaus per Point-ID System gemacht werden, sind günstiger als im Fotostudio. „Die Kosten für Passbilder betragen 6 Euro pro Dokumentenantrag. Wenn beispielsweise sowohl ein Reisepass als auch ein Personalausweis beantragt werden, fallen zusätzlich 12 Euro für die Bilder an“, sagt Truffner. Er weist darauf hin, dass Passbilder, die bei anderen Kommunen – etwa bei der Stadt Horb – aufgenommen wurden, nicht für einen Antrag in Empfingen verwendet werden können.

Auch in Rottenburg können digitale Passfotos direkt im Bürgerbüro angefertigt werden. Auch dort beträgt die Gebühr 6 Euro. Das PointID-System soll nach Angaben der Stadt Rottenburg im Rathaus ab August eingeführt werden. „Weil das Verfahren deutschlandweit zum Stichtag 1. Mai umgestellt wird, schafft es die Bundesdruckerei nicht, gleich alle Kommunen mit den neuen Geräten auszustatten“, teilt die Stadt mit.