Führen Automaten für Passbilder dafür, dass Fotografen keine Aufträge mehr bekommen? (Symbol-Foto) Foto: Tomasz Zajda - stock.adobe.com

Sorgen Selbstbedienungsautomaten für Passbilder dazu, dass den Fotografen die Kundschaft ausgeht? Zwei Sulzer Fachleute haben eine klare Meinung dazu und erklären darüber hinaus, warum ihr Beruf zu einem der schönsten der Welt gehört.

In Balingen schließt das Fotostudio Lengerer, in Rottenburg steht ein Selbstbedienungsterminal im Rathaus, an dem Kunden ihre Passbilder für einen Personalausweis selbst machen können. Wie sehen die Sulzer Fotografen diese Entwicklung?

 

„Bei Passfotos schicke ich die Leute gleich weiter zu dm“, meint Julia Luft schmunzelnd. Sie selbst mache schließlich die ganze Palette an Themen – außer die biometrischen Ausweisbilder.

Fotos zeigen Persönlichkeit

Von Familien- und Hochzeitsfotos über Business- und Bewerbungsbilder sei vieles mit dabei. Besonders bei letzteren komme es auf Körpersprache, Kleidung und Kulisse an.

„Das Foto soll ja schließlich die Persönlichkeit unterstreichen“, betont Luft. Vor jedem Bewerbungsshooting gäbe es deshalb ein Vorgespräch, um die Rahmenbedingungen abzuklären: Ist es ein kaufmännischer oder sozialer Beruf, passt der Sakko besser oder der Pulli?

Das Glück festhalten

Im Vergleich dazu seien die standardisierten Passfotos keine große Kunst, ganz im Gegensatz zu professionellen Bildern. „Wenn ich bei meinen Stammkunden bin, sehe ich immer wieder Fotos von mir, die gerahmt an der Wand hängen“, verrät sie. Diese Wertschätzung sei schon ein sehr schönes Gefühl.

Aber auch ihre sonstigen Fototermine will Luft nicht missen. „Ich bin bei Leuten, die schöne Augenblicke erleben“, sagt sie mit Blick auf Hochzeits- und Familienfeiern. Einen Arzt riefe man, wenn es einem schlecht gehe – den Fotografen, wenn man glücklich sei, so ihre Erfahrung.

Automat: Schnell und günstig

Auch Kai Rachel ist wegen der Konkurrenz durch Passbildautomaten keinesfalls besorgt. „Biometrische Bilder sind das Unspektakulärste, was ein Fotograf machen kann“, lautet seine Feststellung.

Da seien solche Automaten, ob in Einkaufszentren oder Rathäusern, eine gute Idee. „Schnell und günstig für die Kunden. Ohne Termin und fertig zum Mitnehmen“, zählt er auf.

Ihn selbst tangiere das Geschäft mit Ausweisbildern auch weniger, da er als Hochzeitsfotograf arbeite, wenn auch nicht mehr hauptberuflich.

Der Gipfel der Gefühle

„Für mich waren die zweieinhalb Jahre der Corona-Pandemie nicht gut“, sagt er rückblickend. Von der staatlichen Unterstützung konnte man nicht leben. Deshalb habe er jetzt auch einen neuen Job in Vollzeit. Die Hochzeitsfotografie ist aber immer noch nebenher mit dabei.

„Dadurch, dass die meisten Hochzeiten ja freitags oder samstags sind, passt das aber gut zusammen“, erklärt Rachel. Das Tolle an der Arbeit sei, dass er den ganzen Tag mit dem Paar verbringe, das sich auf dem Gipfel der Gefühle befinde. „Morgens begleite ich die Braut zum Friseur, abends bin ich oft der letzte, der den Saal verlässt“, gibt er einen Einblick.

Gute Verbindung zu Paaren

Bei einigen Paaren entwickele sich so eine enge Verbindung. „Nach gewisser Zeit werde ich gefragt, ob ich nicht ihr Baby fotografieren könne“, erzählt Rachel. Oder die Schwester der Braut suche einen Fotograf für ihre Hochzeit. „Es bildet sich eine Art von Gemeinschaft“, beschreibt er den Umgang mit seiner Kundschaft.

Sulz: Passbild mitbringen

Im Bürgerbüro in Sulz bringt man das Passbild für den Ausweis übrigens noch selbst mit. „Große Kommunen wie Rottenburg können sich so einen Automaten vielleicht leisten“, heißt es auf Nachfrage.

Aber das wäre für die Bewerbungs- und Hochzeitsfotografen ja schließlich auch kein Problem.