Ein Traktor auf dem Feld. Die Landwirtschaft muss sich zahlreichen Herausforderungen stellen. Foto: © Ingo Bartussek - stock.adobe.com

Das Kulturerbe sehen die im Forum pro Schwarzwaldbauern organisierten Landwirte als Basis fairer Landwirtschaft. Sie üben aber auch harsche Kritik.

Furtwangen-Rohrbach - Zur Mitgliederversammlung traft sich das Forum pro Schwarzwaldbauern kürzlich im "Löwen" in Rohrbach. Sorgen bereiten dem bisherigen Vorsitzenden Siegfried Jäckle, dass die Meinungsbildung "durch Medien und Politik" immer mehr gehemmt werde, indem nicht mainstreamförmige Meinungen als Verschwörungstheorien abgestempelt würden. Und dass dieser Zeitgeist auch Bauern zu Egoisten mache und notwendige Kooperation verhindere.

Bei den turnusmäßigen Wahlen rückte Siegfried Jäckle altershalber zum Stellvertreter zurück. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig Reimund Kuner aus Schönwald gewählt und Erika Obergfell aus Brigach wieder zur Stellvertreterin.

"Kulturwandel statt Strukturwandel"

Das Motto des Forums "Kulturwandel statt Strukturwandel" habe im Hitzesommer 2022 Bestätigung erfahren vom Klimaforscher Mojib Lativ, der in seinem Bestseller "Countdown" gar eine kulturelle Revolution fordert. Das Forum bedauerte, dass landwirtschaftliche Institutionen noch nicht gemerkt hätten, dass der Strukturwandel angezählt sei und immer noch die von fossiler Fremdenergie abhängigen Entwicklungswege des "größer, schneller, weiter" für möglich halten. Als Gegenbeispiel berichtet Beirat Theo Kern von einem Architekten, der Schwarzwaldhöfe energieautark gestaltet, wie sie ursprünglich gewesen sind. Deshalb sei eine offene Gesprächskultur auf der Basis des Kulturerbes Ziel des Forums, damit Schwarzwaldbauern nicht weiter "im marktradikalen Wettbewerb untergehen, sondern als regenerative Primärproduzenten in Krisen widerstandsfähiger werden".

"Globalisierung muss gerechter werden"

Um den extremen Hitzesommer 2022 drehte sich dann das Rundgespräch. Wobei alle Krisen dieser Zeit von Gesprächspartnern aus dem Netzwerk des Forums vorhergesagt worden seien. So erinnerte Beirat Hans Bertsche an Professor Radermacher, der am Aschermittwoch 2011 erklärt habe, "dass wir nur weiter in Frieden leben werden, wenn die Globalisierung gerechter gestaltet wird". Deshalb strebe Radermacher eine ökosoziale Marktwirtschaft an, um den Kollaps des jetzigen Systems wie auch "ökodiktatorische Maßnahmen" abzuwenden. Erika Obergfell schwärmte vom Niko Paech, dessen Postwachstumsökonomie dem bäuerlichen Leben ähnele und die Alternative zum Wachsen und Weichen sei. Für den Ökonom sind Krisen, Flucht und Kriege Symbole einer nicht nachhaltigen Entwicklung.

Auf die Anfänge des Forums verwies Siegfried Jäckle, wo vor 22 Jahren der inzwischen verstorbenen Alternative Nobelpreisträger Hermann Scheer die Energiekrise schon kommen sah. Denn es reiche nicht, fossile Rohstoffe durch erneuerbare auszutauschen. Die zentralen fossilen Versorgungsstrukturen seien das Problem, weshalb Energie- und Nahrungsversorgung wieder dezentral organisiert werden müsse.

Aufwertung der Regionalwirtschaft

Der neue Vorsitzende Reimund Kuner versuchte, die globale Entwicklung im Schwarzwald darzustellen. Dazu bezog er sich auf den Alpenprofessor Werner Bätzing, der festgestellt hat, dass ursprünglich die letzten Winkel in den Bergen besiedelt wurden, infolge der Globalisierung sich die Siedlungen heute in den ebenen Tälern konzentrieren und der Tourismus in Hotspots. In dieser Spaltung der Landschaft in Freizeitparks und Wildnis sieht Bätzing wie das Forum keinen Sinn, weil Berge zur Kulisse verkommen. Deshalb schlägt Bätzing die Aufwertung der Regionalwirtschaft auf Basis echter Erzeugnisse vom regionalen Boden vor.

Nächste Veranstaltungen

Diesem Sinne gelten die nächsten von Reimund Kuner ankündigten Veranstaltungen des Forums. Am 27. September findet das traditionelle Erntedankgespräch statt zur aktuellen Ernährungsdebatte im Brigachhaus in St.Georgen-Brigach.