Eine Kiste zum Spaß haben. In der Hechinger Bahnhofs-Wartehalle steht jetzt ein Fotoautomat. Foto: Klaus Stopper

Alle großen Bahnhöfe haben einen Fotoautomaten. Die Hechinger Station jetzt auch. Für Betreiber Cetin Cavus ist das aber noch lange nicht das Ende aller Träume.

Lange war die Wartehalle des Bahnhofs geschlossen. Als vor einigen Monaten dann auch noch die Bahnhofsgaststätte schloss, fanden Zugreisende in Hechingen gar kein wärmendes Plätzchen mehr. Und allzu groß war die Hoffnung nicht, dass sich das so schnell ändern würde. Bis der Hechinger Kleinunternehmer Cetin Cavus seine Automaten-Vision in die Tat umsetzte. Längst gibt es nun in der Wartehalle Automaten für Snacks und Getränke. Der Kaffee-Automat bietet das Bohnengetränk in einer Qualität, wie man das auch von Flughäfen kennt. Und bei windig-kaltem Wetter darf dort jeder Schutz suchen, auch wenn er nichts kaufen will.

 

Ausweistaugliche Fotoaufnahmen für den Ausweis

Mittlerweile sind weitere Automaten angeliefert worden. Zwei Waschmaschinen stehen schon bereit, da fehlt nur noch das Podest, auf das sie montiert werden sollen. Und in einer Ecke steht etwas, was man eigentlich nur von größeren Bahnhöfen kennt: Ein Foto-Automat, der sogar so genannte „biometrische“ Aufnahmen macht, die man sich in den Ausweis kleben lassen kann. Rentiert sich das an dieser Stelle?

„Das läuft gut, der war hier kaum aufgebaut, da wurde schon fleißig geknipst“, sagt Cetin Cavus. Zwei Zielgruppen hat er im Blick. „Es gibt hier viele Geflüchtete und auch Leute mit ausländischem Pass und wenig Geld, die gehen nicht in ein Fotogeschäft“, so seine Beobachtung. Zu teuer, zu weite Wege. Aber wer mit dem Zug zu Kreisbehörden nach Balingen fahre, der greife hier spontan zu.

Lustige Erinnerungsbilder für Jung und Alt

Fast noch mehr Kundschaft läuft aber am Wochenende im Hechinger Bahnhof auf. Eltern knipsen sich mit ihren Kindern, junge Leute lichten sich in lustigen Posen ab. „Spaßfotografie“ nennt sich das. Lustige Erinnerungsbilder für kleines Geld. Auch die Snack-Automaten sind abends ein beliebtes Ziel für junge Leute. Chaos ausgeschlossen, denn Cavus hat immer jemand als Aufsicht vor Ort.

Beim Thema Essen sieht er übrigens noch Luft nach oben. Ein Eis-Apparat ist schon bestellt, aber nur Nachtisch wäre langweilig. „Ich habe mit einem Betreiber von so einem Automat geredet, der meinte Wurstsalat und Wurstdosen liefen super“. Mit einem Hechinger Anbieter ist er im Gespräch. Wenn das nichts wird hat er schon jemand von auswärts im Auge. „Ich bin noch am experimentieren, was hier gut ankommt“, erzählt er, „aber dass die Automaten im Kommen sind, da bin ich mir sicher.“

Reich mit Fotoautomaten

Entwicklung
Das erste Patent auf einen Fotoautomat wurde 1888 in England beantragt, erstmals im Einsatz war der Automat eines anderen Erfinders 1889 während der Weltausstellung in Paris. Erstmals Geld verdient mit diesem Geschäft hat Conrad Berritt aus Hamburg mit einem Apparat, für den er 1890 ein Patent beantragt hatte. Richtiggehend reich wurde schließlich Anatol Jozepho, der in die USA ausgewandert war und dort 1925 ein Patent für einen Apparat erhielt. Den Prototyp stellte er auf dem Broadway in New York auf, und bald herrschte hier ein Riesenandrang. Bis zu 2000 Kunden wollten sich hier knipsen lassen. Täglich! 1927 verkaufte er seine Rechte für eine Million Dollar. Ein Vermögen, das heute dem Wert von weitaus mehr als zehn Millionen Dollar entspricht.