Die Cembalistin Patrizia Bieber und ihre Schwester Vera Bieber an den Flöten sind im „Forum Alte Musik Burgfelden“ förmlich verschmolzen mit dem Raum der Alten Kirche St. Michael, den sie mit ihrer Musik der Barock-Ära förmlich veredelt haben.
Ein hoher Ton und ein temperamentvoller Bogen zerschneidet die andächtige Stille. Das tut fast weh in den Gehörgängen. Und es geht deshalb ein Ruck durch die vollbesetzten Reihen der Alten Kirche St. Michael in Burgfelden. Denn wenn Vera Bieber mit ihren schlanken Fingern so behände die Löcher der so unerheblich wirkenden Blockflöte fast liebevoll betupft, dann scheint sie die Sonaten aus der Barock-Ära mit dem ganzen Körper zu malen.
Mit der Sonata 4 von Biagio entsteht daraus so etwas wie poetischer Surrealismus. Fulminant dieser mediterran-quirlige Auftakt dieses Konzerts der Reihe „Forum Alte Musik Burgfelden“. Die Bieber-Schwestern, Vera an den Blockflöten und Patrizia am Cembalo, nehmen die Zuhörer mit auf eine farbenreiche musikalische Reise durch Raum und Zeit.
Wie reich ist das melodische Flötenspiel
Jetzt ein Break, würde man dazu im Jazz sagen. Denn nach italienischen Turbulenzen folgt Bach und seine obligate Flötensonate g-moll. Nachgerade streng wirkt dieses strukturierte Werk, das durch die figurativen Auflockerungen des Cembalos und den Reichtum der melodischen Flötenspielkunst den fast nüchternen Klangflächen der Bach-Sonate sirrenden Glanz und balsamischen Schwung verleiht.
Schon mal den Strophen einer Nachtigall gefolgt? Wenn nicht, ließ sich das nachholen mit dem Stück „Engels Nachtegaeltje“ des niederländischen Komponisten, Glocken- und Flötenspielers Jacob van Eyck. Diese hüpfenden Töne, Schnalzer, Jauchzer, Ton-Dopplungen, diese Arabesken und Triller: Nachtigall, ick hör dir trapsen. Vera Bieber stiehlt jeder noch so kreativen gefiederten Sängerin die Schau – auch bei dieser musikalischen Praliné gefühlvoll, lyrisch und suggestiv eingebettet in das Spiel von Patrizia Bieber am Cembalo.
Wie lässt es sich eigentlich auf einer Blockflöte oder dem Cembalo ohne Pedale dynamisieren? Wie bleiben die Musikerinnen auf dem Ton, zelebrieren sie Oktavensprünge, schnelle Läufe, gegenläufige Akkorde, kunterbunte Girlanden? Sie geben Antworten darauf mit ihrem jugendlich-frischen Spiel und ihrer sichtbaren Freude an den Interpretationen von Stücken wie Essercizii von Telemann, einem kleinen Lied von Gottfried Finger oder den relativ frei interpretierbaren Suiten und Sonaten der französischen Komponisten Jean-Henry d’Anglebert und Anne Danican-Philidor.
Das Klanggemisch betört das Publikum
Der Erstgenannte hat die Cembalowelt nachgerade beschenkt mit seinen Pièces de clavecin und beispielsweise der Suite Nr. 2 g-moll. Unfassbar fein gemalt, mit fast gehauchten musikalischen Effekten, temporeichen Verzierungen und einem vibrierenden Klanggemisch betört Patrizia Bieber auf dem Cembalo die Zuhörer, die sich gerne betören lassen. So unbekümmert frech und frisch, wie es begann, endet dieses verzaubernde und mit viel Beifall bedachte Konzert mit der Sonate Nr. 1 d-moll von Francesco Mancini. „So beginnen Wunder“, bescheidet ein Barockmusik-Fan über dieses Gastspiel.