Auch im neuen Jahr wird es wieder ein Skater-Contest geben, diesmal dann mit einer Neuauflage der Skateboardausstellung: „SkateboARTs II“. Foto: Siegmeier

Der Kunstverein Forum Kunst hat auch für 2024 wieder viele neue Ideen im Gepäck. Kurator und Geschäftsführer Jürgen Knubben erzählt im Gespräch mit unserer Redaktion, wie es gelingt, auch junges Publikum für Kunst zu begeistern.

Viele interessante Ausstellungen und Aktionen gab es 2023 beim Kunstverein Forum Kunst. Und auch im Jahr 2024 gibt es manche besondere Aktion. Vor allem junge Menschen für die Kunst zu begeistern ist ein großes Anliegen.

 

Auf vielfältige Ausstellungen, die „Platzhalter“-Kunstaktion sowie den Skateboard-Wettbewerb „Dogtown Street Jam“ kann Forum Kunst dieses Jahr zurückblicken. Ein nicht ganz typisches „Programm“ für einen Kunstverein. Warum sind Ihnen derlei zusätzliche Events außerhalb des Bürgersaals so wichtig?

Leider finden nicht alle Bürgerinnen und Bürger in den Bürgersaal, um sich die aktuellen Ausstellungen anzuschauen. Zum Teil liegt es an der Gelegenheit, zum Teil liegt es an einer gewissen Schwellenangst. Deshalb ist Forum Kunst schon immer ergänzend den Weg über den Außenraum gegangen. Ich erinnere an großen Kunstaktionen wie „Künstler machen Fahnen für Rottweil“, „Künstler machen Koffer für Rottweil“ oder auch „Künstler machen Schilder für Rottweil“, die stets zu Kunstfesten gerieten. Auch die Aktion „Achtung Rottweiler“ mit 500 Hörl-Hunden in der Oberen Hauptstraße waren Treffpunkte für alle, die sich nicht intensiv, aber interessiert bereit waren, sich mit der Kunst der Gegenwart konfrontieren zu lassen. Zuletzt konnte Forum Kunst anlässlich des 50-jährigen Bestehens mit der Lichtperformance des international agierenden Medienkünstlers Jonas Denzel am Schwarzen Tor zahllose Besucher begeistern.

Kritik muss ausgehalten werden

Mit der „Platzhalter“-Aktion haben Sie nicht nur Freunde für Kunst im Öffentlichen Raum gewonnen, sondern auch viel Kritik einstecken müssen. Wird die Aktion im neuen Jahr fortgesetzt?

Kritik für Gegenwartskunst im öffentlichen Raum sind Kunstschaffende und deren Kuratoren gewohnt und muss auch ausgehalten werden. Die Grenze ist aber dort erreicht, wo sie nicht konstruktiv ist, persönlich wird oder ein sehr tiefes Niveau erreicht. Aus der Geschichte wissen wir, dass viele Kunstäußerungen zunächst neben Anerkennung auch Ablehnung hervorrufen können.

Dass aber nach einer gewissen Zeit sogar Begeisterung für das zuvor Abgelehnte folgt, das macht Hoffnung und ist Anlass, nicht nachzulassen, Werke der Jetztzeit auch in einer Stadt der Größe Rottweils zu zeigen. Ich erinnere nur an die Siebziger Jahre, in denen in der Königstraße damit begonnen wurde, Skulpturen zu platzieren. Ich denke nicht, dass das heute noch Anlass sein könnte, Protestaktionen zu starten. Damals gab es diese. Rottweil versteht sich als Kulturstadt. Diesem Bekenntnis und Anspruch muss man aber auch immer neu gerecht werden.

Worauf legen Sie bei der Jahresplanung besonderen Wert?

Als Kunstverein einer kleineren Stadt kommt es meiner Ansicht nach besonders darauf an, eine gute Mischung zwischen renommierten Kunstpositionen und Positionen des Experimentellen anzubieten. Deshalb zeigen wir auch im Jahr 2024 ältere und erfahrende Kunstschaffende neben ganz jungen Künstlerinnen und Künstlern, die gerade dabei sind die Akademie zu verlassen und auf ihren schweren Weg in die nationale und internationale Kunstszene zu gehen. Wir zeigen Werke der Malerei, Skulptur, Installation und Fotografie. Und zuletzt wagen wir uns auch an eine Ausstellung mit dem Titel „Wald- und Wildszenen“, in der zum Jahresende sehr unterschiedliche Arbeiten gezeigt werden können.

Der jungen Generation Verantwortung geben

Viele Kunstvereine sind mittlerweile ziemlich überaltert. Im Forum Kunst ist das anders. Hier ist auch die Junge Generation mittlerweile mit am Start. Wie gelingt es junge Menschen für die Kunst zu gewinnen?

Dies gelingt sicherlich nur dann, wenn man der jungen Generation auch Mitverantwortung gibt und Ausstellungen bietet, die Themen dieser Altersstufe widerspiegelt. Deshalb bereiten wir für den kommenden Sommer die Neuauflage „SkateboARTs II“ an, die bereits 2016 für großes Publikumsinteresse sorgte. Wiederum werden mehr als 100 nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler, die dieser Szene angehören, eingeladen, einen Skateboard-Rohling zu gestalten. Parallel dazu wird es erneut einen Contest auf dem Friedrichsplatz geben. Und die Kunststiftung Erich Hauser wird Mitveranstalterin sein und einen Werkstattpreisträger küren, der Objekte baut, die für den Contest Verwendung finden können.

Manche dieser Künstler sind heute richtig „große Nummern“ und weltweit tätig. Haben Sie da ein paar Beispiele?

Das gibt es unzählige Beispiele von Künstlerinnen und Künstlern, die in den letzten 53 Jahren im Forum Kunst ausgestellt haben, zur Zeit ihrer Ausstellung in Rottweil jung und eher unbekannt waren und heute auf dem internationalen Kunstparkett eine große Rolle spielen. Ich nenne nur einige wenige wie Lynda Benglis, Isa Genzken, On Kawara, Martin Kippenberger oder Günter Uecker, deren Werke heute auf Auktionen zum Teil siebenstellige Preise erzielen. Aber es sind auch Karin Kneffel, Leiko Ikemura, Magdalena Jetelová oder Daniel Spoerri zu nennen, die in vielen internationalen Museen vertreten sind. Die meisten waren noch jung als sie im Forum Kunst unsere Gäste waren.

Verraten Sie uns ein paar besondere Kunstschmankerl für 2024?

Gleich die erste Ausstellung im Jahr 2024 ist der südkoreanischen Künstlerin Jae-Eun Jung gewidmet. Sie ist eine außergewöhnliche Künstlerin, die in ihrer Malerei zwischen zwei Welten, der fernöstlichen und westlichen, einen künstlerischen Bogen spannt. Mit der zweiten Künstlerin des nächsten Jahres, Karin Lindena, Professorin an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, erleben wir eine installative Ausstellung, verbunden mit einer Performance zur Eröffnung. Und dann sehen wir weiter.