Hanspeter Weiß, Mitgründer der Ötlinger Fotogruppe K 6, geht mit offenen Augen durch die Gegend und hat einen Blick für interessante Bildkompositionen.
Der 67-jährige Industriekaufmann, der in Weil am Rhein aufgewachsen ist, 44 Jahre beim Gaswerk Lörrach tätig war und seit drei Jahren in Rente ist, hat sich vor allem mit seinen Fotos im Rahmen der Ausstellungen der Fotogruppe K 6 sowie in den Fotobüchern über das Art-Dorf und die Kampfsportart Jiu Jitsu einen Namen gemacht.
Mit seinem fotografischen Blick und seinem Auge für das Wesentliche erkennt er das Besondere im Alltäglichen. Aus verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven betrachtet er seine Umwelt, spielt mit Licht und Komposition, insbesondere auch bei seinen vielfältigen Landschaftsaufnahmen.
Faszination für Fotografie
Hanspeter Weiß kann sich noch gut an das Osterfest 1969 erinnern. Denn damals hat er seinen ersten Fotoapparat, eine Kodak Instamatic, geschenkt bekommen. Dies weckte in ihm Anfang der 70er Jahre die Leidenschaft für die Fotografie. Weit über das bloße Knipsen hinaus vertiefte er sukzessive sein Fotografie-Wissen. Als Schüler des Kant-Gymnasiums jobbte er während der großen Sommerferien in der Schule, indem er Hausmeister Helmut Schamberger unterstützte. Von dem dadurch verdienten Geld kaufte er sich seine erste Spiegelreflexkamera.
Als er später bei dem bekannten Weiler Fotografen und Fotodesigner Rolf Frei einen sechswöchigen Kurs absolvierte, wurde in ihm vollends die Faszination für die Fotografie geweckt. Er lernte nicht nur die notwendigen Techniken, sondern auch wie man sich mit dem Fotoapparat kreativ ausdrückt.
Ausstellungen und Projekte
Das war auch die Zeit, als ein paar engagierte Fotografen die Fotogruppe K 6 in Ötlingen gründeten. „Wir schraubten unseren Anspruch an gute Fotos weiter hoch“, sagt Hanspeter Weiß, der inzwischen längst im Besitz einer digitalen Spiegelreflexkamera war. Es gab eindrückliche Ausstellungen im Hadid-Bau. 2009 am Tag der Kunst, präsentierte sich K 6 erstmals mit einer Ausstellung. Es wurden danach beispielsweise auch alle über 80-jährigen Ötlinger porträtiert, Fotobücher gestaltet und Buchprojekte über das Art-Dorf realisiert, Personen und Gruppen mit Mehrfachbelichtungen fotografiert und einiges mehr. „Es hat sehr viel Spaß gemacht“, sagt der Weiler Weiler Hobbyfotograf, der stets einen hohen Maßstab an seine Fotos legt. Im zurückliegenden Jahr hat Hanspeter Weiß sämtliche Veranstaltungen und Projekte der Dorfstube aus Anlass des 100. Todestags des Malers Hermann Daur dokumentiert – von der Gedenkfeier auf dem Ötlinger Friedhof bis zum Hochzeitsessen im Haltinger „Hirschen“. Ein Blickfang an der Ötlinger Durchfahrtsstraße gegenüber dem Weingut Vinessli sind drei großflächige Fotos von Weiß. Er versteht es, mit ausdrucksstarken Bildern Menschen und Landschaften gekonnt in Szene zu setzen, ebenso Stimmungen und Lichteffekte einzufangen.
Viel Geduld notwendig
Schon 20-mal war er mit dem Wohnmobil in Norwegen, um die faszinierenden Landschaften und besondere Gebäude mit der Kamera festzuhalten. „Ich mag Architektur“, sagt der Fotograf, der immer sein Stativ dabei hat, wenn er fotografiert, damit er Fotos schon bei der Aufnahme gestalten kann. „Es braucht viel Geduld und manchmal auch Glück, um einen passenden Moment für ein Motiv einfangen zu können“, fügt der Altweiler hinzu, der jede Woche viel in der Natur unterwegs ist und mit offenen Augen durch die Gegend läuft, sei es im Markgräflerland oder im Schwarzwald. In seinem privaten Archiv befinden sich inzwischen mehr als 80 000 Fotos. Mit seinen Natur- und Landschaftsfotos gestaltet Hanspeter Weiß, der sich neuerdings auch der Porträtfotografie widmet und entsprechend sein privates Atelier technisch ausgerüstet hat, jährlich einen Kalender.
80 000 Fotos im Archiv
Ob Blumen oder Wegkreuzungen in besonderem Sonnenlicht – ihm fallen bei seinen Wanderungen am Wegesrand so viele Details auf, an denen die meisten achtlos vorbeilaufen. Für Hanspeter Weiß, der die Vorzüge der Digital-Fotografie zu schätzen weiß, ist das Fotografieren ständig eine neue Herausforderung.
Fotoreisen zu entfernten Zielen wie zum Beispiel nach Norwegen sind seit sieben Jahren für den engagierten 67-Jährigen nicht mehr möglich. So lange hat er nämlich keinen Urlaub mehr gemacht, weil er zuhause seinen 96-jährigen pflegebedürftigen Vater betreut. Zwar hat er Island und die schottischen Inseln zum Beispiel nach wie vor auf seinem Reiseplan, doch bevor er diese Vorhaben realisiert, konzentriert er sich zunächst auf Projekte in der Heimat. So schwebt ihm beispielsweise eine gemeinsame Gartenausstellung mit der Malerin Susanne Lübke vor. Und das nächste Projekt ist eine Ausstellung in der Ötlinger Dorfstube zusammen mit Jürgen Näger, der Stein- und Holzskulpturen ausstellt. Die Fotografie lässt Hanspeter Weiß jedenfalls nicht mehr los, sie ist längst zu einem wichtigen Teil seines Lebens und erfüllenden Hobby geworden.