Deutsche Hofmusik – das sei wie eine Reise durch Europa, sagt Alexander Grychtolik. Als Reiseführer haben er und seine Frau Aleksandra im „Forum Alte Musik Burgfelden“ einen hervorragenden Job gemacht, hatten allerdings sehr schweres Gepäck.
Schon bei den ersten Klängen der „Musik für zwei Cembali“ gehen die Tasteninstrumente, die aussehen wie Flügel und klingen wie Saiteninstrumente, eine Symbiose mit dem Raum ein, der Alten Kirche St. Michael: Das nüchterne, mehr als 1000 Jahre alte Gebäude und seine Fresken wirken stärker durch die „Deutsche Hofmusik“, die Aleksandra und Alexander Grychtolik spielen – und die Musik durch den Raum.
Italienische Musik nimmt die Zuhörer mit hinein, sei sie doch im 17. Jahrhundert ein Exportschlager gewesen, verrät der Cembalist, und weil Johann Sebastian Bach sich sehr mit Antonio Vivaldis Musik beschäftigt habe, schlagen sie mit dessen „Sinfonia“ aus der Oper „Ottone in Villa“ die Brücke zum Brandenburgischen Konzert Nr. 6 des Thomaskantors – in einer eigenen Bearbeitung für zwei Cembali.
Meisterhafte Improvisationen erklingen in der Alten Kirche St. Michael
Ihre Improvisationen sind meisterhaft
Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel hingegen sei Hofcembalist bei Friedrich II. von Preußen gewesen – seine „Vier Duette für Cembalo“ und die „Fantasia fis-moll für Cembalo solo“, die Aleksandra Grychtolik alleine interpretiert, bedurften also keiner Bearbeitung. Dafür aber improvisieren Alexander Grychtolik – zunächst solo – und seine Frau mit ihm gemeinsam im zweiten Teil des Konzerts derart meisterhaft, dass die Zuhörer hingerissen sind.
Das Instrument mit seinem feinen Klang verzeiht keinerlei Ungenauigkeit, fordert Exaktheit bei Tempo und Anschlag. Trotzdem brilliert das Ehepaar nicht nur technisch, sondern verleiht den Stücken ebenso wie seinen eigenen Improvisationen Seele, arbeitet mit leichter Hand die verspielten Passagen heraus, zaubert zarte Klänge und kostet die Klangfülle, die ihre Instrumente bieten, genüsslich aus.
Mit rund 200 Kilo halten die Grychtoliks Einzug in Burgfelden
Mit 200 Kilo durch die Lande
Rund 100 Kilogramm wiege jedes der beiden Cembali, verrät Aleksandra Grychtolik. Sie und ihr Mann reisen also nicht nur musikalisch durch Europa, sondern auch mit schwerem – und empfindlichen – Gepäck in Albstadts kleinsten Stadtteil. Die Cembali seien dabei natürlich gut verpackt, betont die Künstlerin. Zumal sie fantastisch verziert sind mit goldschimmernden Ornamenten – so schön wie die Musik, die ihren Resonanzräumen entströmt.
In der Tradition von Vater und Sohn
Wer so meisterhaft und scheinbar mühelos improvisieren kann, der hat Musik im Allgemeinen und das Genre der deutschen Hofmusik im Besonderen wahrlich durchdrungen, und so hat es auch nichts mit Hybris zu tun, dass die beiden Künstler selbst im Stil von Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Back komponieren und improvisieren, selbst wenn sie eines ihrer Werke als „Barocke Improvisation eines ‘7. Brandenburgischen Konzertes‘ für zwei Cembali“ betiteln, sich damit in die Tradition der beiden Meister stellen.
Der Applaus am Ende des Konzertes will partout nicht abreißen
„Erst als Bach die Brandenburgischen Konzerte zusammengestellt hat, begann die Zeit des Cembalo“, erklärt Alexander Grychtolik. Dass ihn und seine Frau die Umgebung der Alten Kirche St. Michael besonders inspiriert haben muss, die Besonderheiten dieses Instruments zu feiern: selbstredend. Ein Konzert wie dieses dürften die alten Mauern trotz der langen Tradition musikalischer Darbietungen im Forum Burgfelden noch nicht gehört haben – und die meisten der Zuhörer ebenfalls nicht.
Der Applaus jedenfalls will nicht abreißen am Ende, dass trotz langem Konzert zu früh kommt.