Fotoporträts spielten die Hauptrolle der Werksschau des Haslacher Künstlers Uwe Merz bei der Vernissage zu „Fotografien zwischen Kruscht und Zwirn“ in der Galerie Wilhelm Kimmich.
Zudem hatte Merz die „Grätigen Bollen“ – eine humorvolle Adaption von Strichmännchen mit Bollenhut – im oberen Stockwerk der Kimmich-Galerie ausgestellt.
„Sie schaffen es, das Alltägliche, das Flüchtige und das Verborgene sichtbar zu machen“, beschrieb Kunstvereinsvorsitzender Norbert Swoboda das „Abenteuer“, das die Besucher der Ausstellung dort erleben könnten. Er übernahm die Begrüßung des Publikums für Lauterbachs entschuldigten Bürgermeister Jürgen Leichtle. Besonders gefiel Swoboda ein Bezug zu Lauterbach: Einer der Porträtierten war das lokal bekannte „Adler-Urgestein“ Karl-Josef „Bubi“ Moosmann.
Energie von Menschen
Er war es auch, der Merz auf die Idee zu den gezeigten Porträts gebracht habe, so Uwe Merz. Der „wild gestikulierende Mann mit fliegendem Haar“ am Nebentisch der Gaststätte faszinierte den Fotokünstler so sehr, dass er große Lust verspürt habe, ihn zu fotografieren, erinnerte sich der ausgebildete Werbegrafiker mit weiteren Talenten.
Während er sich zuvor „noch“ für farbige Detailaufnahmen von Trachten – dem „Schwarzwälder-Zwirn-Zyklus“ – entschied, war er bei seinen neuesten Porträtfotografien namens „Heads“ bei Schwarz-Weiß gelandet, erklärte er bei der Einführung in die thematisch dreigeteilte Ausstellung. Ohne Farbe liege der Fokus nämlich auf Formen, Linien und Strukturen und reduziere sich auf die Essenz des Gezeigten, erklärte Merz.
Auch bei der Hängung der Porträts hatte Merz das „Zwischen“ im Titel seiner Ausstellung aufgenommen und zeigt den „Bauernkruscht“ auf der anderen Seite der Schwarz-Weiß-Porträts – inszenierte Aufnahmen von Gebrauchsgegenständen, die er in einer Bauernhofscheune fand. Alle Themen der Ausstellung verband das Erzählen, Leben und die Energie von Menschen.
Bei der Porträtfotografie würde eine Magie entstehen, weihte Merz das Publikum in das Geheimnis seiner Kunst ein. Bis er den Moment pures Leben und Echtheit in seiner Flüchtigkeit mit der Kamera erfassen könne, gelte es, Menschenarbeit zu leisten, bis der Mensch sich öffne und sein wahres Wesen zeige: „Das kann manchmal nur für eine Millisekunde sein“, beschrieb er die Spannung bis zur Einkehr des Friedens, wenn der Moment erlischt und das Foto passiert ist. „Das Bild ist dann genau mein Bild“, so Merz und wandte sich kritisch gegen eine Inflation der Kunst durch Plagiate.
Er zog Vergleiche zur intuitiven Malerei. Ein Foto würde ebenso komponiert wie ein Pinselstrich – die Energie spüren und ohne nachzudenken agieren. Der Prozess habe mit Achtsamkeit zu tun, erklärt der Künstler. „Das macht was mit den Menschen und es findet ein Energieaustausch statt“, beschrieb er die Feinstofflichkeit der Situation. Ebenso würde sich der Kreis schließen, wenn der Betrachter seiner Werke die Energie des Moments im Bild spüren könne.
Musikalische Begleitung
Das passierte den Zuschauern auch bei der wunderbaren musikalischen Begleitung der Vernissage durch das Violinenduo mit Klavier Karl-Heinz, Inge und Jonas Öhler – ein Ensemble namens „Öhlala“. Die leidenschaftlichen Lauterbacher Musiker zogen die Zuhörer mit klassischen Stücken beispielsweise von Antonio Vivaldi und eigenen Kompositionen in ihren Bann.