Klaus Töpfer war der Rottenburger Forsthochschule sehr verbunden. Foto: Uwe Anspach/dpa

Seit mehr als 20 Jahren stand der kürzlich verstorbene ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer in einem direkten Kontakt zur Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR).

Im Januar 2004 folgte er der Einladung der Hochschule zu ihrer Jubiläumsveranstaltung, noch im September des vergangenen Jahres traf er sich mit Rektor Bastian Kaiser in Stuttgart.

„Es kam für die Hochschule einem Wunder gleich, als im Dezember 2003 die Nachricht von Klaus Töpfer kam, dass er die Einladung gerne annehme, am 4. Januar 2004 als Festredner bei der Jubiläumsveranstaltung „50 Jahre forstliche Ausbildung am Schadenweilerhof“ teilzunehmen. Die Zusage des ehemaligen Bundesumweltministers kam aus Nairobi (Kenia), wo er zu diesem Zeitpunkt Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) – und damit einer der weltweit ganz wichtigen und gehörten Umweltexperten war“, schreibt die HFR in einer Pressemeldung.

„Und es war die Zeit, in der er als einer der möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Johannes Rau im Amt des Bundespräsidenten galt. Kein Wunder also, dass die Räumlichkeiten der damals sehr kleinen Hochschule angesichts dieses Gastes für die Feier nicht ausreichten. Selbst die Festhalle der Stadt war zu diesem Anlass und vor allem für Klaus Töpfer bis zum letzten Platz besetzt“, erinnert man sich an der HFR.

Begriff der UN-Grünhelme

Viel politische Prominenz, Wissenschaftler, Bürger und zahlreiche Studierende füllten die Halle und hörten aufmerksam zu. In seiner Festrede prägte Klaus Töpfer an diesem Tag einen Begriff, den er in späteren Reden noch öfter benutzen sollte – er sprach davon, dass die Welt neben den UN-Blauhelmen auch UN-Grünhelme brauche, wenn es darum gehe, den Frieden in der Welt zu sichern. Und er betonte, dass er damit eben solche jungen Menschen meine, die in Rottenburg und in vergleichbaren Studiengängen anderer Hochschulen ausgebildet werden. Erst elf Jahre später folgte die Staatengemeinschaft in der UN-Umweltkonferenz in Paris der Einsicht von Klaus Töpfer, dass Wälder und deren verantwortungsvolle Bewirtschaftung durch verantwortliche, gut ausgebildete Experten einer der Schlüssel sind, die Dynamik des Klimawandels zu bremsen. „Die Wälder, die Waldbesitzenden und die Forstwirtschaft erfahren seitdem – und auch dank Professor Töpfer – weltweit eine andere, eine hohe Wertschätzung. Dieser Besuch und seine vielbeachtete Rede in Rottenburg waren der Beginn eines anhaltenden Kontaktes zwischen der Hochschule und Klaus Töpfer“. schreibt die HFR.

Visionäre Wahrnehmung der Hochschule

„Seinem Besuch, seiner Weitsicht und seinem Einfluss haben wir viel zu verdanken“, sagt Rektor Bastian Kaiser. „Sie waren die Grundlage für eine andere, eine neue und visionäre Wahrnehmung unserer Hochschule, unserer Arbeit, unsere Absolventinnen und Absolventen – aber auch der Impuls dafür, die moderne, zukunftsorientierte Forstwirtschaft weit über die Waldränder hinaus zu denken und zu entwickeln. Nicht zuletzt ihm haben wir auch unseren internationalen Ruf zu verdanken.“

Seitdem verfolgte Klaus Töpfer die Entwicklung der HFR interessiert und stand in einem gelegentlichen Briefwechsel mit Bastian Kaiser, in dem er so manchen hilfreichen Rat gegeben hat. Gelegentlich traf man sich auch am Rande von Veranstaltungen, zu denen er nach Baden-Württemberg kam. Zuletzt war das am 28. September 2023 der Fall. Dort fragte Rektor Kaiser, ob er ihn mal wieder an die HFR einladen dürfe. Der Bundesminister und Generalsekretär a.D. antwortete in einer für ihn typischen Weise, dass er sehr gerne kommen werde, wenn man einen „Ehemaligen wie ihn“ tatsächlich noch einladen und hören wolle. „Ihm ging es eben immer um die Sache, um die Botschaft, um die Zukunft – nicht um sich selbst“, schreibt die HFR.

Hochschule trauert

Zu diesem Besuch wird es nun leider nicht mehr kommen. Die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg trauert um einen wichtigen Wegbegleiter, einen klugen Ratgeber, einen Visionär und engagierten Kämpfer für den Wald-, den Natur- und den Umweltschutz.

„Wir, Deutschland und die ganze Welt verlieren mit Klaus Töpfer einen Vordenker, einen Wegweiser und wunderbaren Menschen“, sagt Bastian Kaiser, „aber das Vorbild Klaus Töpfer wird uns noch lange bleiben! Unsere Gedanken sind bei seiner Frau. Ihr gilt unser Mitgefühl.“