Junge Bäume selbst setzen – das wollen die Forstleute in Winterlingen weiterhin. In nächster Zeit allerdings setzen sie erst einmal auf Natürverjüngung. Foto: Retter

Nach mageren Jahren dürfen sich die Winterlinger endlich wieder auf einen Gewinn aus dem Waldhaushalt freuen. Wie hoch das Vertrauen in die Forstbehörde ist, hat die jüngste Sitzung des Gemeinderats gezeigt, in der die Räte den Haushaltsplan 2022 goutierten.

Winterlingen. - "Drei äußerst kritische Jahre" im Winterlinger Wald sind vorbei – vorerst, wie Klaus Richert, Leiter der Forstamtsaußenstelle Albstadt, im Gemeinderat erklärt hat. Der regenreiche Sommer 2021 und die "ordentliche Preisbelebung" auf dem Holzmarkt ab Herbst 2020 seien die Gründe. Auf durchschnittlich 116 Euro pro Festmeter seien die Preise im Sommer 2021 geklettert und lägen nach einer Abschwächung – die Nachfrage aus China und den USA gehe zurück – noch immer bei durchschnittlich 100 Euro. Richerts Rat: "Das sollten wir ausnutzen."

Gemeinde leistet sich eigene Forstarbeiter

Erst unter dem Ziel, jetzt darüber

War der Einschlag in den vergangenen Jahren unter den Zielen der zehnjährigen Forsteinrichtung geblieben, so soll er 2022 um 1300 Festmeter darüber liegen – bei 18 300 Festmetern insgesamt. 12 000 Festmeter davon sollen die derzeit fünf Waldarbeiter der Gemeinde erledigen – den Rest Firmen. Was Robert Kromer (Bürgerliste) zur Frage veranlasste, ob auch andere Gemeinden sich eigene Waldarbeiter leisteten. Das täten sie, entgegneten Richert, Eugen Seyboldt von der Abteilung Forst der Stadt Albstadt und Bürgermeister Michael Maier. Eigene Leute identifizierten sich eher mit dem Gemeindewald, stünden schneller zur Verfügung, so dass man schneller auf Entwicklungen am Holzmarkt reagieren könne, und kämen insgesamt sogar preisgünstiger als Fremdfirmen. Die Kosten für einen Waldarbeiter bezifferte Seyboldt auf durchschnittlich 63 000 Euro – Ausgaben für deren Werkzeug und die Reparaturen bereits eingerechnet.

Weil die Forstleute derzeit vor allem mit der Naturverjüngung arbeiten, sind nur 12 500 Jungpflanzen eingeplant: Douglasien und Lärchen, die in Zeiten der Klima-Krise besonders stabil seien, Stieleichen, Esskastanien, Kiefern und auch 6000 Fichten – "die brauchen wir weiterhin", so Richert, "zumal sie das Geld bringen."

Die Fichte macht den größten Teil aus

Was den Einschlag angeht, so sollen 10 610 Festmeter Nadel- und 7665 Festmeter Laubholz fallen, wobei die Fichte ebenfalls den Löwenanteil ausmacht. Auf 25 Hektar Fläche ist Kulturpflege geplant. Kosten für die Landschaftspflege fallen in Winterlingen allerdings gar keine an: "Wir haben die Flächen an Ziegen- und Schafhalter verpachtet", berichtete Seyboldt. Im Klartext: Deren hungrige Tiere nehmen den Waldarbeitern die Mühe ab, die Wiesen von Waldbewuchs freizuhalten.

Funk-Fällkeile schützen Waldarbeiter

An Investitionen sind nächstes Jahr 6000 Euro für Waldwegebau vorgesehen, 3500 Euro für die Ersatzbeschaffung eines Autoanhängers für das Revier Winterlingen Nord, 5000 Euro für den Kauf von Waldgrundstücken und weitere 5000 Euro für zwei Funk-Fällkeile, deren Vorteile Seyboldt erläuterte: Mit ihrer Hilfe ließen sich Bäume, die schon dürre Äste haben, ferngesteuert fällen und somit vermeiden, dass Äste Waldarbeiter treffen, wenn der Baum fällt. "Das ist gut investiertes Geld", betonte der Fachmann.

Wie zuvor die Ortschaftsräte Harthausen – bei einer Enthaltung – und Benzingen – einstimmig – erteilten die Gemeinderäte dem Waldhaushaltsplan 2022 sowie dem Hiebs- und Kulturplan ihre Zustimmung – bei einer Enthaltung. Der soll mit einem Plus in der Holzwirtschaft in Höhe von 153 300 Euro und einem Minus bei Sozialfunktionen von 62 360 Euro sowie 19 500 Euro an Investitionen mit einem Reingewinn von 71 440 Euro abschließen.