"Beim Erntedank auch an Gras und Kuh denken" – unter diesem Motto stand das Erntedankgespräch des Forums Pro Schwarzwaldbauern. Foto: blende22/Pixabay

Was beschäftigt die Landwirte in St. Georgen und der Umgebung aktuell? Wie beeinflusst sie der Krieg in der Ukraine? Diese und weitere Fragen standen beim Erntedankgespräch des Forums Pro Schwarzwaldbauern in Peterzell im Fokus.

St. Georgen-Peterzell - "Beim Erntedank an Gras und Kuh denken" lautete der Titel eines Vortrags von Alfred Haiger aus Wien beim Erntedankgespräch des Forums Pro Schwarzwaldbauern im Brigachhaus.

In Folge des Krieges in der Ukraine als Kornkammer Europas sei Versorgungssicherheit wieder Thema, so der Vorsitzende Siegfried Jäckle. Er kritisierte, dass in politischen Diskussionen um Ernteschäden durch den Klimawandel Standortunterschiede nicht vorkämen, Tierhaltung pauschal reduziert werden solle.

Ernährungssouveränität ein Thema

Jeder souveräne Staat müsse seine Grundnahrungsmittel auf Basis der natürlichen Bodenfruchtbarkeit und artgerechter Tierhaltung erzeugen, so Haiger. Ernährungssouveränität bezeichne das Recht einer Bevölkerung, die Landwirtschaftspolitik zu bestimmen, ohne Preisdumping gegenüber anderen Ländern auszuüben. Das Problem der Versorgungssicherheit verschärfe sich dadurch, dass einer stetig wachsenden Erdbevölkerung immer weniger Ackerfläche gegenübersteht. Auch hätten sich schon 1973, im Sechstagekrieg, die Preise von Sojaschrot und Erdöl innerhalb weniger Tage vervierfacht. Das Problem, sich so abhängig von Russland zu machen, hätte man schon lange erkennen können.

Weidegras von Grünland erfordere am wenigsten Energie zur Bereitstellung von Futter, Kühe seien dann keine Konkurrenten für unsere Nahrung. Grünland gebe Kühen genau die Energie und den Stickstoff, den sie bräuchten. Es gehe deshalb um naturgemäße Zucht von Wiederkäuern. Das heiße nicht, jährlich 12 000 Liter Milch zu geben und 5000 Kilo Getreide zu fressen. Industrielle Landwirtschaft sei kein Weg, um die Weltbevölkerung zu ernähren. Leistungssteigerung führe zur Verdrängung von Grund- und zur vermehrten Zuführung von Fremdfutter. Die EU importiere jährlich 35 Millionen Tonnen Futtermittel, davon zwei Drittel aus Entwicklungsländern. Auch werde mehr als die Hälfte der Getreideernte für Futter verwendet. Die Gabe von zu viel Kraftfutter sei eine übermäßige Lebensmittelvernichtungsmaschinerie und bringe über Ausscheidungen zu viel Stickstoff auf die Wiesen. Natürliche Stickstoffquellen würden so verdrängt.

Kühen helfen bei Landschaftspflege

Ohne Kühe werde sich die Landschaft zu Wald hin verändern, warnte Haiger in Bezug auf Tourismus. Man müsse Wiederkäuer behalten, um die Landschaft zu pflegen. Dauergrünland sei zudem nach Mischwald der beste Erosionsschutz und erhöhe die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu speichern. Eine normal bewirtschaftete Alm habe gegenüber einer nicht bewirtschafteten ein Vielfaches an Biodiversität, die feinen Graswurzeln seien die beste Voraussetzung für Humusbildung. In einem solchen Weidesystem gebe es pro Hektar zehn Tonnen Bakterien, zehn Tonnen Pilze, vier Tonnen Regenwürmer und eine Tonne weitere Bodentiere.

Haiger kritisierte die "Überlistung der Natur" durch die Zucht "einseitiger Milchkühe". Das habe dazu geführt, dass oft Kaiserschnitte nötig seien, bringe zudem hohe Kälbersterblichkeit. Die Steigerung der Milchleistung gehe einher mit der Verkürzung der Lebensdauer. Er zeigte auf, dass eine langlebige Kuh mit vielen Laktationsperioden, Zeiten in denen sie Milch gibt, im weiteren Leben höhere Milchleistungen bringt. Eine lange Lebensleistung sei damit rentabler. "Langfristig ist nur ökonomisch, was ökologisch ist", so sein Fazit.